Aller au contenu
Tous les transcripts
Podcast / conversationVON NULL AUF JETZT· 26 juillet 2026 137 minComplaisantActualité / polémiqueÉducation & rechercheSolidarités & familleTravail & emploiSanté

Kitas am Limit – Was läuft schief in der Kinderbetreuung? | André Marc Schneider

Source d'origine 3 locuteurs

Transcription Whisper (large-v3), avec identification des locuteurs. À recouper avec la source d'origine.

Analyse automatique

Générée par IA — peut contenir des erreurs. Méthodologie

Chapitres

Répartition du ton (temps de parole politique)

Propositif 23 %Attaque 7 %Défensif 68 %

Questions et réponses

Taux de réponse directe : 91 % (directe = 1, partielle = 0,5, éludée = 0)

  • 0:00OuverteRéponse partielle

    Mais comment est-ce que vous pouvez le vivre avec ces situations ?

  • 0:03OuverteÉludée

    Gave-il aussi des affaires sur vous, sur les enfants ?

  • 0:06OuverteÉludée

    Tu es-tu juste avant le Burnout ?

  • 2:06OuverteRéponse directe

    André, je voudrais te demander, qu'est-ce que ça dit de notre société quand on privilégie la carrière et l'argent à la présence avec les enfants ?

  • 5:59OuverteRéponse directe

    Trouves-tu que le comportement social avant l'école doit être enseigné ?

  • 8:53RelanceRéponse directe

    Et tu es d'accord avec ça ?

Affirmations vérifiables (citations exactes)

  • 0:33InvitéFait
    « Wir haben kein Personal. »
  • 0:37InvitéFait
    « ich bringe mich jetzt um und du bist schuld. »
  • 0:39InvitéFait
    « Egal was morgen ist, ich mach mich strafbar. »
  • 0:46InvitéFait
    « Es gibt Eltern, die denken wir übernehmen die komplette Erziehung, die machen dann zu Hause gar nichts mehr. »
  • 3:12InvitéFait
    « In den 80er, 90er Jahren, da konnte ein Vater allein noch eine Familie mit zwei Kindern ernähren. »
  • 3:29InvitéFait
    « Und selbst in Teilzeit, wenn ein Elternteil nur in Teilzeit arbeitet, wird es echt schwierig. »
  • 3:37InvitéFait
    « Und ein Kind ist eine Luxusanschaffung geworden, wenn man das mal so sagen kann. »
  • 4:20InvitéChiffre
    « Also es kommt ganz darauf an, wo man wohnt. Aber teilweise hat man nämlich auch seine Kita-Kosten von 400, 500, 600 Euro im Monat. »
  • 28:52InvitéFait
    « Ja, ist es und das darf eigentlich nicht sein. »
  • 30:22InvitéFait
    « egal was morgen ist, ich mache mich strafbar. »
  • 35:32InvitéFait
    « Es gibt viele Stresserkrankungen. »
  • 37:11InvitéFait
    « Der Erzieherberuf ist doch recht anspruchsvoll. »
  • 40:55InvitéFait
    « Es gibt Eltern, die denken, wir übernehmen die komplette Erziehung, die machen dann zu Hause gar nichts mehr. »
  • 48:12InvitéFait
    « In Deutschland gibt es einen Rechtsanspruch auch auf einen Betreuungsplatz. »
  • 1:32:08InvitéFait
    « Weil der Gesetzgeber davon ausgeht, dass du erst dann eine fertige Persönlichkeit bist. »
  • 1:39:00InvitéChiffre
    « Das sind ja, wie gesagt, 7000 Euro im Monat. »
  • 1:41:10InvitéFait
    « Ich wusste das erst, als ich meine Kollegen kennenlernte, die sagten, ich habe gerade die Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher beendet. »
  • 1:51:36InvitéFait
    « Das ist ja klar, du kannst ja auch keine Erzieher backen. »
  • 1:52:32InvitéChiffre
    « dann habe ich mir das auszahlen lassen und dann habe ich hinterher ausgerechnet und dachte, scheiße, dann hast du jetzt für einen Stundenlohn von sechs Euro gearbeitet. »
  • 1:55:20InvitéFait
    « Sodass ich dachte, ich kann jetzt aus einer Zweizimmerwohnung, aus der Einzimmerwohnung in eine Zweizimmerwohnung ziehen. »
  • 1:55:51InvitéFait
    « Ach, dann bleiben Sie doch da, wo Sie sind. »
  • 1:56:16InvitéFait
    « Also die Wohnung wirkte größer, als sie war. »
  • 1:57:03InvitéFait
    « Und wenn du 50, 60 Prozent deines Gehaltes nur fürs Wohnen ausgibst, ich zahle gern fürs Wohnen, aber dann soll die Wohnung auch in Ordnung sein, bewohnbar sein. »
  • 1:57:34InvitéFait
    « Also Berlin bietet nach wie vor unheimlich viel kulturell. »
  • 2:00:29InvitéChiffre
    « Es ist eine Stadt mit ungefähr 300.000 Einwohnern. »
  • 2:03:21InvitéFait
    « Wir konnten bei Ihnen keine künstlerische Befähigung feststellen. »
  • 2:04:09InvitéFait
    « Wir haben pro Trimester so und so viel Geld zur Verfügung, können also nur so und so viele Projekte fördern. »
  • 2:09:25InvitéFait
    « Das trifft sowohl auf die künstlerisch-kreativen als auch auf die sozialen, pädagogischen Berufe zu. »

Temps de parole

  • Invité62 %
  • Présentateur22 %
  • ?16 %

≈ 119,9 interruptions / 10 min (chevauchements et interjections détectés).

Modèle mistral-small-latest · prompt v1 · les citations sont vérifiées mot pour mot dans le transcript ; le taux de réponse directe est calculé à partir des verdicts question par question. Aucun label idéologique n'est produit.

0:00
Présentateur

Mais comment est-ce que

0:01
Locuteur

vous

0:01
Présentateur

pouvez le vivre avec ces situations ? Gave-il aussi des affaires sur vous, sur les enfants ? Tu es-tu juste avant le Burnout ? Où est-ce que

0:09
Locuteur

ça

0:09
Présentateur

encore ?

0:11
Locuteur

Une

0:11
Présentateur

Brennpunkt-Kita est un socialement brenn.

0:13
Invité

J

0:14
Locuteur

'ai

0:14
Invité

eu

0:14
Locuteur

venu à

0:14
Invité

tous les jeunes

0:14
Locuteur

de l

0:14
Invité

'Union, sans

0:17
Locuteur

une

0:17
Invité

rétive récente.

0:19
Locuteur

J

0:19
Invité

'ai eu

0:19
Locuteur

un

0:19
Invité

24h

0:20
Locuteur

d

0:20
Invité

'Ambit, j

0:20
Locuteur

'ai eu l'abalisé.

0:20
Invité

J'ai eu

0:21
Locuteur

l

0:21
Invité

'abalisé,

0:22
Locuteur

j

0:22
Invité

'ai eu l'abalisé. J'ai

0:24
Locuteur

eu l

0:24
Invité

'abalisé,

0:24
Locuteur

j'ai eu l

0:24
Invité

'abalisé.

0:24
Locuteur

J

0:24
Invité

'ai

0:24
Locuteur

eu

0:24
Invité

25 ans,

0:27
Locuteur

j

0:27
Invité

'ai eu

0:28
Locuteur

l

0:28
Invité

'abalisé. Pédagogisch arbeiten ging da nicht. Da es deine Gruppe, wenn was ist ich bin im Büro, wir haben kein Personal. Ständig neue Regelungen, sie stand dann so vor mir, ich bringe mich jetzt um und du bist schuld. Egal was morgen ist, ich mach mich strafbar. Es gibt Eltern, die denken wir übernehmen die komplette Erziehung, die machen dann zu Hause gar nichts mehr. Es brennt in Deutschland gerade an so vielen Stellen, dass ich tatsächlich nicht wüsste, wo man anfangen sollte.

0:59
Locuteur

Lieber

0:59
Présentateur

André,

1:01
Locuteur

Merci,

1:01
Présentateur

que tu es venus

1:02
Locuteur

ici.

1:02
Présentateur

Tu es extra de France en reis. Je me suis très heureux. Je me suis très

1:08
Locuteur

heureux. Je me suis

1:08
Présentateur

dit que tu es en un certain Hafen. D'est-ce que ton Wohlbefinden est à chaque époque à la place

1:12
Locuteur

de l

1:12
Présentateur

'occurité.

1:13
Locuteur

Je

1:13
Présentateur

me

1:13
Locuteur

suis très

1:13
Présentateur

heureux.

1:14
Locuteur

Je me suis très heureux.

1:15
Présentateur

Je me

1:16
Locuteur

suis très

1:16
Présentateur

heureux.

1:16
Locuteur

Je

1:17
Présentateur

me

1:17
Locuteur

suis

1:17
Présentateur

très heureux. André, Marc Schneider. Dein Weg a dich vom Schauspieler in die Jugendbetreuung gebracht,

1:24
Locuteur

wo

1:25
Présentateur

du den Beruf jetzt seit vielen Jahren ausübst. Du hast den Beruf von Grund auf kennengelernt, von der Ausbildung in einer grossen Berliner Kita bis hin zur intensiven Arbeit in der Jugendhilfe.

1:36
Locuteur

Du

1:36
Présentateur

hast viele Seiten dieses Berufs erlebt. Personalmangel, schwierige Situationen, Strukturen und in denen du teilweise an deine Grenzen gekommen bist, wie du sagst. Nebst dem bist du auch Autor. Du hast mehrere Bücher geschrieben.

1:52
Locuteur

Inzwischen

1:53
Présentateur

lebst du in Frankreich und arbeitest in Strasbourg.

1:57
Locuteur

Du

1:57
Présentateur

kennst das Betreuungssystem aus unterschiedlichen Perspektiven und was das eigentlich für Kinder, Fachkräfte und unsere Gesellschaft bedeutet.

2:06
Locuteur

André,

2:07
Présentateur

ich möchte dich fragen,

2:09
Locuteur

was

2:11
Présentateur

sagt es über unsere Gesellschaft aus,

2:14
Locuteur

wenn

2:14
Présentateur

wir Karriere und Geldhöhergewicht, als die Zeit, die wir mit Kindern verbringen

2:19
Locuteur

und Kinder, die,

2:24
Présentateur

ich weiß nicht, ob das das richtige Wort ist, Kinder, die fast outgesourst werden in ein System.

2:31
Locuteur

Was

2:32
Invité

sagt das über die Gesellschaft aus? Ich würde sagen, erst einmal zeigt es eine Werteverschiebung, weil das war ja nicht immer so. Aber ich denke auch, wenn man die Eltern befragen würde, würden wahrscheinlich gerne, ich würde sagen, zwei Drittel bestimmt, gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.

2:54
Locuteur

Ist

2:54
Invité

das so? Würde ich sagen, ja. Also aus meiner Erfahrung, ganz besonders in der Kita, da würde ich schon sagen, dass die Eltern gerne mehr Zeit verbringen würden. Natürlicherweise. Ja, aber es geht eben einfach nicht mehr. Also in

3:12
Locuteur

der

3:12
Invité

Zeit, in der wir groß geworden sind, in den 80er, 90er Jahren, da konnte ein Vater allein noch eine Familie mit zwei Kindern ernähren.

3:20
Locuteur

Man

3:21
Invité

konnte noch den Familienurlaub sich leisten und vielleicht sogar das Eigenheim.

3:26
Locuteur

Das

3:26
Invité

geht heute eben nicht mehr. Und selbst

3:29
Locuteur

in

3:30
Invité

Teilzeit, wenn ein Elternteil nur in Teilzeit arbeitet, wird es echt schwierig.

3:36
Locuteur

Und

3:37
Invité

ein Kind ist eine Luxusanschaffung geworden, wenn man das mal so sagen kann. Weil gute Bildung ist nicht mehr kostenlos unbedingt. Ein Freund von mir sagte mir vor kurzem erst, wer sein Kind liebt, schickt es auf Privatschulen.

3:56
Locuteur

Aber

3:56
Invité

ich meine, das kostet ja auch eine

3:57
Locuteur

Stange Geld.

4:01
Invité

In Deutschland kommt es ganz darauf an, wo die Kita ist. Also das ist vom Bundesland zu Bundesland ein bisschen anders. Wird es subventioniert? Genau. In Berlin zum Beispiel oder ich glaube in Hessen auch, da wird es subventioniert. Da hast du keine Kita-Kosten, aber in anderen Bundesländern oder auch,

4:16
Locuteur

ich

4:17
Invité

glaube es ist teilweise sogar von Kommune zu Kommune ein bisschen anders. Also es kommt ganz darauf an, wo man wohnt. Aber teilweise hat man nämlich auch seine Kita-Kosten von 400, 500, 600 Euro im Monat.

4:28
Locuteur

Je

4:29
Invité

nachdem. Also es hat wirklich damit zu tun, wo man wohnt.

4:34
Locuteur

Ich

4:35
Présentateur

weiß einfach in der Schweiz, weil Kitas ziemlich teure Plätze hier sind. Und ich weiß von

4:41
Locuteur

Freunden

4:43
Présentateur

auch, die schicken ihre Kinder auch in die Kita. Und ich habe schon auch gehört, zum Beispiel eine Kollegin, die hat gesagt,

4:51
Locuteur

sie

4:52
Présentateur

überlegt sich, den Job hinzuschmeissen und mit den Kindern zu Hause zu sein, weil sie geht eigentlich arbeiten und das Geld, das sie verdient, gibt sie bei der Kita ab, damit ihre Kinder dort gehortet werden. Und sie hinterfragt das jetzt,

5:07
Locuteur

was

5:08
Présentateur

ich zu Recht auch sagen muss, weil es ist wirklich so, in dem Moment, wo du arbeiten gehst, um die Kinder in eine Kita zu schicken, ich meine, wo ist der Sinn der

5:16
Locuteur

Sache dann noch? Ja, klar.

5:17
Invité

Das verstehe ich auch. Das

5:19
Locuteur

habe

5:20
Invité

ich in Deutschland auch öfter mal gehört, dass da Eltern drüber nachgedacht haben. Also ein Elternteil,

5:25
Locuteur

meistens

5:27
Invité

die Frau, die vielleicht in Teilzeit ist, arbeitet letztlich für die Kita.

5:32
Locuteur

Ja,

5:32
Invité

weil,

5:33
Locuteur

nicht

5:35
Invité

unbedingt, weil man die Kinder outsourcen möchte, aber weil man den Kindern eben auch dieses,

5:41
Locuteur

eine

5:42
Invité

Kita ist ja ganz gut, um Sozialverhalten zu fördern auch. Dass ein Kind eben lernt, in einer Gruppe zurecht zu kommen.

5:50
Locuteur

Und

5:51
Invité

das ist in jungen Jahren schon gar nicht mal so schlecht, das noch vor der Schule zu lernen, dass man

5:57
Locuteur

eben… Findest

5:59
Présentateur

du,

5:59
Locuteur

dass

5:59
Présentateur

das Sozialverhalten vor der Schule

6:01
Locuteur

dem

6:03
Présentateur

Kind schon

6:04
Locuteur

quasi

6:06
Présentateur

beigebracht werden muss? Oder ist nicht dann die Schule eigentlich ein gutes Konstrukt, wo das Kind lernt, mit dem sozialen Umfeld oder mit seinen Mitschülern umzugehen?

6:19
Locuteur

Also

6:20
Présentateur

es muss

6:20
Invité

gar nichts. Es muss gar nichts. Ich finde nur grundsätzlich in der frühkindlichen Bildung,

6:29
Locuteur

es

6:32
Invité

ist schon ganz sinnvoll. Also die Kinder, je kleiner sie sind, desto…

6:37
Locuteur

Die

6:38
Invité

sind ja wie Schwämme. Die nehmen ja alles auf. Die lernen, sind neugierig, lassen sich inspirieren. Und wenn da viele Kinder sind, wenn da eine Umgebung ist, die viel bietet, dann erweitert das den Radius, den Horizont. Und das ist schon nicht schlecht.

6:57
Locuteur

Ganz

6:58
Invité

abgesehen davon weiß ich nicht mehr,

7:02
Locuteur

wie

7:03
Invité

gut Schule heute es leisten kann

7:07
Locuteur

oder

7:08
Invité

es noch leisten kann,

7:11
Locuteur

ein

7:12
Invité

Kind, was noch gar keine Gruppenerfahrung hat, sozusagen

7:15
Locuteur

in

7:17
Invité

einen Klassenverband, Klassenverbund einzuführen.

7:22
Locuteur

Ich

7:22
Invité

habe das Gefühl…

7:23
Locuteur

Oh,

7:24
Invité

jetzt sind wir schon richtig mittendrin.

7:26
Locuteur

Ja, noch

7:26
Présentateur

nicht ganz, aber ja,

7:28
Locuteur

schon nach dem Weg.

7:29
Invité

Ich habe das…

7:30
Locuteur

Also ich

7:30
Présentateur

möchte da schon noch so etwas anderes kommen, aber ich lasse es mal noch so laufen, weil ich finde es spannend.

7:35
Invité

Ich habe das… Ja, ich habe das Gefühl, da ist allenthalben eine… Allenthalben…

7:41
Locuteur

Gott,

7:43
Invité

eine Überforderung da.

7:45
Locuteur

Ja, aber okay,

7:49
Présentateur

also meine Gedanken dazu sind, ich denke in der Schule, ich meine eine Sache ist, wenn ein Kind in die Schule geht und da ist dieser Auftrag oder wo man, wie man

7:58
Locuteur

die

7:59
Présentateur

Kinder

7:59
Locuteur

belehren,

8:01
Présentateur

erziehen, was auch immer da genau gemacht wird. Aber ich denke, für mich ein wichtiges

8:06
Locuteur

Puzzleteil

8:07
Présentateur

da ist auch das Informelle, das heisst, was das Kind lernt ausserhalb von der Aufsicht der Lehre, auf dem Pausenplatz zum Beispiel, bevor sie in die Schule, auf dem Schulweg zum Beispiel oder da dann auch wieder nach Hause gehen

8:22
Locuteur

und

8:23
Présentateur

auch da diese Eigendynamiken oder unter Kinder, Das, meine ich, ist auch ein wichtiger Teil von Sozialisierung. Dieser Teil, wo die Kinder

8:33
Locuteur

da

8:34
Présentateur

anfangen müssen, auch selbst klar zu kommen, selbst

8:37
Locuteur

mit

8:38
Présentateur

anderen Kindern in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen und

8:42
Locuteur

das

8:44
Présentateur

andere ist natürlich, wenn unter Aufsicht dann, oder? Aber da wird dann die… Das ist dann schon fast systematisch, wo auf die Kinder eingegangen wird.

8:52
Locuteur

Und

8:53
Présentateur

da stimme ich dir vollkommen zu, ja. Also dieses

8:55
Invité

Gesamtgefüge Schule. Und ich denke, gerade in der Grundschule ist dieser soziale Aspekt, das Spielen mit den anderen Kindern, seinen Platz in der Gruppe finden, eigentlich viel wichtiger als die Inhalte, die vermittelt werden. Die sind auch wichtig, aber ganz wichtig ist dieser soziale Aspekt tatsächlich. Deswegen ist Corona ja auch

9:19
Locuteur

jetzt

9:20
Invité

im Nachgang auch, das ist jetzt sechs Jahre her, so ein schwieriger Einschnitt gewesen. Gerade für die Kinder, die jetzt sechs, sieben, acht, neun Jahre alt waren im Grundschulalter

9:30
Locuteur

und

9:31
Invité

die dann Wochen, Monate lang nicht zur Schule gehen konnten. Da ist, denke ich, ganz viel im Sozialverhalten passiert, was

9:39
Locuteur

nachhallen

9:41
Invité

wird, sagen wir es mal so.

9:42
Locuteur

Weil

9:43
Invité

man muss sich mal die Schulen anschauen.

9:45
Locuteur

Wenn

9:45
Invité

man heute an eine Grundschule geht, die Kinder sind ab sechs, sieben Jahre alt

9:49
Locuteur

und

9:51
Invité

man schaut sich das an, dann weiß man ungefähr, wie die Gesellschaft in zehn bis 15 Jahren aussehen wird. Wirklich? Das ist ja, das ist ja quasi die nächste Generation,

9:59
Locuteur

die

9:59
Invité

da heranwächst. Wir sind in

10:01
Locuteur

maximal

10:02
Invité

13, 14 Jahren sind die fertig mit der Schule

10:05
Locuteur

und

10:06
Invité

werden dann in die Gesellschaft entlassen. Das heißt, also schau dir

10:09
Locuteur

diesen

10:10
Invité

Querschnitt dort an

10:11
Locuteur

und

10:12
Invité

dann weißt du ungefähr, was in zehn Jahren, 15 Jahren sein wird,

10:16
Locuteur

gesellschaftlich. Ja, ich

10:19
Présentateur

meine, ich möchte das Thema Corona eigentlich gar nicht auf den Tisch bringen,

10:24
Locuteur

aber du hast

10:24
Présentateur

jetzt angesprochen. Ich, nur eine kurze Bemerkung dazu. Ich meine, du hast gesagt, ja, das ist sechs Jahre her oder es klingt so ein bisschen in der Vergangenheit. Aber ich denke, dass Corona, es gibt für mich

10:35
Locuteur

die

10:36
Présentateur

Corona-Phase und dann gibt es auch die

10:39
Locuteur

Post

10:40
Présentateur

-Corona-Phase. Und da würde ich jetzt mich aus dem Fenster wagen und sagen, da stecken wir jetzt drin. Und das halt noch so nach, dass die Auswirkungen jetzt immer noch spürbar sind. Ja, ich sehe das ganz

10:53
Invité

ähnlich. Also wir sind mittendrin. Wir merken jetzt quasi die Nachwehen oder die Folgen

10:59
Locuteur

dieser

11:00
Invité

Maßnahmen damals.

11:01
Locuteur

Und

11:02
Invité

ich denke, das wird auch noch einige Jahre dauern. Die sind jetzt,

11:06
Locuteur

wenn

11:06
Invité

die im Grundschulalter waren, dann sind die jetzt im Teenager-Alter. Kommen jetzt so gerade so mit 12, 13 da so an.

11:12
Locuteur

Was

11:12
Invité

ja eh nochmal eine ganz spezielle Phase ist. Da ist ja nochmal

11:15
Locuteur

die

11:17
Invité

zweite narzisstische Phase quasi im

11:19
Présentateur

Heranwachsen.

11:20
Locuteur

Die

11:21
Présentateur

zweite narzisstische Phase im Heranwachsen. Okay.

11:25
Locuteur

Ich

11:25
Présentateur

wollte jetzt eigentlich, das musst du mir jetzt erklären. Naja, also

11:28
Invité

gut, das Thema Narzissmus oder narzisstische Persönlichkeitsstörung ist ja auch sehr präsent. Und wir leben in narzisstischen Zeiten.

11:39
Locuteur

Das

11:39
Invité

stimmt schon. Aber erstmal hat ja jeder narzisstische Anteile. Nicht jeder hat gleich eine Persönlichkeitsstörung, aber die narzisstischen Anteile sind sehr wichtig.

11:51
Locuteur

Und

11:51
Invité

gerade in der Entwicklung eines Menschen

11:53
Locuteur

ist

11:53
Invité

es sehr wichtig. Und man sagt, es gibt ja zwei Phasen. Einmal in der Kindheit, so zwischen dem dritten und

11:59
Locuteur

fünften

12:00
Invité

Lebensjahr ungefähr. Da sind ja die Kinder in der Trotzphase. Die Eltern, die kennen das.

12:06
Locuteur

Und

12:06
Invité

dann kommt das eben nochmal in der Teenager-Zeit. Und das ist ganz, ganz wichtig, diese narzisstische Phase sozusagen, um sich eben sein Selbst

12:14
Locuteur

zu

12:15
Invité

bilden außerhalb

12:16
Locuteur

der

12:17
Invité

Familie, der Mutter, des Vaters.

12:21
Locuteur

Oder

12:21
Invité

eben

12:22
Locuteur

als

12:24
Invité

Teenager eben,

12:25
Locuteur

die

12:26
Invité

sollen ja alle weggehen. Da bildet man seine eigenen Werte heraus.

12:30
Locuteur

Und

12:30
Invité

dass man dann später vielleicht wieder zurückkehrt zu den alten Werten.

12:33
Locuteur

Das

12:33
Invité

ist nochmal ein anderes Thema, aber

12:34
Locuteur

ja.

12:36
Présentateur

Spannend. Du sprichst hier, wenn ich dich richtig verstehe, weil ich hatte kürzlich jemanden hier, wo wir über Narzissmus einen Podcast gemacht haben. Ja. Und natürlich ist für mich Narzissmus negativ konnotiert. Und was du jetzt aber sagst, du sprichst von dem gesunden Maß an Narzissmus. Dass das eigentlich, aha, okay, dass das eigentlich etwas Gutes ist, solange es natürlich in dem Maß bleibt.

13:05
Locuteur

Und

13:05
Présentateur

du hast schon recht, oder? Oder ich glaube auch, jeder Mensch hat irgendeine Spur Narzissmus in sich. Es gehört auch einfach irgendwie zu uns.

13:14
Invité

Ja. Schwierig wird es, und ich glaube, das hat der Andreas auch erklärt, wenn es in die Manipulation oder in die Abwertung geht. Genau. Wenn du anfängst, dein Gegenüber abzuwerten, um dich zu erhöhen, dann geht es so in Richtung Persönlichkeitsstörung. Und das ist wirklich kein Spaziergang

13:31
Locuteur

für

13:32
Invité

die Umwelt.

13:33
Présentateur

Wenn

13:33
Locuteur

es

13:33
Présentateur

destruktiv

13:34
Locuteur

wird. Und für

13:34
Invité

den Betroffenen meistens eben auch nicht. Das ist

13:38
Locuteur

nicht

13:39
Invité

schön. Aber dieses gesunde Maß an Narzissmus,

13:44
Locuteur

das

13:45
Invité

ist wirklich gut. Also das braucht man auch,

13:48
Locuteur

um

13:48
Invité

sich nicht kleinkriegen zu lassen.

13:52
Locuteur

Das

13:53
Invité

hat auch mit einem gesunden Selbstbewusstsein zu tun.

13:58
Locuteur

Also

13:59
Invité

dass man sich seiner bewusst ist, dass man seine Stärken und Schwächen einigermaßen kennt.

14:03
Locuteur non identifié

Und

14:04
Invité

dass man sich,

14:06
Locuteur

ja,

14:06
Invité

die Welt ist nicht nett. Und man muss sich

14:08
Locuteur

da

14:09
Invité

durchaus auch mal behaupten. Und dafür braucht man schon so ein bisschen

14:13
Locuteur

einen

14:14
Invité

gesunden Narzissmus,

14:15
Locuteur

wenn man

14:16
Invité

das so nennen

14:17
Présentateur

möchte. Ja, sehe ich, bin ich voll bei dir.

14:20
Locuteur

Die

14:21
Présentateur

Welt ist nicht nett, ja, aber

14:22
Locuteur

wir

14:23
Présentateur

können sie nett machen.

14:25
Locuteur

Ja, es

14:25
Présentateur

liegt an jedem Einzelnen.

14:27
Locuteur

Es

14:27
Présentateur

liegt an uns, wie die Welt ist.

14:29
Invité

Deswegen bin ich auch ein großer Freund von guten Manieren.

14:35
Locuteur

Dann

14:36
Invité

braucht man auch die woke Ideologie gar nicht so sehr.

14:39
Locuteur

Ja,

14:40
Invité

wenn man sich gut benehmen kann, wenn man höflich ist,

14:43
Locuteur

wenn

14:43
Invité

man Rücksicht nimmt,

14:46
Locuteur

dann

14:47
Invité

ist da eigentlich alles schon abgedeckt. Und ich bin auch sehr für die Vermittlung dieser

14:52
Locuteur

alten

14:55
Invité

Werte, klingt so antiquiert,

14:57
Locuteur

aber

14:58
Invité

ich bin schon sehr

14:59
Locuteur

für

14:59
Invité

die Vermittlung dieser Werte. Dass man

15:03
Locuteur

Danke

15:04
Invité

sagt, dass man Bitte sagt, dass man,

15:08
Locuteur

ja, jetzt

15:09
Invité

mit dieser Gender-Debatte ist ja auch immer so die Frage, wie sprichst du jemanden an?

15:13
Locuteur

Wenn

15:13
Invité

mir jemand sagt, er möchte gern so oder so angesprochen werden, dann respektiere ich das und spreche ich ihn so oder so an.

15:19
Locuteur

Also

15:19
Invité

es sind ja alles Sachen, die sind dann abgedeckt. Abgedeckt. Und gerade im Kita-Bereich,

15:25
Locuteur

da

15:26
Invité

kann man sehr viel mit Bitte und Danke und Guten Morgen und wie geht es dir und tschüss bis morgen, da kann man sehr viel

15:34
Locuteur

erreichen

15:35
Invité

schon. Umgang, Höflichkeiten. Höflichkeiten,

15:39
Locuteur non identifié

ja.

15:40
Locuteur

Auf

15:41
Invité

der anderen Seite natürlich auch,

15:42
Locuteur

bin

15:43
Invité

ich kein Freund zum Beispiel von erzwungenen Entschuldigungen. Wie

15:48
Locuteur

machst du das?

15:48
Invité

Nehmen wir mal an, zwei Kinder

15:50
Locuteur

streiten

15:52
Invité

sich, raufen miteinander oder der eine

15:55
Locuteur

beleidigt

15:56
Invité

den anderen

15:57
Locuteur

und

15:58
Invité

der andere kommt dann weinend an und dann spricht man drüber.

16:02
Locuteur

Also

16:02
Invité

ich biete dem Kind dann immer an, möchtest du dich entschuldigen?

16:05
Locuteur

Und

16:06
Invité

wenn das Kind sagt Nein, dann sage ich ihm,

16:08
Locuteur

ja, das

16:09
Invité

ist sehr schade. Aber

16:11
Locuteur

ich

16:12
Invité

finde eben diese,

16:13
Locuteur

ich

16:14
Invité

sage jetzt mal falsche Entschuldigung auch kein richtiges Signal. Ich habe auch in einer Einrichtung gearbeitet, da hat eben, haben die Kollegen auf dieser Entschuldigung bestanden und da wussten die Kinder dann auch, ach, wenn ich mich jetzt entschuldige, dann kann ich weitermachen, kann ich weiterspielen. Und dann war das immer so dieses, ja, Entschuldigung und dann sind wir wieder losgelaufen.

16:34
Locuteur

Ja,

16:34
Présentateur

dann stumpft sich dieses Entschuldigung ja auch ab und entwertet sich, weil es weiß genau, ich kann das machen

16:39
Locuteur

und

16:40
Présentateur

dann schicke ich noch eine Entschuldigung hinterher und dann kann ich es wieder machen, oder? Genau,

16:44
Invité

genau, das entwertet die Entschuldigung und deswegen,

16:47
Locuteur

gut,

16:47
Invité

es kommt auch ein bisschen auf das Alter an, aber ich finde bei einem 4-, 5-, 6-jährigen Kind, was bald eingeschult wird, da kann man dann schon

16:53
Locuteur

sehen, tut

16:59
Invité

es ihm wirklich leid? Und dann kann man

17:01
Locuteur

dem

17:02
Invité

Kind das anbieten, möchtest du dich entschuldigen?

17:07
Locuteur

Also,

17:08
Présentateur

unser Thema heute ist ja eigentlich, also eigentlich, es ist es,

17:13
Locuteur

die

17:13
Présentateur

strukturellen Probleme in der Betreuung, im Betreuungssystem.

17:19
Locuteur

Jetzt

17:20
Présentateur

habe ich aber vorher wieder was rausgehört und irgendwie komme ich gar nicht dazu, in das Thema wirklich reinzugehen, weil du hast vorher von Walker-Ideologie gesprochen und er hat bei mir gleich so was aufgeläutet und gedacht, Moment, was meint ihr damit? Ich möchte trotzdem noch kurz nachfragen, was meinst du, wenn du sagst, Walker-Ideologie?

17:39
Locuteur

Oh

17:39
Présentateur

mein Gott, mit der Frage hatte ich jetzt gar

17:40
Invité

nicht gerechnet.

17:42
Présentateur

Also, du musst die nicht beantworten, ich habe es nur aufgeschaut, weil du es erwähnt hast. Ist das überhaupt ein Thema,

17:50
Locuteur

ist

17:50
Présentateur

das überhaupt ein Thema oder ist das mehr etwas, das einfach so…

17:55
Locuteur

Es

17:55
Présentateur

ist gesellschaftlich ein

17:56
Locuteur

Thema

17:57
Invité

oder jetzt schon fast nicht mehr. Ich glaube, das klingt jetzt so seit einem Jahr oder so, klingt das so ein bisschen ab.

18:05
Locuteur

Es

18:06
Invité

war eben eine Modeerscheinung,

18:08
Locuteur

die

18:08
Invité

aus einem

18:09
Locuteur

guten

18:10
Invité

Motiv heraus entstanden ist,

18:12
Locuteur

die

18:13
Invité

dann aber

18:14
Locuteur

ein

18:15
Invité

Eigenleben entwickelt hat und

18:18
Locuteur

irgendwann

18:19
Invité

eben nicht mehr gesund war,

18:20
Locuteur

weil

18:20
Invité

es dann eben auch sehr viel mit Ausschluss gearbeitet hat. Gewisse Strömungen waren auch zutiefst rassistisch, fand ich. Martin Luther King hatte ja in seiner Rede damals gesagt,

18:35
Locuteur

es

18:35
Invité

wäre schön, wenn die Farbe eben keine Rolle mehr spielen würde. Und

18:39
Locuteur

gewisse

18:42
Invité

Strömungen in dieser Woke-Bewegung haben eben genau wieder auf die Hautfarbe den Fokus gelegt

18:49
Locuteur

und

18:50
Invité

dann von Privilegien und von Schuld und von strukturellem Rassismus und so weiter gesprochen.

18:56
Locuteur

Oder

18:59
Invité

die Diskussion um den weißen alten Mann,

19:03
Locuteur

der

19:04
Invité

qua Geburt schuldig ist. Schwierig. Ein ganz schwieriges Thema, aber ich

19:09
Locuteur

glaube, in

19:10
Invité

der Kita oder in der Jugendhilfe ist das nicht so ein großes Thema tatsächlich.

19:15
Locuteur

Okay,

19:16
Présentateur

dann können wir es da auch dabei belassen.

19:18
Locuteur

Ich

19:19
Présentateur

möchte da

19:19
Locuteur

auch

19:20
Présentateur

nicht weiter rumgraben oder so.

19:23
Locuteur

Wie

19:24
Présentateur

gesagt, dein Wohlbefinden steht an oberster Stelle.

19:28
Locuteur

Okay,

19:29
Présentateur

jetzt ist es so, du hast ja in Berlin an einer, also ich muss mal so sagen, kurz zu deiner Geschichte, du warst ja Schauspieler oder bist sogar heute noch teilweise, nimmst du auch Schauspielaufträge noch an.

19:41
Locuteur

Aber

19:41
Présentateur

du hast die Schauspielschule gemacht, du bist wirklich ausgebildeter Schauspieler

19:46
Locuteur

und

19:47
Présentateur

dann hast du dich aber entschieden, ins Betreuungswesen umzuschulen und umzusteigen.

19:52
Locuteur

Und

19:52
Présentateur

zuerst mal, warum? Was ist da passiert, dass du diese Entscheidung gefasst hast? Ich meine, Schauspieler dann in die Betreuung rein, das passt für mich jetzt gerade im ersten Augenblick noch nicht ganz zusammen.

20:05
Locuteur

Ach,

20:05
Présentateur

ich finde, da sind schon viele Parallelen.

20:07
Invité

Ja, ein bisschen schon.

20:09
Locuteur

Also

20:10
Invité

ich hatte den Schauspielerberuf ungefähr 20 Jahre ausgeübt und es war nicht eine von heute auf morgen Entscheidung, sondern

20:17
Locuteur

ich

20:20
Invité

hatte

20:20
Locuteur

die

20:21
Invité

letzten Jahre gemerkt, irgendwie

20:23
Locuteur

bin

20:24
Invité

ich es nicht mehr oder irgendwie läuft es nicht so, wie ich dachte oder

20:28
Locuteur

ich

20:29
Invité

war einfach nicht glücklich.

20:30
Locuteur

Ich

20:30
Invité

war nicht zufrieden.

20:33
Locuteur

Es

20:34
Invité

lief nicht so schlecht. Ich habe viel in England gearbeitet, ich habe viel in Frankreich gearbeitet und ich war viel unterwegs und

20:40
Locuteur

habe

20:41
Invité

schöne Arbeiten auch gemacht. Aber ich kam nicht richtig vom Fleck. Also im Ausland war ich der Ausländer.

20:49
Locuteur

Ich

20:50
Invité

spreche auch Französisch mit deutschem Akzent und so weiter.

20:53
Locuteur

Und

20:54
Invité

in Deutschland war ich zu lange weg. Also ich habe es mir selbst auch schwer gemacht. So und irgendwann mit

20:59
Locuteur

Ende

20:59
Invité

30, mit 38, 39 hatte ich dann so eine Phase, wo ich dann dachte,

21:03
Locuteur

will

21:05
Invité

ich das jetzt nochmal zehn Jahre so weitermachen

21:07
Locuteur

oder

21:08
Invité

gibt es noch etwas anderes? Und wenn ja, was?

21:11
Locuteur

Ich

21:11
Invité

hatte eigentlich nie einen Plan B.

21:14
Locuteur

Und

21:14
Invité

ich habe mich dann zurückbesonnen und habe überlegt, wann war ich in meinem Leben am glücklichsten? Und ich war tatsächlich während meines Zivildienstes am glücklichsten.

21:24
Locuteur

Und

21:24
Invité

den habe ich absolviert in Hannover im Annastift

21:27
Locuteur

in

21:28
Invité

einer Rollstuhl-Wohngemeinschaft, also mit

21:32
Locuteur

Rollifahrern.

21:32
Présentateur

Da bist du zum ersten Mal mit Betreuung quasi in Kontakt

21:36
Invité

gekommen.

21:37
Locuteur

Genau.

21:37
Invité

Und das war ein echt schönes Jahr. Und ich hatte dann überlegt, mache ich eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger.

21:44
Locuteur

Das

21:44
Invité

wäre aber so nicht möglich gewesen damals, also weil ich einfach

21:47
Locuteur

mir

21:48
Invité

das nicht hätte leisten können.

21:52
Locuteur

Und

21:52
Invité

dann war das nächstliegende eben die Erzieherausbildung. Die wurde damals in Berlin berufsbegleitend angeboten. Das heißt zwei Tage Hochschule, drei Tage

22:01
Locuteur

Kita

22:02
Invité

oder Hort oder Jugendhilfe.

22:05
Locuteur

Ich

22:06
Invité

habe dann erst mal ein Praktikum gemacht, um zu gucken,

22:09
Locuteur

wie

22:10
Invité

ist das eigentlich im Kontakt mit Kindern, weil

22:12
Locuteur

ich

22:13
Invité

kannte kaum Kinder. Und das war sehr schön. Und dann habe ich mich darum gekümmert, dass ich da einen Schulplatz kriege, einen Ausbildungsplatz kriege.

22:23
Locuteur

Und

22:23
Invité

habe dann im Februar 2018,

22:26
Locuteur

das

22:26
Invité

war kurz vor meinem 40. Geburtstag, die Ausbildung angefangen.

22:30
Locuteur

In

22:31
Invité

Berlin? In Berlin. Das ging damals noch. Ich glaube, es geht heute noch.

22:35
Locuteur

In

22:36
Invité

manchen Bundesländern geht es nicht. Aber Berlin bietet das an, dieses berufsbegleitende Modell. Das heißt, ich hatte montags, dienstags Hochschule. Von 8 bis 16 Uhr

22:45
Locuteur

hatte

22:46
Invité

ich Unterricht. Und mittwochs bis freitags arbeitete ich in der Kita. Das war eine altersgemischte Kita für Kinder von 1 bis 6 Jahren. Für Berliner Verhältnisse mittelgroß, würde ich sagen. Das waren fünf Gruppen, 25 Kinder.

23:03
Locuteur

Und

23:04
Invité

in jeder Gruppe waren damals drei Pädagogen oder Pädagoginnen

23:08
Locuteur

und

23:09
Invité

ein Azubi. Das heißt also, der Betreuungsschlüssel war auch

23:14
Locuteur

zu

23:14
Présentateur

dem Zeitpunkt

23:15
Locuteur

gut. Das

23:17
Présentateur

heißt, 25 Kinder mit

23:19
Locuteur

drei

23:20
Présentateur

Erwachsenen, vier Erwachsenen, inklusive

23:22
Locuteur

dem

23:23
Invité

Azubi. Der arbeitet ja auch mit. Der wird zwar noch angelernt und angewiesen,

23:29
Locuteur

aber

23:29
Invité

der ist ja definitiv auch eine Aufsichtsperson und der macht ja auch schon seine pädagogischen

23:33
Présentateur

Angebote.

23:34
Locuteur

Okay,

23:35
Présentateur

ja sehr gut.

23:36
Locuteur

Ich

23:37
Présentateur

muss fast nicht leiten, weil du bringst es ganz schön, weil genau da wollte ich rein in die Kita. Und

23:42
Locuteur

wie

23:43
Présentateur

war das dazu mal in den Kitas, als du da drinnen warst? Hast du, ich meine, hast du dann wirklich das gefunden, wo du aufgeblüht bist?

23:54
Locuteur

Ja. Vielleicht

23:55
Présentateur

jetzt noch nicht so organisatorisch oder so, wie es abläuft, sondern einfach für dich persönlich. Also ich muss sagen,

24:01
Invité

die ersten zwei Jahre

24:03
Locuteur

oder

24:04
Invité

die ersten zweieinhalb Jahre sogar

24:05
Locuteur

waren

24:06
Invité

wie ein Champagnerfrühstück. Wirklich? Es war wunderbar. Du

24:11
Locuteur

hast

24:11
Invité

wirklich die Leidenschaft gefunden

24:13
Locuteur

in diesem

24:13
Présentateur

Beruf.

24:14
Locuteur

Ja,

24:14
Invité

es hatte aber auch damit zu tun, ich bin in eine Einrichtung gekommen, die mir gefallen hatte. Das war eine Kneipp-Kita. Das heißt, das war sehr gesundheitsorientiert. Es war ein riesiger Garten,

24:29
Locuteur

was

24:29
Invité

ich sehr wichtig finde für Kinder, dass die wirklich viel draußen spielen können.

24:33
Locuteur

Jede

24:34
Invité

Gruppe hatte so sein kleines

24:35
Locuteur

Beet,

24:37
Invité

wo man Kräuter anbauen konnte und

24:40
Locuteur

das

24:43
Invité

war sehr schön. Dann hatte ich das Glück, in einer Gruppe zu landen mit drei Kolleginnen, drei Erzieherinnen. Die eine war meine Anleiterin,

24:51
Locuteur

die

24:52
Invité

wirklich so sattelfest im Beruf waren

24:55
Locuteur

und

24:56
Invité

auch nach über 30 Jahren noch eine solche Leidenschaft für ihre Arbeit hatten. Das war so

25:01
Locuteur

ansteckend

25:02
Invité

und wir haben uns gut verstanden und das hat

25:07
Locuteur

eben

25:07
Invité

ganz, ganz viel in jedem Beruf eigentlich. Das ist die größte Qualität,

25:13
Locuteur

wenn

25:13
Invité

man da hinkommt und sich auf jemanden freuen kann.

25:16
Locuteur non identifié

Ich

25:17
Invité

habe mich jeden Tag auf meine Kolleginnen gefreut

25:19
Locuteur

und

25:20
Invité

das überträgt sich dann auch auf die Kinder. Also

25:24
Locuteur

entspannte

25:25
Invité

Eltern haben entspannte Kinder, entspannte Erzieher

25:28
Locuteur

haben

25:28
Invité

auch entspannte Kinder. Also es

25:30
Locuteur

war

25:33
Invité

anspruchsvoll, also es war jetzt nicht so, dass es Larifari war, sondern wir haben hart gearbeitet. Ja,

25:40
Locuteur

dann bist du

25:41
Présentateur

müde am Abend, kann ich mir gut vorstellen.

25:42
Locuteur

Aber

25:42
Invité

angenehm müde

25:43
Locuteur

und

25:44
Invité

man

25:44
Locuteur

freut

25:44
Invité

sich. Aber ich habe mich wirklich jeden Tag auf die Arbeit gefreut. Es war wirklich sehr schön.

25:50
Locuteur

Das

25:50
Présentateur

klingt super eigentlich, oder? Das

25:53
Invité

war wunderbar. Für mich hätte es ewig so weitergehen können.

25:58
Locuteur

Ist

25:58
Invité

es aber nicht.

26:00
Locuteur

Es

26:00
Invité

kam dann leider, ich will in das Thema eigentlich auch nicht rein, aber es kam dieser Corona-Bruch in meinem letzten Ausbildungsjahr. Okay.

26:08
Locuteur

Und

26:08
Invité

da gab es dann anscheinend einen Kommunikationsbruch zwischen dem

26:12
Locuteur

Träger

26:14
Invité

und der Kita-Leitung

26:15
Locuteur

und

26:16
Invité

zwischen der Kita-Leitung und den

26:17
Locuteur

Erziehern.

26:20
Invité

Und

26:21
Locuteur

da

26:22
Invité

wurde das Arbeiten dann schwierig.

26:25
Locuteur

Es

26:25
Invité

gab einige

26:26
Locuteur

Kündigungen.

26:28
Invité

Also

26:28
Locuteur

ein

26:28
Invité

Azubi und ich glaube drei Kolleginnen sind gegangen Mitte 2020. Und da merkte ich dann auch das erste Mal, was es bedeutet, wenn die Anzahl der Kinder mehr oder weniger gleich bleibt. Aber

26:44
Locuteur

der Betreuung und

26:46
Invité

runter geht.

26:49
Locuteur

Und runter

26:52
Invité

geht. Und wir haben uns da teilweise einen abgebrochen,

27:19
Locuteur

dass

27:19
Invité

wir da die Hygieneregelungen einhalten.

27:22
Locuteur

Und das

27:22
Invité

war sehr kompliziert.

27:23
Locuteur

Es

27:23
Invité

war sehr schwierig. Und das war ja auch noch, der erste Lockdown war ja März bis Mai 2020.

27:30
Locuteur

Da

27:30
Invité

wusste man ja teilweise noch gar nicht, was kommt. Und

27:33
Locuteur

das

27:34
Invité

dann einige Kollegen gekündigt hatten, weil sie dann auch vielleicht zu ihrer Familie wieder

27:38
Locuteur

aufs

27:39
Invité

Land wollten oder keine Ahnung.

27:41
Locuteur

Also

27:41
Invité

es war einfach eine schwierige Zeit. Und ich war da im letzten Ausbildungsjahr

27:45
Locuteur

und

27:46
Invité

ich wurde dann aus dieser Gruppe rausgeholt und musste zusammen mit einer Kollegin eine andere Gruppe übernehmen.

27:56
Locuteur

Und mit

27:57
Invité

zwei Kolleginnen, Entschuldigung, aber die eine Kollegin, die war mitten im Burnout, die war krankgeschrieben.

28:03
Locuteur

Die

28:03
Invité

war eigentlich

28:04
Locuteur

gar

28:04
Invité

nicht mehr da.

28:06
Locuteur

Die

28:06
Invité

kam mal für zwei, drei Tage rein oder für eine Woche rein und dann ist sie wieder für sechs Wochen krankgeschrieben gewesen.

28:12
Locuteur

Und

28:12
Invité

die dritte Kollegin, die war wie viele Erzieher jenseits der 50 in Teilzeit.

28:19
Locuteur

Das

28:20
Invité

heißt, wenn die den Spätdienst hatte, dann kam die um 11.30 Uhr.

28:25
Locuteur

Das

28:25
Invité

bedeutete, dass ich von 7.30 Uhr bis 11.30 Uhr

28:29
Locuteur

25

28:30
Invité

Kinder zwischen eins und sechs Jahren alleine hatte.

28:34
Locuteur

Wie

28:35
Invité

viele Kinder waren das? 25. Oder lass es, wenn vielleicht ein paar Kinder nicht da waren, lass es 23, 22 gewesen sein.

28:43
Présentateur

Und du hattest alleine die Aufsicht für so

28:45
Locuteur

viele

28:45
Invité

Kinder?

28:46
Présentateur

Ja. Und ich war noch

28:48
Locuteur

nicht… Ist

28:48
Présentateur

das gesetzlich geregelt, wie viele Kinder

28:50
Locuteur

pro

28:51
Invité

Kopf? Ja, ist es und das darf eigentlich nicht sein. Aber es ging halt nicht anders. Was ich aus heutiger Sicht noch sehr problematisch finde, ist, ich war noch gar kein fertiger Erzieher. Ich war im letzten Ausbildungsjahr.

29:03
Locuteur

Man

29:04
Invité

hatte mich gefragt, traust du dir das zu?

29:06
Locuteur

Ich

29:07
Invité

sagte, ja. Aber

29:09
Locuteur

es

29:11
Invité

war phasenweise eben

29:12
Locuteur

schwierig.

29:13
Invité

Ich habe dann morgens zugesehen, dass ich so schnell wie möglich in den Garten komme, weil im Garten waren dann auch die anderen Gruppen und dann konnten die Kolleginnen oder Kollegen anderer Gruppen auch auf meine Kinder mitschauen. Aber wenn es zum Beispiel ganz doll regnete und ich mit den Kindern drin war, dann

29:31
Locuteur

war

29:32
Invité

es schwierig, ja.

29:34
Locuteur

Die

29:34
Invité

Gruppen waren recht groß. Das waren zwei große Gruppenräume, ein großes Badezimmer und eine Garderobe, die aber auch… Also es war sehr geräumig.

29:43
Locuteur

So,

29:44
Invité

und wenn alle Kinder da waren, dann musste ich mich so zwischen den beiden Gruppenräumen war eine Verbindungstür. Dann musste ich mich da so in die Verbindungstür setzen, damit ich beide Gruppen

29:56
Locuteur

oder

29:58
Invité

beide Räume im Blick hatte und alle Kinder im Blick hatte. Pädagogisch arbeiten ging da nicht, also dass ich da jetzt noch ein Bastelangebot mache oder ein Spielangebot. Dann bist du im reaktiven Modus,

30:12
Locuteur

oder? Du beobachtest und reagierst

30:14
Invité

nur noch. Du guckst nur, dass du die Kinder wohlbehalten nachmittags zurückgeben kannst, dass da keiner verunfallt.

30:22
Locuteur

Und

30:22
Invité

dann kam eine Phase, wo ich abends tatsächlich dachte, egal was morgen ist, ich mache mich strafbar.

30:29
Locuteur

Nehmen

30:29
Invité

wir mal an, so ein kleiner Windelträger, ein Jahr alt, muss die Windel gewechselt kriegen.

30:35
Locuteur

Lasse

30:36
Invité

ich dann die anderen 23 unbeaufsichtigt, während ich die Windel wechsle?

30:39
Locuteur

Oder

30:40
Invité

warte ich, bis vielleicht eine Kollegin kommt und die Kinder beaufsichtigt?

30:46
Locuteur

Aber die

30:47
Invité

Windel nicht wechseln ist Körperverletzung. Also das Kind kann wund werden und so weiter.

30:52
Locuteur

Und

30:52
Invité

die Kinder nicht zu beaufsichtigen

30:54
Locuteur

ist

30:55
Invité

Aufsichtspflichtverletzung. Wenn in dem Moment vielleicht ein Kind aufs Fensterbrett springt

30:58
Locuteur

oder

30:59
Invité

vom Tisch runterfällt oder was auch immer.

31:02
Locuteur

So,

31:02
Invité

was habe ich gemacht? Ich habe dann 23 Kinder mit ins Badezimmer genommen. Ich habe gesagt, ihr setzt euch jetzt im Kreis hin, wir singen jetzt ein Lied.

31:08
Locuteur

Und

31:09
Invité

in der Zeit wechsle ich, klein Emil,

31:12
Locuteur

ist

31:12
Invité

jetzt ein fiktiver Name, die Windel.

31:15
Locuteur

Was

31:15
Invité

natürlich auch nicht schön ist, weil auch ein kleiner Einjähriger hat ein Recht auf Intimsphäre. Es ist nicht schön, 20 plus Kinder da sitzen zu haben, während man die Windel gewechselt kriegt.

31:31
Locuteur

Und

31:31
Invité

das war

31:32
Locuteur

eine

31:33
Invité

unschöne Zeit einfach, wo ich dann auch so dachte,

31:36
Locuteur

ich selber

31:38
Invité

konnte ja auch nicht zur Toilette gehen. Also

31:40
Locuteur

ich

31:41
Invité

kann

31:42
Locuteur

die

31:43
Invité

Gruppe nicht verlassen. Und das heißt, ich habe wirklich zugesehen, wir haben gefrühstückt,

31:47
Locuteur

wir

31:47
Invité

haben die Jacken angezogen und dann sind wir so früh wie möglich, wenn es ging, runtergegangen. Oder ich stand so an der Tür, wir hatten so Glastüren und auf der anderen Seite des Treppenhauses war dann auch eine Glastür zur nächsten Gruppe.

32:00
Locuteur

Da

32:00
Invité

konnte ich dann so winken und hoffen, dass mich eine Kollegin sieht,

32:04
Locuteur

die

32:04
Invité

dann vielleicht rüberkommt. Weil die waren dann teilweise eben zu zweit oder zu dritt. Und dann kam auch mal jemand für eine halbe Stunde rüber.

32:13
Locuteur

Dass

32:13
Invité

du quasi zur

32:14
Locuteur

Toilette gehen kannst.

32:15
Invité

Ja, oder dass ich eben für Notfälle eben

32:19
Locuteur

jemand

32:20
Invité

Zweites da hatte.

32:21
Locuteur

Das,

32:22
Présentateur

was du jetzt schilderst, ist das etwas so

32:25
Locuteur

wirklich

32:26
Présentateur

auf Corona zurückzuschließen ist?

32:31
Locuteur

Oder sind

32:33
Présentateur

das Probleme, die schon vor Corona stattgefunden haben? Also

32:37
Locuteur

in

32:38
Invité

dem Haus, wo ich war, anscheinend nicht. Weil als ich da ankam, war das eben wunderbar.

32:43
Locuteur

Aber

32:44
Invité

grundsätzlich hatten wir auch damals schon, wie auch heute, einen Fachkräftemangel im Erziehungsbereich.

32:50
Locuteur

Denkst du das

32:50
Présentateur

generell so in Deutschland, in den Kitas

32:53
Locuteur

heute? Ich

32:55
Invité

hatte

32:55
Locuteur

in

32:57
Invité

der Hochschule, hatte ich eine Kommilitonin.

33:00
Locuteur

Wir

33:00
Invité

hatten gerade angefangen mit dem Studium und waren gerade zwei Wochen dabei.

33:06
Locuteur

Da

33:06
Invité

ist die morgens in die Kita gekommen und da sagte ihre Chefin zu ihr, deine Anleiterin ist krank.

33:12
Locuteur

Da

33:13
Invité

ist deine Gruppe. Wenn was ist, ich bin im Büro.

33:16
Locuteur

Und

33:17
Invité

dann stand eben diese, die war glaube ich erst Anfang 20, stand da diese 21-Jährige vor einer Gruppe mit 20 Kindern.

33:24
Locuteur

Und dann, ja, nicht

33:29
Invité

schön.

33:31
Locuteur

Ja,

33:31
Présentateur

das ist eben das. Aber was wäre, wenn da zum Beispiel eine Kontrolle statt, ich weiß nicht, gibt es sowas wie zum Beispiel...

33:36
Locuteur

Es gibt

33:37
Présentateur

eine Kita-Aufsicht. Ah, da gibt es

33:38
Locuteur

sowas,

33:39
Présentateur

die vom Staat her,

33:41
Locuteur

also

33:42
Présentateur

eine Aufsicht, das heißt, da kommen

33:43
Locuteur

von

33:44
Présentateur

einer Verwaltung oder so Leute und die machen eine Kontrolle, ob da alle Richtlinien eingehalten werden oder wie läuft das?

33:54
Invité

Also, es gibt

33:57
Locuteur

ja

33:58
Invité

auch Feuerwehrkräfte sozusagen. Die werden also, wenn es längere Krankschreibungen gibt oder so, werden die an die Kitas geholt. Aber dazu müssen die auch wirklich schon mehr als sechs Wochen

34:12
Locuteur

oder

34:13
Invité

mehr als acht Wochen... Also, sie müssen

34:14
Locuteur

schon

34:15
Invité

eine ganze Weile krankgeschrieben sein, bevor eine Kita so eine Feuerwehrkraft holen kann. Schnell zum Verständnis.

34:24
Présentateur

Feuerwehrkraft, das hat nichts mit Feuerwehr zu tun.

34:26
Locuteur

Nein. Das

34:26
Présentateur

ist jemand, der einspringt im Notfall. Genau. Okay.

34:29
Invité

Entschuldigung, ja.

34:31
Locuteur

Und damals... Ja,

34:32
Présentateur

wir sagen, es gibt ja dieses Wort Feuerwehrübungen oder... Nein,

34:37
Locuteur

das ist

34:38
Invité

tatsächlich so eine Art Notdienst. Es gibt ja eben Firmen, die bieten eben so freie Erzieher eben als Springer an.

34:45
Locuteur non identifié

Ja.

34:46
Invité

Die kommen dann eben in Kitas oder auch in Schulen, in die Hortbetreuung, wenn es eben Personalmangel gibt.

34:54
Locuteur

Aber

34:55
Invité

ich glaube, da müssen Auflagen erfüllt werden. Die werden ja auch extern bezahlt. Da fragt mich bitte nicht, wie das läuft. Bei uns wurde das damals nicht gemacht oder konnte nicht gemacht werden. Weil zum Beispiel die eine Kollegin, die eben im Burnout war, die kam ja

35:10
Locuteur

immer

35:11
Invité

kurz bevor es möglich gewesen wäre, kam die ja wieder.

35:15
Locuteur

Dann

35:16
Invité

war die für eine Woche da oder vielleicht auch für zweimal,

35:19
Locuteur

bevor

35:19
Invité

sie dann wieder krank war. Also die war echt am Limit. Das war nicht ihre Schuld, aber das war halt

35:24
Locuteur

vom

35:26
Invité

Träger her dann eben nicht möglich.

35:28
Locuteur

Aber

35:28
Présentateur

gibt es da viele Burnouts?

35:31
Locuteur

Ich

35:31
Présentateur

würde

35:31
Invité

sagen, ja.

35:32
Locuteur

Es

35:32
Invité

gibt viele Stresserkrankungen.

35:35
Locuteur

Und

35:35
Présentateur

die sind zurückzuführen auf

35:38
Locuteur

zu

35:38
Présentateur

wenig Personal für zu viele Kinder und die,

35:41
Locuteur

die

35:41
Présentateur

da sind, die verbrennt es einfach, weil die nicht mehr der Lage her sind.

35:50
Locuteur

Ja, ist

35:50
Invité

so.

35:51
Locuteur

Es

35:51
Invité

gibt ja auch nochmal so etwas wie den,

35:53
Locuteur

das

35:54
Invité

habe ich erst später gelernt, es gibt ja sowas wie einen stillen Burnout.

35:57
Locuteur

Da

35:58
Invité

gibt es so fünf Anzeichen für. Also dass

36:00
Locuteur

der

36:01
Invité

Schlaf unruhig wird. Dass man also nachts wach wird und überlegt, Gott, was habe ich noch für eine To-Do-Liste. Dass man sich Sorgen macht.

36:08
Locuteur

Dass

36:08
Invité

man sich sozial zurückzieht. Dass man also kaum noch was mit Freunden macht.

36:13
Locuteur

Dass

36:13
Invité

man

36:13
Locuteur

lieber

36:14
Invité

alleine ist. Dass man zynischer wird. Dass man eben im Sarkasmus oder im Zynismus eben so ein Ventil sich sucht.

36:24
Locuteur

Dass

36:25
Invité

man, was war das vierte?

36:27
Locuteur

Dass

36:27
Invité

man sehr ungeduldig wird. Dass einem also die Schlange im Supermarkt schon

36:31
Locuteur

so

36:32
Invité

stresst, dass man

36:33
Locuteur

eigentlich

36:36
Invité

schon gar nicht mehr klarkommt. Und das andere war, dass man somatische Beschwerden entwickelt. Also Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Blasenprobleme oder Durchfall irgendwie. Also somatische Beschwerden, körperliche Geschichten.

36:49
Locuteur

Und

36:50
Invité

mit diesen Symptomen kann man aber eine ganze Weile auch noch gut weiterarbeiten. Das ist ja in dem Sinne

36:55
Locuteur

keine

36:55
Invité

Krankheit.

36:56
Locuteur

Ein

36:57
Invité

richtiger Burnout ist ja ein kompletter Zusammenbruch.

37:00
Locuteur

Und

37:00
Invité

danach ist man dann, glaube ich, in der Regel auch,

37:02
Locuteur

das

37:03
Invité

dauert eine Weile, bis man dann wieder reinkommt. Und das,

37:07
Locuteur

der

37:07
Invité

Erzieherberuf ist

37:09
Locuteur

doch

37:10
Invité

recht anspruchsvoll. Also in Deutschland hat man erstmal einen Bildungsauftrag,

37:14
Locuteur

was

37:14
Invité

sehr gut und wichtig ist. Dass man eben

37:17
Locuteur

die

37:19
Invité

kleinen Mäuse schon,

37:21
Locuteur

dass

37:22
Invité

man die Neugier einfach anstupst. Und die lernen ja von ganz alleine beim Spielen und so weiter. Aber man muss eben Impulse auch geben.

37:29
Locuteur

Also

37:30
Invité

abgesehen mal vom Bildungsauftrag hat man eben eine große Verantwortung. Die Eltern verantworten einem das Wertvollste an, das sie haben, nämlich die Kinder. Und dass die nicht verunfallen

37:41
Locuteur

oder

37:42
Invité

sich nicht gegenseitig, keine Ahnung, Stöcker in die Ohren stecken.

37:48
Locuteur

Und

37:49
Invité

es ist, ja, körperlich eben auch. Also erstmal

37:53
Locuteur

hast

37:54
Invité

du ja auch noch kleine Einjährige, die das erste Mal

37:57
Locuteur

von

37:58
Invité

zu Hause weg sind, die gerade in der Eingewöhnung sind. Die weinen viel. Dann hast du ein weinendes Kind, was dir unter Umständen Stunden

38:04
Locuteur

in

38:05
Invité

die Ohren schreit.

38:06
Locuteur

Und

38:07
Invité

das klingelt ganz schön.

38:09
Locuteur

Dann

38:09
Invité

bist du ständig auf allen Vieren, weil du irgendwelche Handschuhe oder Schuhe oder Jacken suchst, die irgendwo verschollen sind.

38:20
Locuteur

Früher

38:20
Invité

gab es auch bei den Wickeltischen noch nicht die Treppen. Da mussten die Kolleginnen damals in den 90ern, glaube ich, noch

38:27
Locuteur

die

38:27
Invité

Kinder hochheben, wenn du zehn Kinder wickeln musst.

38:32
Locuteur

Oder

38:33
Invité

damals noch diese Laufstelle. Früher in der DDR gab es ja auch die Krippe. Da kamen die Kinder ja mit drei Monaten schon dahin.

38:41
Locuteur

Da

38:41
Invité

hast du dann die Kinder

38:42
Locuteur

aus

38:43
Invité

diesem Gitterbett heben müssen. Also

38:45
Locuteur

es

38:46
Invité

geht auf den Rücken, es geht auf die Knie, es geht auf die Ohren.

38:50
Locuteur

Es

38:51
Invité

ist ein anstrengender Beruf. Und die meisten Erzieher über 50, die ich kenne, die Erzieherinnen und Erzieher, sind eben in Teilzeit, weil sie schon die ein oder andere Stresserkrankung oder eben auch körperliche

39:03
Locuteur

Erkrankung

39:04
Invité

hinter sich haben.

39:06
Présentateur

Erschöpfung.

39:07
Invité

Erschöpfung. Ja. Ja, aber

39:09
Locuteur

es

39:12
Invité

ist auch

39:13
Locuteur

wie

39:14
Invité

in der Pflege ja auch oder wie im sozialen Bereich generell, es ist ja auch eine intrinsische Motivation. Man macht ja diesen Beruf

39:22
Locuteur

aus

39:23
Invité

dem Herz heraus. Also die meisten Erzieher, die ich kenne, die lieben ihren Beruf.

39:30
Locuteur

Und

39:31
Présentateur

naja, solange du diesen Beruf auch ausüben kannst in, sag ich mal,

39:35
Locuteur

Strukturen,

39:37
Présentateur

die es dir zulassen, auch die Liebe zu entwickeln, ist es ja gut. Aber wenn es dann natürlich so Situationen gibt, wie du beschreibst und dann,

39:45
Locuteur

ich

39:45
Présentateur

glaube, das ist dann der Moment, wo man auch die Liebe oder Leidenschaft zu etwas auch sehr schnell verlieren kann, oder?

39:50
Locuteur

Man

39:51
Présentateur

kann, ja.

39:52
Locuteur

Ja,

39:52
Présentateur

ich möchte noch was da kurz, dass du mir hilfst, das noch besser zu verstehen. Ich habe vorhin rausgehört, zum Beispiel Erziehungsauftrag,

40:02
Locuteur

du

40:03
Présentateur

hast einmal irgendwo noch erwähnt. Bildungsauftrag habe ich

40:05
Locuteur

gehört.

40:05
Présentateur

Bildungsauftrag, aber Erziehungs habe ich auch rausgehört. Und meines Erachtens,

40:12
Locuteur

wie

40:13
Présentateur

ich das sehe, eine Kita für mich ist eher etwas, das den Auftrag hat, die Kinder zu beaufsichtigen.

40:22
Locuteur

Aber

40:23
Présentateur

gehört da bereits Bildung rein und Erziehung, da bin ich noch nicht so, ich weiß noch nicht genau, wie ich das einstufen soll. Weil ist es wirklich

40:33
Locuteur

die

40:34
Présentateur

Sache der Mitarbeiter in den Kitas, die Kinder zu erziehen, oder bleibt das nach wie vor die Sache der Eltern?

40:41
Locuteur

Die

40:41
Invité

Kitas sehen sich in der Regel als erziehungsergänzende Einrichtungen. Erziehungsergänzend. Wir unterstützen die Eltern. Erwarten das die Eltern auch?

40:53
Locuteur

Es

40:54
Invité

gibt solche und solche. Es gibt Eltern, die denken, wir übernehmen die komplette Erziehung, die machen dann zu Hause gar nichts mehr.

41:00
Locuteur

Ja,

41:01
Invité

also

41:01
Locuteur

eine

41:03
Invité

Kollegin erzählte mir auch von einem Vater, der sagte, vielen Dank, dass Sie meinen Sohn erziehen.

41:08
Locuteur

So

41:08
Invité

im Sinne von, da muss ich das ja nicht machen. Wirklich. Und die hat dann gesagt, das ist ein Missverständnis.

41:14
Locuteur

Die

41:14
Invité

Kinder verbringen nach wie vor die meiste Zeit zu Hause. Die Wochenenden und auch die Abende oder die Nachmittage.

41:21
Locuteur

Es

41:22
Invité

werden ja nicht alle Kinder erst um 18 Uhr abgeholt, sondern oft eben auch schon um 15 Uhr. Das heißt,

41:27
Locuteur

sie

41:28
Invité

sind die meiste Zeit zu Hause.

41:29
Locuteur

Der

41:29
Invité

Löwenanteil der Erziehung

41:31
Locuteur

liegt

41:32
Invité

bei den Eltern und sollte auch da liegen.

41:34
Locuteur

Ja,

41:35
Invité

ich nehme es mir als Erzieher nicht heraus,

41:40
Locuteur

Eltern

41:41
Invité

zu sagen, wie sie ihr Kind zu erziehen haben. Aber dein Titel ist ja Erzieher.

41:46
Locuteur

Ja,

41:47
Invité

also

41:47
Locuteur

vielleicht hilft

41:49
Présentateur

es

41:49
Locuteur

am

41:50
Présentateur

besten, wenn ich, wenn ich versuche, den... Also der Job, meine ich,

41:54
Locuteur

heißt die

41:54
Présentateur

Erzieher, oder?

41:55
Invité

Ja,

41:55
Locuteur

ja.

41:56
Invité

Also am besten erklärt es sich vielleicht, wenn ich mal so einen Kita-Alltag beschreibe. Unbedingt. Ja,

42:02
Locuteur

genau.

42:03
Invité

Also die Kinder werden morgens gebracht,

42:05
Locuteur

haben

42:06
Invité

so ein bisschen Freispiel, bis dann alle da sind, die zum Frühstück da sein sollten. Je nach Kita wird um 7.30 Uhr oder um 8.30 Uhr gefrühstückt.

42:16
Locuteur

So,

42:16
Invité

und danach macht man einen Morgenkreis.

42:19
Locuteur

Das

42:20
Invité

heißt, im Morgenkreis begrüßt man sich. Das heißt, die anderen Kinder, die beim Frühstück noch nicht dabei waren, die kommen dann so nach und nach.

42:27
Locuteur

Das

42:27
Invité

ist ein bisschen Ritual. Genau, und da wird dann eben gesungen, vielleicht wird auch ein Spiel gespielt und diese Spiele eignen sich hervorragend, um Farben zu lernen, um Zahlen zu lernen,

42:39
Locuteur

um

42:39
Invité

Buchstaben zu lernen und um über Jahreszeiten vielleicht zu sprechen oder über Feste, die anstehen. Das heißt,

43:15
Locuteur

dass man über Weihnachten spricht.

43:15
Invité

Das heißt,

43:18
Locuteur

das

43:19
Invité

kann ein Spiel sein, das kann Bewegung sein, dass man halt ein bisschen

43:23
Locuteur

vielleicht

43:24
Invité

im Garten oder im Sportraum so ein bisschen

43:26
Locuteur

sich

43:26
Invité

bewegt.

43:27
Locuteur

Ein

43:27
Invité

bisschen motorische

43:28
Locuteur

Sachen. Oder

43:30
Invité

eben feinmotorisch. Das heißt, man malt, man zeichnet, man bastelt,

43:35
Locuteur

man

43:35
Invité

klebt, man dekoriert. Das sind alles so Sachen. Man kann auch, je nach Kita, es gibt Kitas, die haben, also die Kita, in der ich in Berlin war, die hatte zum Beispiel eine Kinderküche. Oder,

43:47
Locuteur

da

43:48
Invité

bereiten wir vielleicht mal einen kleinen Nachtisch vor oder einen Kuchen

43:52
Locuteur

oder

43:52
Invité

sowas, dass man

43:53
Locuteur

den

43:54
Invité

Kindern eben auch schon nahe bringt,

43:55
Locuteur

mit

43:56
Invité

einem Messbecher. Ungefähr bis dahin muss das Wasser oder die Milch oder was auch immer. Also man kann da ganz viel machen und danach ist erstmal wieder Freispiel, weil Kinder lernen am besten

44:07
Locuteur

im

44:07
Invité

Freispiel.

44:08
Locuteur

Wenn

44:09
Invité

sie miteinander spielen, da lernen sie auch Rücksichtnahme. Der eine zeigt dem anderen etwas, die Kleinen gucken sich von den Größeren was ab, die Größeren sind ganz stolz, wenn sie ein bisschen Verantwortung übernehmen.

44:20
Locuteur

Dann

44:20
Invité

gibt es irgendwann Mittagessen und

44:21
Locuteur

bei

44:22
Invité

diesen ritualisierten Geschichten, bei den Mahlzeiten und so weiter,

44:26
Locuteur

da

44:26
Invité

kann man wunderbar erziehen. Da kann man

44:28
Locuteur

wunderbar

44:30
Invité

Bitte und Danke lernen. Man kann mit Besteck

44:35
Locuteur

essen

44:35
Invité

lernen. Das sind ja auch so Sachen, so Fertigkeiten.

44:38
Locuteur

Wenn

44:39
Invité

man rausgeht zum Spielen, dass man dann lernt, Schuhe anzuziehen, sich Jacke anzuziehen, Reißverschluss.

44:45
Locuteur

Wenn

44:45
Invité

man ein bisschen größer ist, vielleicht auch schon mit der Schleife. Das sind so Sachen, da hilft man dann dabei. Nach dem Mittagessen ist in der Regel

44:52
Locuteur

Ruhepause, also

44:56
Invité

entweder Mittagsschlaf oder eben zumindest, dass man

44:59
Locuteur

sich

45:01
Invité

hinlegt und sich vielleicht ein Hörspiel anhört oder dass man

45:03
Locuteur

eine

45:04
Invité

Traumreise macht.

45:06
Locuteur

Und

45:06
Invité

dann ist in der Regel nachmittags nochmal eine Vespa, also das heißt so eine kleine Mahlzeit mit Salat oder

45:12
Locuteur

Rohkost,

45:14
Invité

Möhrchen oder Ruhkohlrabi.

45:17
Locuteur

Und

45:17
Invité

danach ist dann wieder Freispiel und dann werden die Kinder in der Regel auch schon abgeholt. Dann ist es auch schon so zwischen 15, 16, 17 Uhr.

45:24
Locuteur

Ja,

45:25
Invité

und

45:25
Locuteur

du

45:27
Invité

hast das Bildungsangebot, das ist das pädagogische Angebot.

45:31
Locuteur

Das

45:31
Invité

ist ja auch nicht unbedingt

45:32
Locuteur

Zwang

45:34
Invité

jeden Tag, aber

45:35
Locuteur

dann

45:36
Invité

hast du im Rahmen des pädagogischen Angebots oft eben auch

45:40
Locuteur

Projekte,

45:41
Invité

dass du vielleicht so ein Thema hast,

45:43
Locuteur

wo

45:43
Invité

kommt das Essen her oder

45:45
Locuteur

warum

45:47
Invité

feiern wir Weihnachten. Und dann hat man vielleicht über eine Woche oder zwei Wochen hinweg

45:50
Locuteur

ein

45:52
Invité

Thema, über das man

45:54
Locuteur

redet

45:55
Invité

oder für das man dann was macht.

45:59
Locuteur

Also

45:59
Présentateur

dann verstehe ich dich schon richtig, weil früher war Erziehung Elternsache.

46:04
Locuteur

Ist

46:04
Présentateur

es heute ja immer noch.

46:06
Locuteur non identifié

Ja.

46:06
Présentateur

Aber

46:07
Locuteur

ein

46:08
Présentateur

kleiner Teil der Erziehung,

46:11
Locuteur

ich

46:12
Présentateur

nenne jetzt das Wort Outsourcing, kommt mir nichts Dümmeres in den Sinn. Aber ein kleiner Teil wird dann auch schon ein bisschen in dieser Kita outgesourst, oder?

46:23
Locuteur

Weil

46:23
Présentateur

ich meine, dein Job heißt Erzieher und nicht Auszubildender, oder wie man sagt heute. Und ich denke mal, schon mit dieser Konstellation natürlich kann ich mir vorstellen, dass Eltern dann auch alleine schon durch diese Terminologien, die da kommen, dass die natürlich dann auch gleich automatisch die Erwartung haben, oh okay, mein Kind geht da hin, ist den ganzen Tag da.

46:50
Locuteur

Und

46:51
Présentateur

da wird es auch ein bisschen erzogen, oder?

46:53
Locuteur

Zum,

46:55
Présentateur

ja, Sachen vielleicht, die die Eltern sagen, da muss ich das nicht machen zu Hause.

46:59
Locuteur

Es gibt,

46:59
Présentateur

glaube ich, ganz viele Sachen, wo man das Kind erziehen kann dabei, oder? Oder einerseits, wie es mit anderen Mitmenschen umgeht, wie es mit den Kindern

47:09
Locuteur

spielt,

47:10
Présentateur

oder wie, und Höflichkeit, und wie es sich zu verhalten hat, und so, oder?

47:17
Locuteur

Es

47:18
Présentateur

ist wahrscheinlich ziemlich ein großes Spektrum an Erziehung.

47:21
Invité

Es ist ein großes Spektrum, und es kommt sicherlich auch ganz darauf an, wo man arbeitet.

47:25
Locuteur

Also

47:26
Invité

ich war in Berlin nicht in einer Brennpunkt-Kita. Was heißt das? Eine Brennpunkt-Kita ist so ein sozialer Brennpunkt. Das verstehe ich jetzt

47:35
Locuteur

nicht.

47:35
Invité

Also wo bildungsferne Familien wohnen, wo es einfach rauer

47:42
Présentateur

zugeht, so Gegenden. Also du redest das in, wenn du sagst, bildungsfremde Familien? Bildungsfern,

47:49
Locuteur

sagt man ja heute.

47:51
Invité

Was heißt das?

47:52
Locuteur

Also

47:53
Invité

böse gesagt, es gibt

47:55
Locuteur

in

47:56
Invité

Berlin zum Beispiel Bezirke, wo ein hoher Arbeitslosenanteil ist, wo die Eltern

48:02
Locuteur

nicht

48:03
Invité

viel Geld haben,

48:05
Locuteur

vielleicht zweite

48:06
Invité

oder dritte Generationen Hartz-IV- oder Bürgergeldempfänger sind. Und die bringen ihre Kinder

48:11
Locuteur

in die Kita. Die bringen dann ihre

48:12
Invité

Kinder in die Kita, weil in Deutschland gibt es einen Rechtsanspruch auch auf einen Betreuungsplatz. Also die Eltern können sich einen Kita-Platz theoretisch einklagen,

48:20
Locuteur

wobei

48:21
Invité

ich das auch nicht gut zu Ende gedacht finde, weil wenn es keine Kitas gibt oder keine Erzieher gibt, wo willst du es

48:27
Présentateur

einklagen?

48:29
Invité

Aber gut. Und

48:30
Locuteur

da

48:30
Présentateur

merkt man dann einen Unterschied an den Kitas, woher die Kinder kommen? Aus welchen gesellschaftlichen Schichten sie kommen? Ja, durchaus. Also das Klientel,

48:40
Invité

ich finde schon,

48:42
Locuteur

es

48:43
Invité

hat sehr

48:43
Locuteur

viel

48:44
Invité

mit den Eltern zu tun. Wie merkt man das?

48:48
Locuteur

Also

48:48
Invité

ich habe ein Praktikum gemacht von der Erzieherschule aus, damals in einer Brennpunkt-Kita, da mussten wir ein

48:55
Locuteur

Herbstfest

48:57
Invité

organisieren, genau.

49:00
Locuteur

Dann

49:01
Invité

kamen wir da rein und

49:02
Locuteur

erst

49:03
Invité

einmal war es ein sprachliches Problem. Es war eben eine Gegend,

49:09
Locuteur

ich

49:09
Invité

glaube es waren 80 Prozent Nicht-Deutsch-Muttersprachler.

49:12
Locuteur

Da

49:13
Invité

hast du erst einmal eine Sprachbarriere.

49:16
Locuteur

Dann

49:16
Invité

hatte diese Kita einen sehr kleinen Garten

49:19
Locuteur

und

49:20
Invité

da hatte ich eben

49:21
Locuteur

teilweise

49:22
Invité

vier, fünfjährige Kinder.

49:25
Locuteur

Die

49:25
Invité

konnten sagen, ja das ist ein Vogel. Aber die konnten noch nicht unterscheiden, ob es jetzt ein Huhn oder ein Rabe ist. Also ein Jahr vor der Einschulung, wo man sich so denkt,

49:39
Locuteur

das

49:42
Invité

kann man nicht unbedingt der Kita anlasten.

49:44
Locuteur

Also

49:45
Invité

das ist dann von zu Hause, wenn die Eltern den Kindern nicht zeigen oder nicht sagen, guck mal, das ist ein Eichhörnchen,

49:51
Locuteur

dann

49:52
Invité

weiß das Kind auch nicht, dass das ein Eichhörnchen ist.

49:55
Locuteur

So

49:55
Invité

und da war ich so ein bisschen erschrocken, weil ich das aus meiner Kita, wo ich eigentlich war, gar nicht kannte. Weil da hatten wir schon so gut ausgewogen.

50:05
Locuteur

Die

50:06
Invité

Eltern waren fast alle berufstätig auch und waren, sage ich jetzt mal,

50:10
Locuteur

gut

50:11
Invité

oder zumindest normal gebildet. Ganz am Anfang hattest du mich gefragt nach der Zeit, die Zeit, die man auf Karriere und so weiter verwendet. Und

50:26
Locuteur

ich

50:28
Invité

wollte da noch einbringen,

50:30
Locuteur

es

50:30
Invité

ist nicht nur die Quantität der Zeit, es ist vor allen Dingen die Qualität der Zeit.

50:36
Locuteur

Also

50:36
Invité

in der Nähe dieser Brennpunkt-Kita

50:38
Locuteur

habe

50:40
Invité

ich dann einen Kinderwagen gesehen, da saß vorne ein Kind drin und da war eine Halterung

50:44
Locuteur

für

50:45
Invité

ein Handy für das Kind. Das Kind war vielleicht zwei, drei Jahre alt, hatte eben auf dem Bildschirm sein Entertainment und die Mutter schob das Ding mit ihrem Handy in der Hand.

50:56
Locuteur

Wo

50:56
Invité

ist da die Verbindung noch? Ja, also das

51:00
Locuteur

schüttelt

51:03
Invité

einen dann innerlich so und du denkst dann, oh Himmels Willen, der arme Kleine.

51:08
Locuteur

Aber

51:08
Invité

was willst du in der Situation auch sagen? Und das

51:11
Locuteur

ist

51:13
Invité

eher so das Problem. Also ich glaube, wenn die Zeit,

51:17
Locuteur

Kinder

51:18
Invité

müssen ja gesehen werden und wir hatten in der Kita, in der ich gearbeitet hatte,

51:22
Locuteur

die

51:23
Invité

Regelung, die Eltern sollen in der Abholphase und in der Bringphase das Handy in der Tasche lassen. Weil wenn sie abgeholt werden und draußen im Garten spielen und die Tochter dem Vater zeigen will, guck mal, was ich kann, dann springt sie da aufs Klettergerüst drauf und macht da etwas.

51:39
Locuteur

Dann

51:40
Invité

ist es essentiell,

51:43
Locuteur

dass

51:43
Invité

der Vater das auch sieht, anstatt

51:45
Locuteur

drauf

51:46
Invité

zu gucken. Also wie oft sieht man es auf Spielplätzen,

51:49
Locuteur

die

51:50
Invité

Kinder stehen da oder machen etwas und sagen Mama, Mama, guck mal, guck mal und Mama guckt aber nicht.

51:55
Locuteur

Und

51:56
Invité

ich finde dieses,

51:58
Locuteur

ja,

51:59
Invité

die Zeit, die man zusammen hat, die muss viel mehr, sollte viel mehr miteinander im Dialog sein.

52:07
Locuteur

Und

52:08
Invité

dieses Bild mit dieser Handyvorrichtung

52:12
Locuteur

für

52:12
Invité

das Kind auf einer Karre, das ist schon sechs Jahre her, sieben Jahre her,

52:20
Locuteur

ganz,

52:21
Présentateur

ganz gruselig. Das wäre schön zu sehen, wo dieses Kind jetzt ist,

52:26
Locuteur

nach

52:26
Présentateur

sechs Jahren. Wäre das schön? Ich weiß nicht, einfach interessant wäre

52:31
Locuteur

interessant

52:31
Présentateur

zu sehen. Nein, Entschuldigung, ich bin da manchmal so ein

52:33
Invité

bisschen sarkastisch.

52:35
Présentateur

Ja,

52:35
Locuteur

nein, du hast schon

52:35
Présentateur

recht, das ist nicht wirklich das richtige Wort, aber es wäre interessant zu sehen, wo dieses Kind jetzt ist, wenn es, wenn es,

52:43
Locuteur

gut,

52:43
Présentateur

ich meine,

52:44
Locuteur

das

52:45
Présentateur

ist ja ein Phänomen, das kennen wir ja alle, es ist ja nichts Neues, was du jetzt sagst mit dem Handy. Das kennt man, das weiß man

52:50
Locuteur

und

52:51
Présentateur

es werden ja zum Teil Kinder auch, ich habe das Gefühl, dass Eltern dem Kind ein iPad oder so geben,

52:58
Locuteur

um

52:59
Présentateur

es ruhig zu stellen. Oder es ist wie eine Pille, anstatt eine Beruhigungstablette gibt man einfach, iPad ist das Band zu Beruhigungstabletten. Und

53:07
Locuteur

dann wundert

53:08
Invité

man sich später, dass das Kind eine Aufmerksamkeitsspanne von einem Regenwurm hat.

53:15
Présentateur

Verursacht durch die digitale...

53:17
Locuteur

Ich weiß

53:17
Invité

gar nicht,

53:17
Locuteur

ich

53:17
Invité

glaube, das ist nicht wirklich erwiesen, aber es ist schon

53:20
Locuteur

sehr

53:21
Invité

auffällig. Also das,

53:24
Locuteur

ja,

53:26
Invité

die

53:27
Locuteur

sind

53:28
Invité

alles auch so Begriffe, wo ich nicht genau weiß,

53:31
Locuteur

diese

53:33
Invité

Diagnosen, ADHS-Diagnose. Jedes zweite Kind hat angeblich eine ADHS-Störung oder eine ADHS diagnostiziert und da weiß ich immer nicht so, ist das alles

53:44
Locuteur

schon... Wir

53:46
Invité

pathologisieren so viel, also

53:48
Locuteur

jede

53:50
Invité

melancholische Phase ist eine Depression, jede unangenehme Situation ist gleich ein Trauma.

53:58
Locuteur

Nein,

53:59
Invité

muss es nicht sein und ich glaube auch nicht, dass jede ADHS-Diagnose

54:05
Locuteur

wirklich

54:07
Invité

gestellt werden müsste. Aber man sieht auf jeden Fall die Veränderung

54:16
Locuteur

und

54:16
Invité

teilweise eben schon von Jahr zu Jahr. Also nicht so in Fünfjahresschritten, sondern wirklich so, die Kinder dieses Jahr sind

54:24
Locuteur

nicht

54:25
Invité

so konzentrationsfähig, wie die,

54:27
Locuteur

die

54:28
Invité

ein Jahr älter sind.

54:29
Locuteur

Also

54:29
Invité

es ist schon

54:30
Locuteur

frappant, was

54:32
Invité

man da

54:33
Locuteur

sieht. Ja, das

54:36
Présentateur

ADHS, das ist in der Tat so, das ist

54:39
Locuteur

ziemlich

54:41
Présentateur

irgendwie ein bisschen fast schon so salonfähig geworden, wenn ein Kind sich nicht verhält,

54:48
Locuteur

wie

54:49
Présentateur

man sich das wünscht.

54:51
Locuteur

Wie

54:51
Présentateur

soll ich sagen, ich finde da nicht die richtigen Worte zu, aber dann ist es einfach so, ja okay, das ist ADHS.

54:57
Locuteur

Weil

54:58
Présentateur

dann kann man es wie so rechtfertigen, dass das Kind so ist, wie es ist. Und das ist auch so, ich empfinde das auch als sehr einfach, weil dann muss man die Ursache nicht suchen gehen, warum das Kind so ist, wie es ist, sondern man kann dann einfach die Ursachen wegschmeißen. Ich sage das jetzt ein bisschen salopp

55:14
Locuteur

und

55:14
Présentateur

vielleicht klingt das für den einen oder anderen hart. Aber

55:18
Locuteur

ja,

55:19
Présentateur

dann ist einfach so die Ursache mal weg und ja, es hat ADHS, ah okay, dann ist ja alles klar. Dann geben wir ihm, keine Ahnung, was man da macht,

55:26
Locuteur

da kommen dann glaube ich

55:27
Présentateur

wirklich Medikamente zum Zug, oder?

55:29
Invité

Es ist eine Win-Win-Win-Situation im Prinzip. Das Kind bekommt dann im Zweifelsfall Ritalin

55:33
Locuteur

und

55:36
Invité

läuft dann vielleicht ein bisschen besser,

55:38
Locuteur

wie

55:39
Invité

gewünscht. Die Eltern haben eine Entschuldigung, wie du schon sagst, der Arzt kann was verschreiben

55:46
Locuteur

und

55:46
Invité

das Kind kann sich mit dieser Diagnose vielleicht auch noch besonders fühlen. Genau,

55:51
Locuteur

es ist ein bisschen

55:52
Présentateur

das schlechte Gewissen einfach dann beruhigen, oder? Aber die Ursache hat man ja trotzdem nicht gefunden, warum ein Kind, also ich sage schon, es ist schon doof von mir,

56:00
Locuteur

ich

56:00
Présentateur

sage, warum ein Kind ADHS hat. Aber das ist eigentlich schon, das ist schon doof, dass ich das so ausspreche, weil es ist so,

56:05
Locuteur

ich

56:06
Présentateur

glaube nicht, dass diese Kinder alle ADHS haben, sofern es dieses ADHS überhaupt, ich weiß nicht mal genau, was das, also ich meine, man weiß, was es ist generell, aber irgendwie kann man es, es ist ja nicht wie ein Hautausschlag, den du siehst, oder? Sondern es ist etwas,

56:21
Locuteur

das

56:21
Présentateur

kann man einfach als Diagnose stellen

56:24
Locuteur

und

56:25
Présentateur

dann ist es wie so, ah okay,

56:26
Locuteur

das

56:26
Présentateur

AD, dann ist es wie krank, oder?

56:30
Invité

Ja, also es gehören schon einige Faktoren dazu, es wird schon untersucht, wird schon geschaut,

56:38
Locuteur

aber

56:39
Invité

ich glaube, insgesamt ist es auch gar nicht

56:41
Locuteur

so

56:42
Invité

gut erforscht,

56:43
Locuteur

also

56:44
Invité

weil ich eben sagte, mit diesem Handy, das könnte eine Ursache sein, wenn ein Kind von klein auf diese

56:50
Locuteur

Miniclips

56:52
Invité

sieht, von zwei Minuten Länge und so weiter, das ist, das ist was macht.

56:56
Locuteur

Aber

56:57
Invité

soweit ich weiß, ist das nicht wissenschaftlich bewiesen. Das ist einfach etwas, was man

57:03
Locuteur

sieht

57:06
Invité

oder beobachtet oder wo auch

57:09
Locuteur

die

57:10
Invité

Kollegin sagt, die ältere Kollegin, die erfahrenere Kollegin sagt,

57:15
Locuteur

schau

57:15
Invité

dir das mal an. Also die wundern sich dann später, dass das Kind sich nicht konzentrieren kann, wenn es diese

57:20
Locuteur

kurzen,

57:21
Invité

schnellen Reizimpulse kriegt,

57:23
Locuteur

die

57:24
Invité

ganze Zeit.

57:27
Locuteur

Also

57:27
Présentateur

ich

57:27
Locuteur

denke,

57:29
Présentateur

ich persönlich denke, dass

57:30
Locuteur

nicht

57:31
Présentateur

nur diese Digitalisierung der Kinder, also eben wenn man iPads und ihnen einfach solche digitale Sachen vor die Nase hält, um sie ruhig zu stellen, dass das unter anderem ein Grund ist.

57:42
Locuteur

Ich

57:42
Présentateur

nenne jetzt etwas, vielleicht eine steile These und das mag vielleicht

57:46
Locuteur

ein

57:49
Présentateur

bisschen kratzen auch bei gewissen Leuten, aber es ist okay.

57:52
Locuteur

Ich

57:53
Présentateur

denke, könnte es auch sein,

57:54
Locuteur

zum

57:54
Présentateur

Beispiel, dass Kinder auch innerhalb von diesem, ich meine, alles ist ja so systematisiert, oder? Der Ablauf, dann Zeit, dort rein, dort raus, dann gibt es das, dann gibt es das. Wir stecken ja diese Kinder in ein System rein, wo wir sie erziehen, jetzt kommt wieder das Wort erziehen,

58:12
Locuteur

um

58:13
Présentateur

sich in diesem System konform auch zu verhalten. Wenn sie sich irgendwie nicht konform verhalten, dann kann man Diagnose ADHS stellen, man gibt ihnen Ritalin, wie du sagst, und damit sie sich, und das hast du vorhin selber gesagt, damit sie sich wieder konform verhalten, oder?

58:30
Locuteur

Könnte

58:31
Présentateur

es einfach auch sein, dass das ganze System gegen die Natur

58:37
Locuteur

der

58:39
Présentateur

Menschen oder der Kinder

58:40
Locuteur

spricht

58:41
Présentateur

und es einfach,

58:42
Locuteur

die

58:43
Présentateur

Kinder vielleicht da drinnen sich nicht ausleben können, wie sie es sonst würden, wenn sie mehr Freiheit hätten? Es ist,

58:51
Locuteur

ja,

58:53
Invité

zweischneidig. Auf der einen Seite denke ich, Kinder hatten noch nie so viel Freiheit wie heute.

59:02
Locuteur

Ist das so? Anders.

59:05
Invité

Also man lässt dem Individuum schon sehr viel Raum. Wir haben schon fast zu viel Individualismus. Kinder sind teilweise schon ganz überfordert von dem Individualismus. Beispiel, praktisches Beispiel.

59:22
Locuteur

Ich

59:22
Invité

kann mich gut an eine Mutter erinnern, die hatte einen anderthalbjährigen Sohn, sprachlich und motorisch, also der war wunderbar entwickelt. Der

59:31
Locuteur

wirkte

59:31
Invité

vielleicht

59:32
Locuteur

zwei

59:33
Invité

Jahre älter fast schon, als er war.

59:37
Locuteur

Und

59:37
Invité

die hat mit ihm geredet,

59:39
Locuteur

wir

59:40
Invité

sind ja gleichberechtigt,

59:42
Locuteur

wir

59:42
Invité

sind ja auf einer Stufe, mein Sohn und ich. Die hat mit ihm geredet wie mit einem Erwachsenen. Und dann hat sie ihm nachmittags, als sie ihn abgeholt hat,

59:53
Locuteur

hat

59:53
Invité

sie gesagt, möchtest du die Latzhose, die Jeans oder die Korthose anziehen?

59:58
Locuteur

Und

59:59
Invité

du denkst,

1:00:00
Locuteur

der

1:00:02
Invité

ist anderthalb Jahre alt, der muss solche Entscheidungen noch nicht treffen.

1:00:06
Locuteur

Das

1:00:06
Invité

ist eine Überforderung. Der Junge hat auch regelmäßig geweint. Der hat viel geweint. So gut er sprechen konnte und so gut er laufen konnte und so gut er schon einen Stift halten konnte.

1:00:16
Locuteur

Der

1:00:17
Invité

war noch nicht trocken.

1:00:19
Locuteur

Klar,

1:00:20
Invité

ein Kind macht ja eins nach dem anderen. Erst kommt das, dann kommt das, dann kommt das.

1:00:25
Locuteur

Und

1:00:26
Invité

jedes Kind wird trocken. Insofern hätte sich die Mutter da gar nicht so einen Kopf machen müssen, aber

1:00:31
Locuteur

er

1:00:33
Invité

hat eben auch sehr viel geweint. Und ich glaube, das hatte sehr viel mit diesen Überforderungen zu tun, weil sie ihm alle Entscheidungen,

1:00:39
Locuteur

alle

1:00:40
Invité

wichtigen Entscheidungen selbst treffen lassen wollte.

1:00:42
Locuteur

Aber

1:00:43
Présentateur

hatte sie da eine pädagogische Strategie dahinter? Oder hast du mal mit ihr geredet?

1:00:50
Locuteur

Nee,

1:00:50
Présentateur

so

1:00:51
Invité

nicht. Also ich habe ihr schon mal gesagt,

1:00:53
Locuteur

er

1:00:53
Invité

ist anderthalb Jahre alt, er hat noch Zeit

1:00:55
Locuteur

mit

1:00:56
Invité

dem Trockenwerden. Weil sie sagt, sie macht sich solche Sorgen,

1:00:59
Locuteur

weil

1:01:00
Invité

die Tochter von ihrer Freundin, die ist genauso alt wie er und die braucht schon keine Windel mehr.

1:01:05
Locuteur

Ja,

1:01:06
Invité

jedes Kind ist aber anders, jedes Kind hat seinen

1:01:08
Locuteur

Rhythmus

1:01:10
Invité

und

1:01:10
Locuteur

vertrau

1:01:11
Invité

mir, wir haben uns damals alle geduzt, vertrau mir, jedes Kind wird trocken.

1:01:16
Locuteur

So,

1:01:17
Invité

und,

1:01:18
Locuteur

aber

1:01:20
Invité

über dieses, dass sie mit ihm redet, wie mit einem Erwachsenen und dass er Entscheidungen treffen darf oder soll, was einfach nicht altersangemessen ist, da kamen wir damals gar nicht so dazu, weil ich auch damals noch Azubi war

1:01:35
Locuteur

und

1:01:36
Invité

mich gar nicht,

1:01:37
Locuteur

gar

1:01:38
Invité

nicht wirklich so getraut habe, da so,

1:01:41
Locuteur

weiß

1:01:42
Invité

ich, wie soll ich sagen, so zu fragen.

1:01:46
Locuteur

Wäre

1:01:47
Invité

heute wahrscheinlich anders.

1:01:48
Locuteur

Ich

1:01:48
Invité

würde heute wahrscheinlich schon sagen,

1:01:50
Locuteur

er

1:01:51
Invité

braucht solche Entscheidungen noch nicht treffen, zieh ihm die Hose an, die du für richtig hältst.

1:02:00
Locuteur

Ich

1:02:00
Présentateur

habe da ein paar Zahlen aufgeschrieben, weil du hast ja gesagt, eben die Kitas haben

1:02:07
Locuteur

zu

1:02:09
Présentateur

wenig Aufsichtspersonal.

1:02:11
Locuteur

Das

1:02:11
Présentateur

scheint eines der eigentlich

1:02:13
Locuteur

großen

1:02:13
Présentateur

Probleme zu sein, wenn ich das so richtig rausgehört habe. Naja, ist auch kein so attraktiver Beruf für viele. Ist kein attraktiver Beruf? Okay, ich nehme das einfach so an. Für

1:02:25
Invité

viele,

1:02:25
Présentateur

ja, du hast eben, du verdienst schlecht,

1:02:28
Invité

du hast

1:02:29
Locuteur

keine

1:02:30
Invité

Aufstiegsmöglichkeiten in dem Sinne, also wenn du wirklich Karriere machen möchtest in irgendeinem Feld, dann ist es ja jetzt kein

1:02:36
Locuteur

so

1:02:38
Invité

geeigneter Beruf. Du kannst vielleicht noch in die Kita-Leitung gehen, ja, aber das

1:02:42
Locuteur

ändert

1:02:44
Invité

sich, also

1:02:44
Locuteur

so, ändert

1:02:47
Présentateur

nicht viel. Und das Interessante aber ist, oder, das Ganze scheint sich auch noch zu verschärfen.

1:02:54
Locuteur

Und

1:02:55
Présentateur

zwar ist es so, dass in Deutschland seit 2006, also ich habe die letzten 20 Jahre abgefragt,

1:03:02
Locuteur

und

1:03:03
Présentateur

im 2006 waren 45, circa 45.000 Kitas in Deutschland,

1:03:08
Locuteur

im

1:03:09
Présentateur

2025, bis letztes Jahr, waren es bereits circa 61.000 Kitas.

1:03:14
Locuteur

Also

1:03:15
Présentateur

ein Anstieg von circa 35 Prozent an Kitas. Und das sagt ja eigentlich aus,

1:03:22
Locuteur

dass

1:03:23
Présentateur

das Problem, was du ansprichst, das wird einfach nur noch, das wird nur noch heißer aufkochen, oder? Weil, dann habe ich noch geschaut, die betreuten Kinder dazu, und das ist ja auch spannend, oder? Bei den betreuten Kindern ist es so, dass es

1:03:36
Locuteur

zwischen

1:03:37
Présentateur

40 und 50 Prozent Anstieg gab in den letzten zwei Jahrzehnten

1:03:41
Locuteur

von

1:03:43
Présentateur

Kindern, die in die Betreuung gehen in Kitas. Also im Prinzip ist es so,

1:03:47
Locuteur

eigentlich

1:03:48
Présentateur

spricht ja alles dagegen,

1:03:50
Locuteur

dass

1:03:50
Présentateur

man da eher ein bisschen schlanker wieder machen muss, oder abbauen muss. Aber das Ganze ist ein Wachstumsmarkt, sofern man da von einem Markt sprechen kann überhaupt.

1:04:02
Locuteur

Aber,

1:04:03
Présentateur

und jetzt haben die schon diese Probleme, organisatorischen Probleme mit zu wenig Personal.

1:04:09
Locuteur

Wo

1:04:10
Présentateur

führt das dann noch hin?

1:04:11
Locuteur

Wo

1:04:15
Présentateur

führt das hin?

1:04:18
Locuteur

Ja,

1:04:18
Présentateur

da müssen wir jetzt eine Kristallkugel auf dem Tisch haben.

1:04:21
Locuteur

Ja,

1:04:23
Invité

es sind so viele Dinge, die sind nicht,

1:04:26
Locuteur

also

1:04:27
Invité

ganz oft werden Entscheidungen getroffen,

1:04:29
Locuteur

politische

1:04:31
Invité

Entscheidungen getroffen von Menschen,

1:04:33
Locuteur

die

1:04:33
Invité

die Lebensrealität nicht kennen. Zum Beispiel?

1:04:36
Locuteur

Fast

1:04:40
Invité

jede Schule oder jede Kita soll jetzt eine Integrationskita sein. Das heißt also auch Kinder mit Behinderungen aufnehmen,

1:04:50
Locuteur

damit

1:04:50
Invité

die gleich obenauf mit gesunden Kindern aufwachsen.

1:04:55
Locuteur

Das

1:04:55
Invité

ist eine sehr schöne Idee. Ich finde das eine ganz tolle Sache. Das Problem ist nur,

1:05:01
Locuteur

dass

1:05:01
Invité

geschulte Personal fehlt.

1:05:03
Locuteur

Nicht

1:05:03
Invité

jeder Erzieher ist ein Integrationserzieher. Nicht jeder Erzieher kann mit behinderten Kindern arbeiten oder möchte,

1:05:10
Locuteur

dass

1:05:11
Invité

es für alle Beteiligten nicht gut ist, für das Kind nicht gut ist, für den Erzieher nicht gut ist, für die Eltern nicht gut. Aber es

1:05:18
Locuteur

gibt

1:05:19
Invité

eben für Integrationskinder eben auch zusätzlich Geld. Das heißt, wenn eine Kita zwei, drei Integrationskinder annimmt,

1:05:28
Locuteur

ohne

1:05:29
Invité

Integrationserzieher im Haus zu haben,

1:05:31
Locuteur

oder

1:05:32
Invité

vielleicht haben sie einen, aber der ist nur in Teilzeit da, wie soll der sich um die ganzen Kinder kümmern? Also es ist, oder das Gebäude ist vielleicht gar nicht richtig ausgebaut. Das ist nicht, vielleicht nicht immer rollstuhlfreundlich

1:05:44
Locuteur

oder

1:05:45
Invité

nicht

1:05:47
Locuteur

ausgestattet

1:05:50
Invité

für Kinder mit Einschränkungen.

1:05:52
Locuteur

Und

1:05:52
Invité

so stelle ich mir das bei vielen anderen Entscheidungen auch vor, dass da einfach etwas entschieden wird, zum Beispiel dieser Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Das ist ja schön und gut, dass Eltern sich theoretisch einen Kita-Platz vor Gericht erstreiten können, aber

1:06:05
Locuteur

wenn das

1:06:07
Invité

kein Personal in diesen Kitas ist, es werden ja auch Kitas gebaut, sehr schön. Aber was bringt das Gebäude, wenn keine Fachkräfte da sind, die dort arbeiten oder zu wenig arbeiten, also zu wenig Fachkräfte zum Arbeiten?

1:06:23
Locuteur

Ja,

1:06:24
Présentateur

dann hast du eigentlich genau das, du hast Quantität, aber keine Qualität, weil es

1:06:28
Invité

kann nicht...

1:06:29
Locuteur

Und

1:06:29
Invité

wo führt es hin?

1:06:30
Locuteur

Also

1:06:30
Invité

dieser Personalmangel

1:06:32
Locuteur

führt

1:06:34
Invité

eben,

1:06:35
Locuteur

wie

1:06:39
Invité

ich eben schon sagte, in dieser Zeit, wo ich quasi alleine war, konnte ich nicht pädagogisch arbeiten. Ja, da konnte ich natürlich beim Frühstück

1:06:48
Locuteur

oder

1:06:48
Invité

beim Mittagessen, dass man mal schaut, so ein bisschen die Tischmanieren, dass man eben vielleicht nochmal mit Messer und Gabel so ein bisschen helfen kann. Und dass man mit vollem Mund nicht... Also man kann schon ein bisschen was machen,

1:06:59
Locuteur

aber

1:07:00
Invité

wirklich so diese Sachen,

1:07:02
Locuteur

Bewegungsangebote,

1:07:04
Invité

Grobmotorik, Feinmotorik, Spracharbeit, also dass man

1:07:08
Locuteur

diese

1:07:08
Invité

ganzen Bereiche,

1:07:10
Locuteur

das

1:07:11
Invité

fällt einfach weg.

1:07:12
Locuteur

Weil

1:07:13
Invité

du nur noch beaufsichtigst.

1:07:15
Locuteur

Weil

1:07:15
Invité

letzten Endes ist es natürlich das Wichtigste, dass das Kind wohlbehalten mittags wieder abgeholt werden kann. Also du bist dann nur mit Beaufsichtigung beschäftigt.

1:07:23
Locuteur

Und

1:07:23
Invité

nur um Kinder zu beaufsichtigen, muss ich nicht noch drei Jahre studieren oder eine Ausbildung machen. Das kann ich auch

1:07:30
Locuteur

so aufpassen,

1:07:33
Invité

dass kein Kind vom Klettergerüst fällt. Das ist natürlich auch nicht, ist für den Erzieher auch nicht wirklich fordernd. Man möchte ja doch auch ein bisschen den Kindern was vermitteln, man möchte ja ein bisschen was tun. Und

1:07:46
Locuteur

wenn

1:07:46
Invité

das

1:07:46
Locuteur

wegfällt... Also

1:07:48
Invité

eine Kollegin, eine Freundin von mir, die hat im Hort, Entschuldigung, in der Krippe gearbeitet. Das heißt also 20 Kinder unter drei Jahren, die meisten noch in Windel,

1:08:00
Locuteur

die

1:08:01
Invité

waren zu zweit.

1:08:02
Locuteur

Und

1:08:03
Invité

irgendwann haben die sich nur noch abgewechselt. Die eine war eine Woche krank, da war die andere alleine mit den Kindern und dann

1:08:08
Locuteur

war

1:08:09
Invité

die andere krank. Und das ist dann so eine Spirale,

1:08:12
Locuteur

die

1:08:13
Invité

war durch. Die war

1:08:14
Locuteur

nach... Die

1:08:15
Invité

ist inzwischen auch nicht mehr in dem Beruf tätig. Die hat

1:08:19
Présentateur

gewechselt. Denkst du,

1:08:22
Locuteur

dass

1:08:22
Présentateur

da...

1:08:23
Locuteur

Also

1:08:24
Présentateur

eben die Kitas nehmen zu, die zu betreuenden Kinder nehmen zu.

1:08:30
Locuteur

Denkst

1:08:31
Présentateur

du aber, dass die Erzieher... Ich sage einfach Erzieher. Ich hoffe, das ist der richtige Name dafür. Die Erzieher aber auch zunehmen werden oder eher stagnieren wird?

1:08:43
Locuteur

Ich

1:08:44
Invité

weiß tatsächlich gerade nicht, wie es aussieht. Ich weiß...

1:08:47
Locuteur

Also

1:08:47
Invité

ich weiß ein bisschen, dass die männlichen Erzieher nachziehen. Also als ich die Ausbildung gemacht habe, da waren wir

1:08:53
Locuteur

20

1:08:54
Invité

Frauen und drei Männer in dem Jahrgang. Und im Jahrgang drunter war es schon deutlich mehr.

1:08:59
Locuteur

Da

1:08:59
Invité

waren es 10 Männer und 20 Frauen oder so. Also

1:09:02
Locuteur

ich

1:09:03
Invité

weiß, dass es mehr Männer inzwischen in dem Beruf gibt, was auch sehr schön ist, weil so haben die Kinder eben auch

1:09:08
Locuteur

Rollenvorbilder

1:09:11
Invité

in beiden Geschlechtern. Und ich glaube, das ist für einen Betrieb auch gut, wenn sich das so ein bisschen im Personal durchmischt.

1:09:19
Locuteur

Aber

1:09:20
Invité

wie es insgesamt aussieht, ich weiß es tatsächlich nicht.

1:09:23
Locuteur

Also

1:09:24
Invité

wie viele Erzieher

1:09:26
Locuteur

jetzt

1:09:27
Invité

die Schule absolviert haben, die Ausbildung absolviert haben.

1:09:31
Locuteur

Ich

1:09:31
Invité

meine,

1:09:32
Locuteur

was

1:09:32
Invité

den Beruf sehr attraktiv macht, ist, man findet eigentlich immer Arbeit. Durch den Fachkräftemangel.

1:09:38
Locuteur

Nehmen

1:09:39
Invité

wir mal an, ich möchte irgendwo hinziehen. Ich

1:09:40
Locuteur

bin nicht so

1:09:42
Invité

auf die Landkarte und ich weiß, ich finde im Umkreis von fünf Kilometern einen Job.

1:09:45
Locuteur

Das

1:09:46
Invité

ist schon mal was ganz Gutes. Also das macht es vielleicht attraktiv und es ist ja auch ein schöner Beruf. So ja nicht, aber

1:09:54
Locuteur

in

1:09:57
Invité

Deutschland ist immer noch so das Problem, dass wir da

1:10:00
Locuteur

dieses

1:10:01
Invité

Süd-Nord-Gefälle haben, auch was die Gehälter angeht. Also ein Erzieher in Baden-Württemberg und Bayern

1:10:06
Locuteur

verdient

1:10:07
Invité

ungleich mehr als in Berlin oder Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern.

1:10:15
Locuteur

Ja,

1:10:15
Présentateur

dann wandern die natürlich ab in den Süden, oder? Ja, kann passieren. Ich meine, ich bin ja auch aus Berlin

1:10:20
Invité

weggegangen. Ja, du bist nach Frankreich gegangen. Ich bin nach Frankreich gegangen, aber ich habe in der Jugendhilfe in Deutschland gearbeitet als Grenzgänger. Also ich habe in Deutschland gearbeitet und habe in Frankreich gewohnt.

1:10:31
Locuteur

Ja,

1:10:31
Présentateur

wir haben jetzt die ganze Zeit über Kitas gesprochen, aber da möchte ich auch noch hin, in die Jugendhilfe. Also das ist ja dann etwas anderes nochmal, oder?

1:10:38
Locuteur

Ja,

1:10:39
Présentateur

da möchte ich unbedingt jetzt rein. Ich habe noch eine letzte Frage zu Kitas und dann verlassen wir die Kitas. Sag mir, wenn es dir unangenehm ist, deine Gedanken zu äußern.

1:10:52
Locuteur

Ich

1:10:53
Présentateur

habe

1:10:53
Locuteur

öfters

1:10:55
Présentateur

schon mal, ist bei mir aufgepoppt und habe ich gelesen, dass in Kitas teilweise Kinder

1:11:00
Locuteur

früh

1:11:01
Présentateur

sexualisiert wurden, im Sinne von, dass die so Räume gemacht haben, wo

1:11:06
Locuteur

Kinder

1:11:07
Présentateur

quasi sich gegenseitig entdecken durften

1:11:10
Locuteur

oder

1:11:11
Présentateur

konnten. Hast du von dem schon gehört? Ich habe davon gehört, ja. Ist das unangenehm, über das zu sprechen? Oder darf ich da fragen, was deine Gedanken dazu sind oder was da genau passiert?

1:11:25
Invité

Ich habe das noch nicht erlebt. Zum

1:11:27
Locuteur

Glück.

1:11:27
Invité

Ich

1:11:28
Locuteur

weiß

1:11:29
Invité

auch nicht, ob ich so dafür bin.

1:11:33
Locuteur

Also

1:11:33
Invité

ich habe davon gehört, natürlich, das war ja auch überall in der Presse, in den Einrichtungen, in denen ich gearbeitet habe, war das kein Thema. Also

1:11:41
Locuteur

klar,

1:11:43
Invité

Kinder entdecken sich. Die entdecken sich auch mit zwei, drei Jahren. Das ist auch

1:11:48
Locuteur

okay.

1:11:51
Invité

Ich hatte auch in der Schlafwache,

1:11:56
Locuteur

wo

1:11:56
Invité

ich die Kinder im Mittagsschlaf

1:11:58
Locuteur

beaufsichtigt

1:11:59
Invité

hatte,

1:12:00
Locuteur

da

1:12:00
Invité

war auch immer mal wieder ein Mädchen, die war vier oder fünf. Die hat sich eben auch dann in der Mittagspause angefasst. So.

1:12:08
Locuteur

Da

1:12:08
Invité

hat man dann gesagt, so, es ist ein bisschen laut.

1:12:12
Locuteur

Sorry.

1:12:12
Invité

Ja, sorry.

1:12:15
Locuteur

Es

1:12:15
Invité

ist jetzt ein bisschen laut. Versuch mal ein bisschen zur Ruhe zu kommen. So, aber grundsätzlich. Also es ist

1:12:20
Locuteur

völlig

1:12:22
Invité

in Ordnung, wenn ein Kind sich entdeckt.

1:12:25
Locuteur

Und

1:12:25
Invité

es ist vielleicht auch gar nicht schlecht, dem Kind einen Raum zu geben.

1:12:29
Locuteur

Also

1:12:30
Invité

ich hatte zum Beispiel einen kleinen Jungen, der wollte uns immer seinen Penis zeigen. Der war zweieinhalb, glaube ich. Also der war noch klein. Und dann habe ich gesagt, wir sind hier gerade

1:12:41
Locuteur

am

1:12:42
Invité

Tischdecken. Geh mal ins Badezimmer und dann kannst du vorm Spiegel. Also dass man dem Kind insofern einen Raum dafür gibt. Dass man dem Kind auch sagt, es ist nicht immer

1:12:52
Locuteur

der

1:12:53
Invité

richtige Zeitpunkt und der richtige Ort. Und

1:12:56
Locuteur

ja,

1:12:58
Invité

okay.

1:12:58
Locuteur

Also ich habe

1:12:59
Invité

es in der Einrichtung nicht erlebt und ich weiß auch nicht, ob ich

1:13:02
Locuteur

so

1:13:06
Invité

d'accord damit bin, dass das zu forcieren.

1:13:11
Locuteur

Dass es

1:13:11
Invité

gefördert

1:13:12
Locuteur

ist. Dass es zu

1:13:12
Invité

forcieren, weil es passiert von alleine. Kinder sind neugierig. Die sind neugierig, was bei dem anderen Kind ist

1:13:18
Locuteur

und

1:13:20
Invité

was bei einem selber los ist. Und die machen das schon.

1:13:23
Locuteur

Und

1:13:23
Invité

ich finde es auch völlig in Ordnung, die Kinder da

1:13:25
Locuteur

das

1:13:26
Invité

machen zu lassen. Weil alles andere ist, glaube ich, auch

1:13:30
Locuteur

keine

1:13:32
Invité

gesunde Intervention. Aber also dass man dem halt auch wirklich diesen natürlichen Lauf lässt und dass man es eben insofern moderiert, dass man sagt,

1:13:45
Locuteur

also ist

1:13:46
Invité

ja schön, dass du einen Penis hast, aber bitte nicht hier am Tisch.

1:13:50
Présentateur

Ja,

1:13:51
Locuteur

das

1:13:51
Présentateur

klingt, wenn du es so wie du es sagst, klingt es für mich so, das passiert einfach so im natürlichen Lauf. Aber was ich gelesen habe aus den Medien raus ist, dass die wirklich

1:14:02
Locuteur

aktiv

1:14:03
Présentateur

Räume geschaffen haben und das auch aktiv, ich sage jetzt einfach, gefördert wurde, dass Kinder sich da quasi, man hat sich schon fast

1:14:11
Locuteur

darauf

1:14:12
Présentateur

hingewiesen, dass sie sich entdecken sollen.

1:14:14
Locuteur

Und ich

1:14:14
Présentateur

muss ehrlich gesagt sagen, mich irritiert das sehr. Ja, mich auch. Ich finde es für mich persönlich sehr verstörend, der Gedanke schon. Und

1:14:24
Locuteur

ich

1:14:25
Présentateur

würde,

1:14:26
Locuteur

also

1:14:26
Présentateur

wenn ich wüsste, eine Kita würde das tun, würde ich jetzt

1:14:30
Locuteur

niemals

1:14:31
Présentateur

mein Kind da hinschicken. Ja, würde

1:14:32
Invité

ich auch nicht. Also ich würde mein Kind auch nicht da hinschicken. Ich sehe das ganz ähnlich wie du.

1:14:37
Locuteur

Ich

1:14:37
Invité

bin da so ein bisschen so, nee,

1:14:42
Présentateur

muss nicht sein. Muss nicht sein, sollte, soll auch nicht sein.

1:14:47
Locuteur

Gehen

1:14:48
Présentateur

wir rüber in die Jugendhilfe. Okay. Luft holen oder was? Ja. Ist das ein schweres Thema?

1:14:56
Locuteur

Ist

1:14:56
Présentateur

das schwerer als das Kita-Thema? Warum?

1:15:07
Locuteur

Also

1:15:07
Présentateur

noch schnell zum Einstufen. Jugendkita, das ist,

1:15:11
Locuteur

sprechen

1:15:12
Présentateur

wir bei Kita in einem bestimmten Rahmen, Altersrahmen und bei Jugendhilfe in einem anderen Altersrahmen. Können wir das zuerst mal einstufen, dass wir da verstehen, mit was für Kinder wir zu tun haben?

1:15:24
Locuteur

Also

1:15:25
Présentateur

die Erzieherausbildung

1:15:26
Invité

bereitet uns für Kinder bis 27 Jahre vor.

1:15:29
Locuteur

Das

1:15:30
Invité

heißt,

1:15:31
Locuteur

es

1:15:31
Invité

wird abgedeckt

1:15:33
Locuteur

das

1:15:34
Invité

Krippenalter, wo in Deutschland die Kinder mit einem Jahr hinkommen,

1:15:39
Locuteur

in

1:15:40
Invité

Frankreich mit drei Monaten schon. Dann das Kita-Alter ist so von eins bis sechs

1:15:46
Locuteur

oder

1:15:47
Invité

von drei bis sechs ist der Kindergarten so. Dann kommt der Hort, also die Schule ab sechs Jahren

1:15:53
Locuteur

und

1:15:54
Invité

die Hilfen zur Erziehung heißt das. Da geht es dann eben um Jugendhilfe. Das können Jugendeinrichtungen sein,

1:16:03
Locuteur

wo

1:16:04
Invité

die nachmittags eben betreut werden, wo die nachmittags ihre Hausaufgaben machen können, spielen können. Das können Wohngruppen sein, das können therapeutische Wohngruppen sein, das können

1:16:15
Locuteur

Kinderdörfer

1:16:17
Invité

sein, gibt es ja auch noch. Und ich hoffe, ich habe jetzt nichts vergessen.

1:16:23
Locuteur

Also

1:16:23
Invité

wir haben damals in der Ausbildung so einen Rundumschlag gemacht.

1:16:26
Locuteur

Aber

1:16:27
Invité

ich muss zugeben, die Jugendhilfe oder die Hilfen zur Erziehung,

1:16:31
Locuteur

das

1:16:31
Invité

war so ein

1:16:32
Locuteur

kleines

1:16:34
Invité

Segment in der Ausbildung,

1:16:36
Locuteur

weil

1:16:36
Invité

davon ausgegangen wurde,

1:16:37
Locuteur

dass

1:16:37
Invité

90 Prozent von uns eh in die Kita gehen oder in den Hort, also in die Grundschule.

1:16:44
Locuteur

Also

1:16:44
Invité

ich bin dann in die Jugendhilfe gegangen, weil das mit meiner Lebenssituation in Frankreich irgendwie ganz gut korrespondierte. Dass ich sagte, okay, da arbeite ich mehr am Stück.

1:16:58
Locuteur

Ich habe

1:16:59
Invité

erst in einer therapeutischen Wohngruppe und dann in einer normalen Wohngruppe gearbeitet. Das heißt, da hast du 24-Stunden-Schichten

1:17:06
Locuteur

und

1:17:08
Invité

hast dafür aber dann auch ein bisschen frei. 24-Stunden-Schichten? Ja.

1:17:15
Locuteur

Das darf vom

1:17:16
Invité

Gesetzgeber her nicht sein, da wird dann so ein bisschen in der Abrechnung so ein bisschen getrickst, aber es sind faktisch sind es 24

1:17:23
Présentateur

-Stunden-Schichten, ja. Also das heißt, meinst du damit, du bist 24 Stunden präsent? Ja. Am Stück? Ja.

1:17:32
Locuteur

Ich

1:17:32
Présentateur

habe

1:17:32
Invité

nachts Bereitschaft. Ich kann im Büro, da ist dann meistens so ein Bett oder eine Pritsche,

1:17:37
Locuteur

da

1:17:37
Invité

kann ich dann zwischen 23 und 5 Uhr morgens mich hinlegen und Bereitschaft machen.

1:17:42
Locuteur

Aber

1:17:42
Invité

wenn um 2 Uhr morgens ein Jugendlicher an die Tür klopft und sagt, guck mal, ich habe mir den Arm aufgeschnitten, dann muss ich mich natürlich um den kümmern.

1:17:50
Locuteur

Ah,

1:17:50
Présentateur

okay. Das ist so ein bisschen wie das Bandor zu

1:17:54
Locuteur

Piqué

1:17:56
Présentateur

-Dienst.

1:17:57
Locuteur

Kennst

1:17:57
Présentateur

du das Wort? Mhm.

1:17:58
Locuteur

Das

1:17:59
Présentateur

benutzt man, glaube ich, so bei den Handwerken. Piqué-Dienst, die sind dann auf Bereitschaft.

1:18:03
Locuteur

Ja,

1:18:05
Invité

also genau.

1:18:07
Locuteur

Ich

1:18:07
Invité

glaube, ich erkläre einfach mal. Also die therapeutische Wohngruppe,

1:18:11
Locuteur

eine

1:18:12
Invité

Wohngruppe für Jugendliche

1:18:15
Locuteur

ist

1:18:16
Invité

in der Regel eine Einrichtung, die junge Menschen aufnimmt.

1:18:20
Locuteur

Ich

1:18:20
Invité

sage jetzt mal zwischen 13 und 21 Jahren.

1:18:23
Locuteur

Kann variieren,

1:18:24
Présentateur

je nach Einrichtung. Kann der 13-Jährige und der 21-Jährige in der gleichen Wohngruppe drin sein?

1:18:30
Locuteur

Ja,

1:18:31
Présentateur

das kann sein. Miteinander? Ja, jeder hat sein eigenes Zimmer. Wohngruppe heißt, die wohnen da, die schlafen

1:18:37
Locuteur

da

1:18:37
Présentateur

auch?

1:18:37
Invité

Ja, das ist wie eine... Das

1:18:39
Locuteur

ist ein Jugendheim.

1:18:40
Invité

Wie eine WG. Früher hießen die Kinderheime. Das darf man heute nicht mehr sagen.

1:18:44
Locuteur

Das

1:18:44
Invité

darf man nicht mehr sagen? Nein. Wie sagt man jetzt? Das ist stigmatisierend. Das ist eine Wohngruppe. Okay. So eine Jugendwohngruppe.

1:18:54
Locuteur

Die

1:18:55
Invité

Kinder sind entweder auf eigenem Wunsch oder

1:18:59
Locuteur

auf

1:19:01
Invité

Wunsch des Jugendamtes aus ihren Familien genommen worden und die wohnen dann dort

1:19:06
Locuteur

und

1:19:06
Invité

machen von dort aus ihre Schule zu Ende oder ihre Ausbildung

1:19:10
Locuteur

und

1:19:12
Invité

werden dann eben von den Erziehern

1:19:15
Locuteur

betreut.

1:19:17
Invité

Und in der therapeutischen Wohngruppe war es noch so,

1:19:20
Locuteur

da

1:19:21
Invité

waren noch zwei Psychologinnen im Dienst, wo es...

1:19:26
Locuteur

Es

1:19:26
Invité

war obligatorisch für die jungen Menschen, die dort wohnten, dass sie eben auch

1:19:30
Locuteur

sich

1:19:31
Invité

in die therapeutische Behandlung dort begeben haben. Also in der therapeutischen Wohngruppe war es damals so,

1:19:38
Locuteur

da

1:19:38
Invité

sind

1:19:38
Locuteur

hauptsächlich

1:19:40
Invité

junge Mädchen hingekommen,

1:19:41
Locuteur

die

1:19:43
Invité

psychische Erkrankungen hatten, Depressionen, Essstörungen etc. Das war dann an einem Punkt,

1:19:51
Locuteur

wo

1:19:51
Invité

die schon nicht mehr beschulbar waren.

1:19:53
Locuteur

Also

1:19:54
Invité

sie konnten nicht mehr zur Schule gehen.

1:19:55
Locuteur

Der

1:19:55
Invité

Tagesrhythmus war komplett eingestürzt. Das heißt, die haben den Tag über geschlafen,

1:20:00
Locuteur

sind

1:20:00
Invité

vielleicht um 17 Uhr aufgestanden, waren dann die Nacht über wach. Und wir waren dann dafür da, sie ein bisschen wieder dahin zu kriegen,

1:20:10
Locuteur

dass

1:20:11
Invité

sie

1:20:11
Locuteur

zumindest

1:20:12
Invité

so beschulbar sind, dass sie irgendwann mal einen Schulabschluss machen können.

1:20:16
Locuteur

Und

1:20:17
Invité

dass wir dann vielleicht nach einem Jahr oder so vielleicht so weit waren, dass sie

1:20:20
Locuteur

wenigstens

1:20:21
Invité

drei, vier Stunden am Tag

1:20:23
Locuteur

in

1:20:23
Invité

eine Schulersatzmaßnahme gehen konnten. Das war

1:20:34
Locuteur

schwierig,

1:20:35
Invité

weil ich bin in meiner Ausbildung

1:20:37
Locuteur

darauf

1:20:38
Invité

nicht vorbereitet worden. Es gibt eine gesonderte Ausbildung für Jugend- und Heimerzieher.

1:20:44
Locuteur

Die

1:20:44
Invité

habe ich aber nicht gemacht. Und ich bin da reingegangen und

1:20:48
Locuteur

es

1:20:49
Invité

hat mich mehr mitgenommen, als ich dachte. In der Kita waren andere Geschichten. In

1:20:56
Présentateur

der

1:20:56
Locuteur

Kita

1:20:56
Présentateur

sind so kleine Krirze. Da ist

1:20:58
Invité

die Welt noch in Ordnung. Und da waren in der Regel auch wirklich liebende Eltern. Und dort hast du eben,

1:21:05
Locuteur

liebende

1:21:06
Invité

Eltern durchaus auch, aber eben

1:21:08
Locuteur

zerrüttete

1:21:11
Invité

Verhältnisse. Und Kinder, die eben teilweise Suizid, oder junge Menschen,

1:21:16
Locuteur

14,

1:21:16
Invité

15 Jahre, die

1:21:18
Locuteur

mit

1:21:20
Invité

Selbstverletzten im Verhalten, mit Essstörungen, mit Spielsucht, mit

1:21:27
Locuteur

Problematiken, wo

1:21:32
Invité

du wirklich,

1:21:34
Locuteur

oder

1:21:34
Invité

wo ich mich, Entschuldigung, aber wo ich mich wirklich teilweise

1:21:37
Locuteur

zusammenreißen

1:21:39
Invité

musste, dass mir nicht die Tränen runterlaufen, weil ich dann dachte, scheiße,

1:21:43
Locuteur

hier

1:21:44
Invité

musst du deine Empathie so ein bisschen drosseln und ein bisschen

1:21:47
Locuteur

cooler

1:21:49
Invité

werden.

1:21:49
Locuteur

Also

1:21:50
Présentateur

da hattest du wirklich traumatisierte Kinder.

1:21:53
Locuteur

Ja,

1:21:54
Invité

junge Menschen. Also schon keine Kinder mehr, sondern Teenager. Teenager, wo sowieso alles schwierig ist. Wo

1:22:01
Locuteur

die

1:22:02
Invité

Hormone so reinpumpen, dass du sowieso schon im Jum bist. Ich meine, es ist für niemanden schön. Nein, man erinnert sich ja selber noch an die eigene Zeit. Und dann eben noch diese, ja,

1:22:15
Locuteur

oft

1:22:15
Invité

sind es wirklich so, entweder Vernachlässigung oder irgendeine Form von Missbrauch.

1:22:21
Locuteur

Ohne

1:22:21
Invité

Grund

1:22:22
Locuteur

holt

1:22:22
Invité

als Jugendamt kein Kind von seinen Eltern weg. Also da

1:22:26
Locuteur

ist

1:22:27
Invité

schon immer eine Vorgeschichte und ganz oft ist es so eine Grenzüberschreitung gewesen,

1:22:32
Locuteur

in

1:22:34
Invité

dem Sinne, dass das Kind die Elternrolle für sie Eltern übernehmen musste.

1:22:39
Locuteur

Was

1:22:39
Présentateur

war der schwierigste Fall, den du da

1:22:41
Locuteur

erlebt

1:22:42
Invité

hast?

1:22:43
Locuteur

Also

1:22:44
Invité

ich war in zwei Wohngruppen.

1:22:45
Locuteur

In

1:22:45
Invité

der ersten

1:22:46
Locuteur

war

1:22:47
Invité

es

1:22:48
Locuteur

ein

1:22:50
Invité

junger Mann, der war 17

1:22:51
Locuteur

und

1:22:53
Invité

der war spielsüchtig, computerspielsüchtig.

1:22:55
Locuteur

Und

1:22:56
Invité

das ging so weit, dass er eben nicht mehr

1:22:58
Locuteur

zur

1:22:59
Invité

Schule gehen konnte

1:23:00
Locuteur

und

1:23:02
Invité

dass seine Eltern kamen auch nicht mehr an ihn ran. Also seine Eltern waren wirklich liebend und

1:23:07
Locuteur

waren

1:23:09
Invité

aber am Ende ihrer Weisheit. Und die haben den dann in die Einrichtung mithilfe des Jugendamtes und so weiter.

1:23:16
Locuteur

Also die

1:23:16
Présentateur

mussten ihn

1:23:17
Invité

zwangseinweisen?

1:23:18
Locuteur

Nein,

1:23:19
Invité

das Jugendamt, das war eine gemeinsame Entscheidung vom Jugendamt und den Eltern.

1:23:23
Locuteur

Weil

1:23:24
Invité

die Eltern sagten, sie schaffen es nicht mehr.

1:23:26
Locuteur

Der

1:23:27
Invité

wog irgendwann 160 Kilo. Und wenn der nicht aufstehen wollte, ist der nicht aufgestanden.

1:23:35
Locuteur

Und

1:23:35
Invité

das war für uns tatsächlich sehr schwierig.

1:23:39
Locuteur

Wir

1:23:40
Invité

hatten mit viel Mühe eine

1:23:43
Locuteur

Maßnahme

1:23:45
Invité

für ihn gefunden,

1:23:46
Locuteur

wo

1:23:46
Invité

er drei Stunden am Tag

1:23:47
Locuteur

hingehen

1:23:49
Invité

sollte,

1:23:49
Locuteur

um

1:23:49
Invité

irgendeinen Schulabschluss zu kriegen.

1:23:56
Locuteur

Und

1:23:56
Invité

da ist er

1:23:57
Locuteur

in

1:23:58
Invité

einer guten Woche dreimal hingegangen,

1:24:01
Locuteur

in

1:24:01
Invité

einer schlechten Woche ist er gar nicht hingegangen.

1:24:03
Locuteur

Und

1:24:04
Invité

es war jeden Tag ein wirklicher Kampf,

1:24:07
Locuteur

ihn

1:24:08
Invité

zum Aufstehen zu bringen.

1:24:12
Locuteur

Also

1:24:12
Présentateur

der ist zu Hause, ist er gewöhnt gewesen, immer zu gamen.

1:24:17
Locuteur

Du

1:24:17
Présentateur

sagtest, du redest von Spielsucht. Ich denke, das ist wahrscheinlich einfach Online

1:24:20
Locuteur

-Games. Ja,

1:24:22
Invité

Computer

1:24:22
Locuteur

-Games. Und

1:24:24
Présentateur

dann wird er von zu Hause rausgerissen, wird zu euch platziert. Und natürlich, die erste Maßnahme ist natürlich kein Gaming mehr, oder? Nein,

1:24:32
Locuteur

das

1:24:32
Présentateur

durften wir nicht.

1:24:34
Locuteur

Das

1:24:35
Invité

wäre auch mein... Ja, dann

1:24:37
Locuteur

nehmen

1:24:38
Invité

wir ihm doch den Computer weg. Nein, dürfen wir nicht. Das ist

1:24:41
Locuteur

ein

1:24:43
Invité

zu großer Eingriff in sein Persönlichkeitsrecht.

1:24:47
Locuteur

Also

1:24:47
Présentateur

der kommt zu euch und...

1:24:49
Locuteur

Und hat weitergemacht

1:24:49
Invité

wie bisher. Ja, also das war so diese Ohnmacht, die mich dann auch so frustriert hat, fertig gemacht hat.

1:24:56
Locuteur

Wir

1:24:57
Invité

hatten

1:24:57
Locuteur

damals

1:24:59
Invité

so einen Sicherheitskasten, wo wir für jedes Zimmer einzeln den Strom ausschalten konnten. Und wir haben in einer

1:25:04
Locuteur

Teamsitzung

1:25:06
Invité

besprochen, dass wir um Mitternacht ihm den Strom ausstellen.

1:25:10
Locuteur

Weil zwischen

1:25:11
Invité

Mitternacht und 6.30 Uhr morgens soll er vielleicht schlafen.

1:25:17
Locuteur

Also

1:25:17
Invité

erst einmal hat er so lange dann mit seinem Handy gespielt, bis der Akku alle war. Da war es dann auch 4 Uhr morgens. Und dann, als es gar nichts mehr ging, hat er auch das Jugendamt verständigt. Und da wurde uns gesagt, dass wir auch das nicht dürfen.

1:25:31
Locuteur

Und

1:25:32
Invité

das war für mich so das Schwierigste, weil ich dachte, wir erhalten hier einen Status quo. Es gibt ja so Detox-Kliniken, Entzugskliniken für spielsüchtige Jugendliche.

1:25:43
Locuteur

Da

1:25:43
Invité

hätten wir einen Platz für ihn gekriegt. Aber er wollte halt auch nicht. Er war 17 Jahre alt. Er hatte noch ein halbes Jahr bis zum 18.

1:25:51
Locuteur

Und

1:25:52
Invité

mit 18 ist sowieso schwierig.

1:25:54
Locuteur

Also

1:25:54
Invité

mit 18... Dann musst du ihn entlassen, oder? Entweder man... Ja, jein. Also... Aber dann ist er ja mündig. Er ist mündig. Und oft ist es dann aber so, dass das mit dem Jugendamt dann irgendwie geregelt wird, dass er dann ab 18 die Unterschrift leistet. Er möchte weiter in der Einrichtung bleiben. Da verpflichtet er sich aber auch mehr oder weniger, sage ich jetzt mal, zur Mitarbeit. Und wenn die Mitarbeit nicht mehr geleistet ist, dann beendet das Jugendamt auf die Hilfe.

1:26:20
Locuteur

Dann

1:26:20
Présentateur

wird er nach Hause geschickt.

1:26:22
Locuteur

Wenn

1:26:22
Invité

er noch nach Hause kann. Ich war dann in einer anderen Wohngruppe.

1:26:26
Locuteur

Als

1:26:26
Invité

ich aus der therapeutischen Wohngruppe habe ich dann gewechselt in eine andere Wohngruppe, in eine normale.

1:26:31
Locuteur

Da

1:26:32
Invité

hatten wir dann auch Fälle, wo wir junge Menschen mit 18 dann in die Obdachlosigkeit entlassen haben.

1:26:37
Présentateur

Nein.

1:26:38
Locuteur

Die

1:26:39
Invité

Eltern sind nicht mehr verpflichtet, ihn mit 18 oder sie mit 18 zu nehmen.

1:26:44
Locuteur

Und

1:26:45
Invité

wenn es keine andere Möglichkeit gibt.

1:26:47
Locuteur

Aber

1:26:48
Invité

das passiert ja nicht von heute auf morgen. Dem geht ja etwas voraus.

1:26:51
Locuteur

Und

1:26:52
Invité

wie gesagt, also der Jugendliche, der in eine Einrichtung kommt, unterschreibt damit quasi, sich an die Hausregeln zu halten und gewisse

1:27:05
Locuteur

Regeln

1:27:07
Invité

einzuhalten.

1:27:08
Locuteur

Also

1:27:09
Présentateur

du hast das miterlebt,

1:27:10
Locuteur

wie

1:27:10
Présentateur

jemand in die Obdachlosigkeit

1:27:13
Locuteur

gelassen

1:27:15
Présentateur

wurde quasi.

1:27:16
Locuteur

Also

1:27:16
Présentateur

ich habe dann... Ausgesetzt wurde.

1:27:18
Invité

Also

1:27:18
Locuteur

wir

1:27:19
Invité

haben ihn da hingefahren, wo er hin wollte.

1:27:22
Locuteur

Wir

1:27:22
Invité

haben ihm eine Telefonnummer gegeben, wo er zumindest einen Schlafplatz hat, dann nachts.

1:27:27
Locuteur

Da

1:27:27
Invité

gibt es ja Obdachlosenunterkünfte und so weiter.

1:27:30
Locuteur

Ich

1:27:30
Invité

habe

1:27:31
Locuteur

auch

1:27:31
Invité

bei dem einen, wo ich es jetzt noch weiß, da habe ich dann ein halbes Jahr später erfahren, er ist dann doch irgendwann wieder zu seinen Müttern

1:27:37
Locuteur

gezogen

1:27:38
Invité

oder zu seiner Mutter gezogen. Krass. Also insofern war der da nicht auf der Straße, aber auch da wurde dann ein Status quo erhalten.

1:27:49
Locuteur

Also

1:27:50
Invité

da

1:27:50
Locuteur

hat

1:27:51
Invité

man dann doch jemanden gehabt über ein Jahr, zwei, drei Jahre vielleicht.

1:27:57
Locuteur

Und

1:27:58
Invité

am Ende

1:27:58
Locuteur

wegen

1:28:00
Invité

irgendwelcher Regularien oder wegen irgendwelcher

1:28:06
Locuteur

Vorschriften

1:28:08
Invité

konntest du eben nicht wirklich pädagogisch mit dem arbeiten

1:28:10
Locuteur

oder

1:28:11
Invité

ihr.

1:28:13
Locuteur

Und

1:28:13
Invité

letzten Endes hast du einen Status quo erhalten. Und das ist der Grund, letzten Endes einer der Gründe, weshalb ich aus der Jugendhilfe dann auch raus bin nach vier Jahren.

1:28:22
Locuteur

Und dann standst

1:28:24
Présentateur

du kurz selber vor dem Burnout?

1:28:26
Locuteur

Ich

1:28:27
Invité

glaube, ich bin mittendrin. Ich bin mitten in diesem stillen Burnout. Ich merke das an meinem Schlafverhalten. Ich merke das

1:28:33
Locuteur

an

1:28:35
Invité

meinem Fakasmus.

1:28:36
Locuteur

Diese Symptome, die du

1:28:37
Présentateur

gewandt

1:28:38
Locuteur

hast vorher. Ja, da

1:28:39
Invité

bin ich mittendrin.

1:28:41
Locuteur

Ja,

1:28:42
Invité

also erst einmal,

1:28:43
Locuteur

diese

1:28:44
Invité

24-Stunden-Dienste waren nicht ohne. Und meine Kollegen waren alle

1:28:49
Locuteur

20

1:28:51
Invité

Jahre jünger als ich. Da habe ich deutlich gemerkt, die stecken das besser weg. Dann, ja gut, Feiertage, Wochenenden und so weiter, das fällt eh alles weg.

1:29:01
Locuteur

Ich

1:29:02
Invité

muss sagen, ich war bei einem sehr guten Träger, der hat sehr, sehr gut bezahlt. Da gab es 14 Monatsgehälter und

1:29:08
Locuteur

das

1:29:11
Invité

war finanziell wirklich sehr gut. Die haben wirklich versucht, ihre Mitarbeiter durch finanzielle Wertschätzung, nenne ich es mal, wirklich auch zu halten. Wird das staatlich subventioniert? Die Plätze, die werden ja vom Jugendamt bezahlt für die Jugendlichen. So für den Jugendlichen in der Jugendhilfe, im Wohnheim. Das kostet zwischen 6.000 und

1:29:33
Locuteur

7

1:29:34
Invité

.000, 8.000 Euro. Vielleicht je nach Einrichtung,

1:29:38
Locuteur

je

1:29:38
Invité

nach Umfang, je nach Alter vielleicht auch. Oder was der junge Mensch macht, ob der noch zur Schule geht, ob der eine Ausbildung macht.

1:29:46
Locuteur

Pro

1:29:46
Invité

Monat. Ja, pro Monat. Nehmen wir mal an. Nehmen wir mal so mittelwert 6.500 Euro pro Monat.

1:29:52
Locuteur

Und

1:29:55
Invité

ja, also diese Wohngruppen, das waren jeweils,

1:29:58
Locuteur

das

1:29:59
Invité

war in beiden Fällen ein Haus. Jedes, jeder junge Mensch hatte ein Zimmer.

1:30:03
Locuteur

Dann

1:30:04
Invité

gab es eine große Gemeinschaftsküche. Es gab einen Gemeinschaftsraum,

1:30:07
Locuteur

wo

1:30:07
Invité

dann auch zusammen gegessen wurde. Kellerräume, wo dann Tischtennisplatten standen, wo man

1:30:14
Locuteur

werkeln

1:30:15
Invité

konnte. Ein Sportraum, wo man Handeln und Sportgeräte hatte.

1:30:22
Locuteur

Also

1:30:23
Invité

die waren schon gut auch

1:30:24
Locuteur

eingerichtet.

1:30:26
Invité

Dann gab es noch so ein extra Haus mit einer Verselbstständigungsgruppe, wo dann jemand,

1:30:30
Locuteur

der

1:30:31
Invité

jetzt bald

1:30:31
Locuteur

ein

1:30:32
Invité

Jahr, sagen wir mal, in einem Jahr die Jugendhilfe verlassen wird, schon mal

1:30:35
Locuteur

schauen

1:30:37
Invité

kann, wie es ist, alleine zu wohnen.

1:30:38
Locuteur

Wo

1:30:39
Invité

man als Erzieher dann nur noch unregelmäßig, oder was heißt unregelmäßig, aber wo man nur noch,

1:30:44
Locuteur

sage

1:30:44
Invité

ich jetzt mal, einmal die Woche reinschaut oder zweimal die Woche und

1:30:47
Locuteur

Hilfe

1:30:48
Invité

gibt bei, keine Ahnung,

1:30:50
Locuteur

was

1:30:51
Invité

mache ich, wenn die Waschmaschine kaputt ist. Wen rufe ich da an und sowas. Aber das sind dann die, wo ich sage mal, wo schon alles erfolgreich durchlaufen ist und wo die wissen,

1:31:03
Locuteur

so

1:31:04
Invité

im nächsten halben Jahr gehe ich auf Wohnungssuche.

1:31:06
Locuteur

Dann

1:31:07
Invité

hilft man noch bei der Wohnungssuche, dann hilft man beim Auszug

1:31:09
Locuteur

und

1:31:10
Invité

dann sind das ja auch Erfolgsgeschichten. Wenn da jemand

1:31:13
Locuteur

einige

1:31:14
Invité

Jahre in der Jugendhilfe war und das sind ja, wie gesagt, das ist nicht ohne Grund, das ist eigentlich immer mit

1:31:19
Locuteur

einer

1:31:20
Invité

Form von Missbrauch oder Vernachlässigung

1:31:22
Locuteur

geht

1:31:23
Invité

das einher.

1:31:25
Locuteur

Und

1:31:25
Invité

oft natürlich auch mit Diagnosen wie ADHS, mit einer Störung auf dem Autismus-Spektrum, darf man von Störung sprechen, du weißt, was ich meine. Ja, da ist oft Selbstverletzendes Verhalten

1:31:44
Locuteur

und

1:31:44
Invité

von Persönlichkeitsstörungen wollen wir gar nicht anfangen, weil die dürfen vor dem 18. Lebensjahr ja nicht diagnostiziert werden.

1:31:50
Locuteur

Das

1:31:51
Invité

heißt, da kann jemand wirklich alle

1:31:53
Locuteur

Kriterien erfüllen

1:31:56
Invité

für die Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung oder einer Borderline-Persönlichkeitsstörung,

1:32:01
Locuteur

darf

1:32:02
Invité

aber nicht diagnostiziert werden, erst mit

1:32:05
Locuteur

der

1:32:06
Invité

Vollendung des 18. Lebensjahres.

1:32:08
Locuteur

Weil

1:32:08
Invité

der Gesetzgeber davon ausgeht,

1:32:10
Locuteur

dass

1:32:10
Invité

du erst dann

1:32:11
Locuteur

eine

1:32:12
Invité

fertige Persönlichkeit bist.

1:32:13
Locuteur

Und

1:32:13
Invité

da kannst du vorher auch keine Persönlichkeitsstörung haben.

1:32:19
Présentateur

Ja, das ist ja,

1:32:22
Locuteur

das

1:32:23
Présentateur

ist ein bisschen absurd.

1:32:24
Invité

Naja,

1:32:25
Présentateur

aber es ist

1:32:25
Invité

halt so. Irgendwo muss ja eine Trennlinie gezogen werden.

1:32:28
Locuteur

Naja,

1:32:29
Invité

aber da waren halt Situationen, also ich hatte eine Jugendliche, die hatte so dissoziative Zustände und hat sich

1:32:35
Locuteur

dann

1:32:36
Invité

selbst verletzt. Und die hat nicht am Arm oder am Oberschenkel geritzt, wie die meisten, sondern die hat am Hals geritzt.

1:32:43
Locuteur

Und

1:32:43
Invité

dann war ich im Bereitschaftsdienst und dann klopfte es um halb drei Uhr morgens an der Tür und dann stand sie vor mir und dann

1:32:49
Locuteur

lief

1:32:50
Invité

das Blut hier runter.

1:32:53
Locuteur

Also

1:32:53
Invité

am Hals verletzt, aufgeschnitten? Ja,

1:32:55
Locuteur

so

1:32:55
Invité

geritzt.

1:32:56
Locuteur

An die Schlagade. Also nicht

1:32:57
Invité

tief,

1:32:58
Locuteur

also die weiß ich nicht,

1:32:59
Invité

aber es sieht halt,

1:33:00
Locuteur

es ist

1:33:01
Invité

als Bild, sieht es

1:33:03
Locuteur

schrecklich

1:33:04
Invité

aus.

1:33:04
Locuteur

Ich meine, es sieht auch

1:33:05
Invité

schlimm aus, wenn sich jemand am Arm ritzt oder

1:33:06
Locuteur

am Oberschenkel, es sieht immer schlimm aus. Aber

1:33:09
Invité

wenn jemand so vor dir steht und das T-Shirt,

1:33:12
Locuteur

ich

1:33:14
Invité

war darauf nicht, ich war dafür nicht ausgebildet, ich war darauf nicht vorbereitet und ich wurde auch

1:33:21
Locuteur

letzten

1:33:22
Invité

Endes,

1:33:23
Locuteur

du

1:33:23
Invité

hast einmal im Monat Supervision, da wird darüber gesprochen,

1:33:30
Présentateur

letzten Endes,

1:33:32
Locuteur

ja. Aber

1:33:33
Présentateur

wie kann man seinen Job lieben

1:33:34
Locuteur

oder

1:33:36
Présentateur

wie kann man seinen Job gerne machen

1:33:37
Locuteur

mit

1:33:39
Présentateur

solchen Situationen

1:33:40
Locuteur

vor

1:33:41
Présentateur

den Augen?

1:33:43
Invité

Naja gut, es gibt ja

1:33:44
Locuteur

immer

1:33:45
Invité

auch schöne Momente. Es gibt ja auch

1:33:47
Locuteur

Jugendliche,

1:33:49
Invité

junge Menschen,

1:33:50
Locuteur

mit

1:33:52
Invité

denen das Arbeiten ganz wunderbar ist, wo du dann eben auch

1:33:55
Locuteur

die

1:33:56
Invité

schönen Erlebnisse hast, wenn sie sich eben tatsächlich ihre erste eigene Wohnung suchen.

1:33:59
Locuteur

Und das hatte ich

1:34:00
Invité

letztes Jahr eben auch, wo ich dachte, wir kennen uns jetzt seit zweieinhalb Jahren und ich

1:34:05
Locuteur

sehe,

1:34:06
Invité

was du für eine große Entwicklung gemacht hast. Und du hast jetzt deine Ausbildung fertig, hast du bestanden, sogar sehr gut bestanden

1:34:13
Locuteur

und

1:34:14
Invité

du wirst einen Job finden

1:34:15
Locuteur

und

1:34:16
Invité

wir packen die Sachen und du ziehst jetzt in deine erste eigene Wohnung.

1:34:21
Locuteur

Und

1:34:22
Invité

das ist schon was Schönes und auch

1:34:24
Locuteur

in

1:34:26
Invité

den Hilfen zur Erziehung oder in der Jugendhilfe gibt es da zwei Möglichkeiten, entweder Rückführung in die Familie oder eben in die Selbstständigkeit.

1:34:34
Locuteur

Ich

1:34:34
Invité

war jetzt das eine Mal in der therapeutischen Wohngruppe,

1:34:37
Locuteur

da

1:34:38
Invité

war dieses Zurückführen in die Familie auch noch eine Option.

1:34:42
Locuteur

Bei

1:34:42
Invité

der zweiten Wohngruppe haben wir sie auf die Selbstständigkeit vorbereitet.

1:34:46
Locuteur

Und

1:34:47
Invité

in dieser therapeutischen Wohngruppe war es dann eben auch schön zu sehen, wenn sich die Eltern und das Kind wieder ein bisschen annähern.

1:34:54
Locuteur

Wenn

1:34:54
Invité

man dann so sieht, vielleicht

1:34:57
Locuteur

in

1:34:57
Invité

einem Jahr oder so kann

1:34:58
Locuteur

sie

1:35:00
Invité

vielleicht doch wieder zu ihren Eltern.

1:35:01
Locuteur

Es

1:35:02
Invité

scheint sich hier ein bisschen zu lösen, dieser Knoten, der sich da gespannt hatte.

1:35:06
Locuteur

Das

1:35:07
Invité

ist schon schön. Ja,

1:35:08
Locuteur

das sind

1:35:08
Présentateur

Erfolgserlebnisse.

1:35:09
Invité

Und es ist auch schön zum Beispiel die Jugendfreizeiten. Du fährst eine Woche mit den Jugendlichen wohin

1:35:15
Locuteur

und

1:35:16
Invité

es ist wie eine Klassenfahrt.

1:35:18
Locuteur

Und

1:35:19
Invité

das ist schon toll. Das macht schon Spaß. Okay.

1:35:22
Locuteur

Und ja,

1:35:25
Présentateur

also…

1:35:26
Locuteur

André,

1:35:26
Présentateur

danke, dass du mich da zurückgeholt hast, weil ich habe mich da für einen Moment, und ich merke es jetzt gerade, oder? Weil du mir jetzt diese guten Seiten einblendst und das gefällt mir sehr.

1:35:35
Locuteur

Und ich

1:35:36
Présentateur

habe mich am Moment gerade in diesen Horror-Stories verloren, oder? Und darum habe ich gedacht, wow,

1:35:40
Locuteur

wie

1:35:41
Présentateur

kannst du so noch arbeiten, oder? Ich meine,

1:35:43
Locuteur

ich

1:35:44
Présentateur

persönlich, ich wäre wahrscheinlich, ich hätte nicht,

1:35:47
Locuteur

denn

1:35:47
Présentateur

wir sagen hier in der Schweiz, den Silberrücken.

1:35:50
Locuteur

Ich

1:35:50
Présentateur

hätte nicht den Silberrücken, das auszuhalten, aber nebst dem hast du auch Erfolgserlebnisse, wie du sagst. Und das ist das wahrscheinlich, wo euch die Kraft gibt, dann beides, also das andere aushalten zu können, oder?

1:36:04
Locuteur

Also,

1:36:05
Présentateur

letzten Endes habe ich

1:36:05
Invité

es ja nicht ausgehalten. Also, letzten Endes habe ich ja dann auch gesagt, letztes Jahr zum 1. September,

1:36:12
Locuteur

ich

1:36:12
Invité

gehe aus der Jugendhilfe. Ich

1:36:14
Locuteur

möchte

1:36:16
Invité

es nicht mehr. Das waren

1:36:18
Locuteur

einfach,

1:36:19
Invité

es waren viele Faktoren. Erstmal waren es eben die Dienste.

1:36:22
Locuteur

Wo ich sagte,

1:36:23
Invité

also ich bin so ausgelaugt, wenn ich vier Dienste hinter mir habe, so in zehn Tagen oder was,

1:36:31
Locuteur

dann

1:36:31
Invité

bin ich durch. Also, das schaffe ich nicht mehr. Und was noch? Dann diese Ohnmacht, dass ich teilweise das Gefühl hatte, also ich kann dem gar nicht helfen, weil ich nicht weiß, also was soll ich machen, wenn ich ihm den Computer oder das Handy nicht wegnehmen darf?

1:36:46
Locuteur

Ja, du

1:36:47
Présentateur

kannst eigentlich die Ursache nicht beseitigen.

1:36:49
Invité

Wie kann ich daran gehen, wenn er sowieso sagt, Ausbildung gehe ich nicht hin, ich will eh Bürgergeldempfänger werden, es lohnt sich doch gar nicht. Arbeiten ist doch nur für Versager. Was soll ich da,

1:37:03
Locuteur

wo

1:37:04
Invité

soll ich da ansetzen? Und vor allen Dingen, der ist fast 18

1:37:06
Locuteur

oder

1:37:09
Invité

wurde dann ja auch 18.

1:37:11
Locuteur

Was

1:37:11
Invité

soll ich da machen? Und dann eben

1:37:15
Locuteur

viel

1:37:17
Invité

Papierkram. Du bist eigentlich, ich

1:37:19
Locuteur

habe

1:37:19
Invité

gedacht, ich wollte eigentlich Erzieher werden, weil ich mit Menschen arbeiten wollte.

1:37:23
Locuteur

Und

1:37:23
Invité

hier sehe ich mich jetzt stundenlang am Telefon, weil ich einen Therapieplatz suche oder einen Arzttermin mache.

1:37:31
Locuteur

Ich

1:37:31
Invité

mache irgendwelche

1:37:32
Locuteur

Terminbegleitungen,

1:37:34
Invité

also ich fahre mit einem Jugendlichen zum Arzt oder ich fahre mit ihm zu einer Berufsberatung oder was auch immer. Dann muss ich das dokumentieren. Dann muss ich Entwicklungsberichte schreiben. Dann muss ich mich mit dem Jugendamt kurz schließen. Dann muss ich zu einer Besprechung mit dem Jugendamt und der Teamleitung. Also ich mache ganz, ganz viel administrative Geschichten

1:37:55
Locuteur

und

1:37:56
Invité

habe

1:37:56
Locuteur

die

1:37:58
Invité

Arbeit mit den Kindern oder Jugendlichen, mit den jungen Menschen,

1:38:01
Locuteur

die

1:38:01
Invité

ist dann beim Abendessen.

1:38:03
Locuteur

Wenn

1:38:03
Invité

ich mit denen zu Abend esse und von dem Tag rede oder wenn wir einen Gruppenabend machen, einmal die Woche.

1:38:11
Locuteur

Das

1:38:11
Invité

waren dann so Sachen, wo ich so dachte, doch komm. Und dass ich eben das Gefühl hatte, ich bin zu alt für den Scheiß. Meine Kollegen waren 20 Jahre jünger.

1:38:21
Locuteur

Die

1:38:21
Invité

waren ganz locker. Also wenn da jemand in die Obdachlosigkeit entlassen wurde, wo ich wirklich vier, fünf Wochen

1:38:27
Locuteur

gedacht

1:38:29
Invité

habe, wir hätten doch noch, der hätte nur mehr Zeit gebraucht.

1:38:32
Locuteur

Wenn

1:38:33
Invité

wir den noch,

1:38:33
Locuteur

wenn

1:38:34
Invité

wir noch ein Jahr länger gehabt hätten, obwohl ich wusste vom Jugendamt, das war die richtige Entscheidung.

1:38:40
Locuteur

Der

1:38:41
Invité

hat den Ausbildungsplatz verloren, weil er 90 Prozent Fehlzeiten hatte.

1:38:44
Locuteur

Da

1:38:45
Invité

hat das Arbeitsamt gesagt, also die Ausbildung finanzieren wir nicht mehr, wenn er nicht hingeht. So, dann war der Tagesrhythmus weg.

1:38:51
Locuteur

Das

1:38:51
Invité

Jugendamt hat gesagt, ohne Tagesrhythmus finanzieren wir den Schlafplatz nicht oder den Wohnplatz, Wohnheimplatz nicht.

1:38:59
Locuteur

Das

1:39:00
Invité

sind ja, wie gesagt, 7000 Euro im Monat. So, das kriegst du irgendwann. Die Jugendamtmitarbeiter müssen das ja auch irgendwann rechtfertigen.

1:39:07
Locuteur

Der

1:39:07
Invité

ist über 18.

1:39:09
Locuteur

Der

1:39:10
Invité

war jetzt so und so lange in der Jugendhilfe in verschiedenen Einrichtungen. Wir waren ja nicht die Erste. So, und meine Kollegen waren da ganz locker, haben gesagt,

1:39:18
Locuteur

also

1:39:18
Invité

wer sich nicht helfen lassen will, den kannst du auch nicht helfen. Womit sie absolut recht haben.

1:39:23
Locuteur

Aber

1:39:23
Invité

für die war die Sache damals damit auch gegessen.

1:39:26
Locuteur

Und

1:39:27
Invité

ich lag zu Hause dann nachts wach und dachte,

1:39:29
Locuteur

ich

1:39:31
Invité

hätte doch noch irgendwas versuchen können.

1:39:34
Locuteur

Aber

1:39:34
Invité

was? Also,

1:39:36
Locuteur

das

1:39:37
Invité

war eben

1:39:37
Locuteur

sehr

1:39:38
Invité

frustrierend. Und

1:39:39
Locuteur

ich

1:39:39
Invité

glaube, so ein Schlüsselmoment war,

1:39:43
Locuteur

wir

1:39:43
Invité

hatten einen jungen Menschen dort, der gewalttätig war, gerade gegen Mädchen. Also, körperlich. Der hat einfach mal zugeschlagen oder irgendwas in der Art gemacht. Der hatte auch, glaube ich, eine Anzeige laufen wegen irgendwie versuchter Vergewaltigung oder was auch immer. Ich weiß es im Einzelnen nicht mehr, aber das war

1:40:09
Locuteur

ein

1:40:10
Invité

echt unangenehmer Zeitgenosse.

1:40:13
Locuteur

Und

1:40:13
Invité

ich habe mich dann abends einmal auf dem Heimweg erwischt. Ich habe ja den Trajet

1:40:18
Locuteur

von

1:40:19
Invité

Deutschland nach Frankreich gehabt. Da saß ich dann im Zug und dachte,

1:40:21
Locuteur

ich will

1:40:22
Invité

mit sowas eigentlich gar nichts zu tun haben. Und das war für mich echt so ein Schlüsselmoment, wo ich dachte, okay, so solltest du als Erzieher nicht denken.

1:40:33
Locuteur

Und

1:40:33
Invité

auch mit dem Wortlaut, dass ich dann so dachte,

1:40:35
Locuteur

mit

1:40:35
Présentateur

sowas will ich

1:40:36
Locuteur

nichts zu tun haben.

1:40:38
Présentateur

Ja, aber das ist wahrscheinlich halt part of the deal, wenn du in so einem Time... Ja, aber wie gesagt, das war für mich, glaube ich,

1:40:45
Locuteur

ich

1:40:46
Invité

wusste auf dem Papier, worauf ich mich einlasse,

1:40:49
Locuteur

wusste

1:40:50
Invité

es aber in der Praxis nicht.

1:40:52
Locuteur

Und

1:40:52
Invité

ich hatte ja kein Praktikum gemacht oder auch,

1:40:55
Locuteur

ich

1:40:56
Invité

hatte keine Erfahrung in der Jugendhilfe. Und

1:41:00
Locuteur

wie

1:41:00
Invité

gesagt,

1:41:01
Locuteur

von

1:41:01
Invité

diesem gesonderten Ausbildungszweig oder von dem Studiengang Heim- und Jugenderzieher wusste ich gar nichts. Ich wusste das erst, als ich meine Kollegen kennenlernte, die sagten, ich habe gerade die Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher beendet.

1:41:18
Locuteur

Oh, das

1:41:19
Invité

gab es bei uns gar nicht in Berlin.

1:41:21
Locuteur

Oder

1:41:22
Invité

vielleicht gab es das, aber zumindest nicht so.

1:41:25
Locuteur

Gab

1:41:25
Présentateur

es auch Übergriffe auf euch, auf die Erzieher?

1:41:34
Locuteur

Also,

1:41:35
Présentateur

dass Jugendliche sich

1:41:37
Locuteur

Gewalt

1:41:38
Présentateur

anwendeten euch gegenüber? Ja. Wie geht man mit dem um?

1:41:45
Invité

Das eine Mal betraf es Gott sei Dank,

1:41:48
Locuteur

ja,

1:41:49
Invité

klingt jetzt so böse, Gott sei Dank nicht mich. Da hat es eine Kollegin betroffen.

1:41:53
Locuteur

Das

1:41:53
Invité

war in der ersten Wohngruppe ein junger Mann.

1:41:58
Locuteur

Ich

1:41:58
Invité

hatte,

1:41:59
Locuteur

wir

1:42:00
Invité

hatten den Spätdienst noch zu zweit. Ich war beim Abendessen noch da, da war alles in Ordnung. Dann hatte ich Feierabend gemacht und die Kollegin hatte den 24 Stunden, also den Nachtdienst.

1:42:08
Locuteur

Und

1:42:09
Invité

zwei Stunden später stand der junge Mann, 19 Jahre, sportlich, kräftig,

1:42:14
Locuteur

nackt

1:42:15
Invité

mit einer Erektion vor ihrem Büro und hämmerte auf die Tür ein.

1:42:20
Locuteur

Und

1:42:21
Invité

der hatte sich im Internet irgendwelche Drogen beschafft,

1:42:25
Locuteur

ich

1:42:25
Invité

glaube LSD oder etwas LSD-artiges. Und war nicht mehr er selbst.

1:42:32
Locuteur

Und

1:42:32
Invité

sie hat, er war der einzige Junge in der Wohngruppe damals. Sie hat,

1:42:36
Locuteur

es

1:42:37
Invité

war 21 Uhr ungefähr, sie hat

1:42:39
Locuteur

den

1:42:40
Invité

Mädchen gesagt, sie sollen in ihre Zimmer, sie sollen die Tür zu machen.

1:42:44
Locuteur

Sie

1:42:44
Invité

hat ihn irgendwie auf Abstand gehalten, hat den Krankenwagen gerufen

1:42:48
Locuteur

und

1:42:49
Invité

hat den

1:42:49
Locuteur

rausgelockt,

1:42:52
Invité

sozusagen, dass er dann rausgeht und dann, dass der Krankenwagen ihn dann abholen kann. Aber der hat sie bespuckt, der ist sie körperlich angegangen.

1:43:01
Locuteur

Und

1:43:01
Invité

sie hatte sowieso schon gekündigt, sie hätte noch einen Monat gehabt,

1:43:05
Locuteur

aber

1:43:06
Invité

nach der Nacht war sie dann weg. Und er auch, also der ist dann sofort entfernt worden aus der Jugendhilfe.

1:43:14
Locuteur

Also

1:43:14
Invité

ich habe den nie wieder gesehen.

1:43:15
Locuteur

Das

1:43:15
Invité

andere Mal, das war auch in der Wohngruppe, da hatte

1:43:17
Locuteur

ein

1:43:18
Invité

junges Mädchen,

1:43:23
Locuteur

ja,

1:43:23
Invité

die hatte ein Messer zu

1:43:24
Locuteur

greifen

1:43:25
Invité

bekommen, das lag auf dem Tisch.

1:43:27
Locuteur

Die

1:43:27
Invité

hatte,

1:43:28
Locuteur

die

1:43:30
Invité

war Borderlinerin und die hatte in dem Moment so,

1:43:32
Locuteur

like

1:43:34
Invité

God,

1:43:34
Locuteur

sozusagen,

1:43:36
Invité

ja, also nicht wirklich, aber die hatte halt dann so, ja, ich weiß gar nicht mehr, was ich gesagt hatte. Ich hatte irgendetwas gesagt, was ihr nicht gepasst hatte. Und da hat sie dann das Messer gegriffen und

1:43:47
Locuteur

sie

1:43:47
Invité

stand dann so vor mir. Also es ist nichts passiert, weder mir noch ihr.

1:43:52
Locuteur

Aber

1:43:53
Invité

das war so eine Situation, wo sie sagte, guck mich an, guck mich endlich an. Und dann gucke ich sie an und sagte, wieso guckst du mich an? Guck weg! Und dann sagt sie, ich bringe mich jetzt um und du bist schuld. Das war gerade kurz vorm Schichtwechsel gewesen. Also ich hatte gerade, war kurz vorm Feierabend, meine Kollegin kam für den Nachtdienst.

1:44:16
Locuteur

Und

1:44:16
Invité

die war 20 Minuten zu früh da.

1:44:18
Locuteur

Und

1:44:19
Invité

es war für mich schon gut zu wissen, dass sie im Nebenraum war. Also sie war dann im Büro, ich war eben im Gemeinschaftsraum mit diesen Mädchen.

1:44:27
Locuteur

Und

1:44:28
Invité

das endete auch gut. Sie hat dann irgendwann das Messer zur Seite gelegt.

1:44:31
Locuteur

Und

1:44:32
Invité

ich habe es mir dann genommen, damit sie vielleicht nicht wieder zugreift.

1:44:36
Locuteur

Und

1:44:37
Invité

es hatte sich dann aufgelöst, weil ich versucht hatte, ihr auch keine Munition mehr zu geben. Ich

1:44:41
Locuteur

habe nicht

1:44:42
Invité

geantwortet auf irgendwas, was sie, sie hat ja eine Beleidigung an den Kopf geworfen und so weiter.

1:44:47
Locuteur

Und

1:44:47
Invité

ich

1:44:47
Locuteur

bleibe

1:44:48
Invité

ruhig, einfach nichts sagen.

1:44:51
Locuteur

Ich

1:44:51
Invité

habe instinktiv oder intuitiv, habe ich in der Situation das Richtige gemacht, sondern einfach

1:44:57
Locuteur

ruhig

1:44:58
Invité

geblieben, still geblieben. Aber

1:45:02
Locuteur

auch

1:45:03
Invité

da bin ich nicht darauf vorbereitet.

1:45:05
Locuteur

Wird man auf sowas nicht

1:45:06
Présentateur

geschult

1:45:08
Locuteur

oder

1:45:09
Présentateur

eingeführt zumindest,

1:45:11
Locuteur

dass es

1:45:11
Présentateur

zu solchen Situationen

1:45:12
Locuteur

kommen

1:45:13
Présentateur

kann und wie man reagieren soll?

1:45:14
Invité

Es gibt Fortbildungen, klar.

1:45:17
Locuteur

Und

1:45:17
Invité

es gibt Schulungen, sicher.

1:45:19
Locuteur

Ich

1:45:20
Invité

bin in beiden Fällen,

1:45:22
Locuteur

in

1:45:23
Invité

beide Jugendeinrichtungen, Wohngruppen bin ich gekommen, ohne eine richtige Einarbeitung. Wegen Personalmangel. Und mir ist so nebenbei das Nötigste gezeigt worden. Ich wusste auch nicht, wie man das mit diesen Abrechnungen teilweise macht und so weiter. Das ist mir alles so.

1:45:40
Locuteur

Aber

1:45:40
Invité

eine wirkliche Einarbeitungszeit hatte ich nicht. Und

1:45:43
Locuteur

das

1:45:45
Invité

war auch hinterher in der Teamsitzung, als wir darüber gesprochen hatten, in der Supervision.

1:45:50
Locuteur

Ich

1:45:50
Invité

habe gesagt, ich habe zwar anscheinend das Richtige gemacht,

1:45:53
Locuteur

aber

1:45:54
Invité

es war

1:45:55
Locuteur

nicht

1:45:56
Invité

fundiert sozusagen auf...

1:46:00
Locuteur

Ja,

1:46:00
Présentateur

es war ein bisschen ein Glücksfall.

1:46:01
Locuteur

Es war

1:46:01
Invité

Glück.

1:46:02
Locuteur

Und

1:46:02
Invité

das hatte mich wirklich...

1:46:04
Locuteur

Also

1:46:04
Invité

auf dem Heimweg hatte ich damals geweint.

1:46:07
Locuteur

Und ich dachte,

1:46:07
Invité

das hätte

1:46:08
Locuteur

so... Also

1:46:10
Invité

nicht unbedingt, dass sie mir... Ich hatte jetzt nicht wirklich Angst, dass sie mir was tut, aber als sie dann das Messer gegen sich richtete und sagte, ich

1:46:16
Locuteur

bringe

1:46:18
Invité

mich jetzt um und du bist schuld, das war

1:46:19
Locuteur

schon...

1:46:22
Présentateur

Möchtest du auch nicht. Das möchte man auch nicht.

1:46:25
Locuteur

Also

1:46:25
Présentateur

was ich jetzt raushöre aus dem, ist ein bisschen, ich rekapituliere ein wenig. Ich meine, da gibt es sehr viele Quellen von Ursachen, Problemen, die auf euch Erzieher einprasseln.

1:46:39
Locuteur

Also

1:46:40
Présentateur

das eine ist die Kinder selber, die schwierigen Kinder, die sich nicht helfen lassen. Da kann ich mir vorstellen, dass man da Gewissensbisse bekommt, wie du vorbeschrieben hast. Dann gibt es diese bürokratische Hürden,

1:46:55
Locuteur

wo

1:46:55
Présentateur

du sagst, ich weiss nicht, ob das

1:46:57
Locuteur

auch

1:46:57
Présentateur

mit politischen Entscheidungen zusammenhängt, weil man vielleicht dokumentieren, protokollieren muss, um nachher sich abzusichern, dass man das und das gemacht hat und

1:47:08
Locuteur

damit

1:47:09
Présentateur

das quasi auch als Beweis dann dienen kann im Falle der Fälle.

1:47:15
Locuteur

Dann

1:47:16
Présentateur

sehe ich auch organisatorische, also einfach von internen organisatorischen Problemen, wie eben zum Beispiel, dass man zu wenig Ressourcen da einsetzen kann, im Sinne von auch eben die Schichten, die du sagst. Ich meine, das kann ich mir absolut vorstellen, dass so eine 24-Stunden-Schicht,

1:47:39
Locuteur

je

1:47:39
Présentateur

nachdem, wenn da viel läuft, dann bist du ziemlich auf Trab. Vor allen Dingen, wenn du alleine bist.

1:47:44
Locuteur

Das ist gerade

1:47:45
Présentateur

diese Situation

1:47:46
Invité

eben, da war ich froh, dass noch eine Kollegin da war.

1:47:49
Locuteur

Die hätte eigentlich,

1:47:50
Invité

wie gesagt, die hätte 20 Minuten später kommen sollen eigentlich, aber die war früher da.

1:47:54
Locuteur

Zum

1:47:54
Invité

Glück.

1:47:56
Locuteur

Und

1:47:56
Invité

es ist einfach manchmal gut zu wissen, da ist noch jemand. Die Wochenenddienste sind eigentlich immer allein. Unterhalb der Woche ist es so, du hast einen Dienst, der ist 24 Stunden und dann hast du meistens noch einen Spätdienst, der eben von 13 bis 21 Uhr da ist.

1:48:11
Locuteur

Das

1:48:11
Invité

hast du meistens von Montag bis Donnerstag. Da ist man also zu zweit im Dienst. Dann kann einer einkaufen gehen. Es müssen ja auch

1:48:17
Locuteur

jede

1:48:17
Invité

Menge Lebensmittel eingekauft werden für zehn Jugendliche, wenn die da essen.

1:48:21
Présentateur

Oder auch Haushaltsgeschichten. Also da muss... Also in einem Jugendheim sind circa zehn Jugendliche?

1:48:28
Locuteur

Oder

1:48:28
Présentateur

in dem

1:48:28
Locuteur

du jetzt warst? In dem ich

1:48:29
Présentateur

war.

1:48:30
Invité

Also in dem einen waren es... Verselbstständigungsgruppe waren vier und ich glaube zehn Jugendliche, wenn alle Plätze bereit sind. Also 14.

1:48:39
Locuteur

Und

1:48:39
Invité

in dem anderen

1:48:40
Locuteur

waren

1:48:40
Présentateur

zehn.

1:48:42
Locuteur

Und

1:48:42
Présentateur

diese Jugendlichen sind ja genau eigentlich in diesem Alter, wo auch ein bisschen so...

1:48:47
Locuteur

Ja,

1:48:47
Présentateur

wo man rebellisch auch wird, je nachdem. Und

1:48:50
Locuteur

wenn

1:48:52
Présentateur

da natürlich noch so Gewalttätigkeit, je nachdem, dann auch mal noch durchsickert. Also

1:48:58
Locuteur

ich

1:48:59
Présentateur

kann mir vorstellen, da hast du einen ziemlich großen Haufen

1:49:02
Locuteur

an

1:49:03
Présentateur

Sachen, die da rein

1:49:04
Locuteur

einschlagen,

1:49:06
Présentateur

oder?

1:49:07
Locuteur

Also

1:49:08
Invité

ich muss sagen, ich hatte in beiden Einrichtungen, glaube ich, vergleichsweise Glück.

1:49:11
Locuteur

Ich

1:49:11
Invité

glaube, da gibt es andere Einrichtungen, die weitaus

1:49:16
Locuteur

heftigere Probanden

1:49:20
Invité

haben.

1:49:21
Locuteur

Also

1:49:22
Invité

ich habe Glück gehabt, in beiden Einrichtungen zum Beispiel waren Drogen

1:49:24
Locuteur

fast

1:49:26
Invité

kein Thema. Also es kann natürlich auch sein, dass du

1:49:30
Locuteur

in

1:49:31
Invité

einer Jugendeinrichtung landest, wo

1:49:32
Locuteur

teilweise

1:49:35
Invité

sogar vielleicht sogar noch gedealt wird, oder wo irgendwelche Drogen versteckt werden, oder

1:49:39
Locuteur

wo

1:49:40
Invité

ständig irgendwas mit Alkohol...

1:49:42
Locuteur

Also

1:49:43
Invité

ich hatte, klar, habe ich auch mal Alkohol in einem Kleiderschrank gefunden, da hat jemand irgendwie eine Whiskyflasche versteckt oder was.

1:49:51
Locuteur

Das

1:49:51
Invité

sind Teenager, ja, das kommt vor. Und ja, die rauchen auch, okay. Aber ich sage wirklich, diese Drogensuchtproblematik hatte ich zum Beispiel nicht. Und auch mit der Gewalt hat sich das,

1:50:05
Locuteur

Entschuldigung,

1:50:07
Invité

in Grenzen gehalten.

1:50:08
Locuteur

Okay.

1:50:09
Invité

Das war im Vergleich, ich denke, da gab es, gibt es andere Jugendeinrichtungen, wo

1:50:13
Locuteur

es

1:50:14
Invité

härter zugeht.

1:50:15
Locuteur

Vielleicht

1:50:16
Invité

hatte ich auch einfach nur Glück in dem Zeitraum. Vielleicht, also ich habe schon gehört, dass Kollegen sagt, also da ist einer ausgezogen vor kurzem. Da hatten wir durchaus Probleme mit dem Kiffen

1:50:27
Locuteur

oder... Also was

1:50:31
Invité

ich wirklich mal, weil es wieder in die Ressourcen ging,

1:50:35
Locuteur

in

1:50:36
Invité

der ersten Wohngruppe, da hatten wir...

1:50:38
Locuteur

Da

1:50:39
Invité

war Urlaubszeit, eine Kollegin war krank und eine Kollegin war suspendiert worden, weil es da eine Grenzüberschreitung gab.

1:50:45
Locuteur

Die

1:50:45
Invité

hatte einer Jugendlichen ihre privaten Nummer gegeben, die haben sich privat getroffen, auch bei ihr zu Hause und so weiter. Das darf nicht sein.

1:50:52
Locuteur

So,

1:50:53
Invité

und dann blieben nur noch ein Kollege und ich übrig.

1:50:56
Locuteur

Und

1:50:56
Invité

dann hatten wir einen Monat lang

1:50:57
Locuteur

24

1:50:59
Invité

-Stunden-Dienst im Wechsel. Also

1:51:00
Locuteur

der

1:51:01
Invité

hat mich abgelöst, 24 Stunden später habe ich ihn abgelöst, dann wieder er mich, dann wieder ich ihn.

1:51:06
Locuteur

Und

1:51:07
Invité

das ging so einen Monat lang

1:51:08
Locuteur

und

1:51:09
Invité

ich

1:51:09
Locuteur

habe

1:51:10
Invité

nicht mitgezählt, aber ich meine,

1:51:11
Locuteur

ich

1:51:11
Invité

bin da mit über 200 Überstunden raus von dem Träger. Und wir haben immer wieder so wirklich Notfall, haben gesagt, also wir müssen entweder die jungen Menschen, die hatten ja alle Familie, haben gesagt, wir müssen die nach Hause schicken zu den Familien und das erst mal dicht machen, weil wir einfach,

1:51:30
Locuteur

wir

1:51:31
Invité

haben kein Personal.

1:51:32
Locuteur

Und

1:51:33
Invité

der Träger hat gesagt, ja, wir suchen, wir suchen

1:51:35
Locuteur

und

1:51:36
Invité

es passierte nichts. Das ist ja klar, du kannst ja auch keine Erzieher backen. Wenn keiner sich bewirbt, was sollen sie machen? Und wenn sie aus dem Urlaub wieder da ist, dann seid ihr ja schon wieder zu dritt. Ja, aber wir sind durch. Wir sind jetzt einen Monat lang oder ich weiß gar nicht, waren fast

1:51:51
Présentateur

vier Wochen. Ja, aber dann hast du ja auch noch Überstunden.

1:51:54
Locuteur

Wie

1:51:54
Présentateur

kompensiert die das

1:51:55
Locuteur

dann? In Ferien

1:51:56
Présentateur

oder in

1:51:56
Locuteur

Auszahlung? Das wird

1:51:57
Présentateur

ausbezahlt,

1:51:58
Locuteur

weil das

1:51:59
Invité

kannst du nicht, das kannst du nicht mehr abbauen. Wenn du 200, 300 Überstunden hast,

1:52:05
Présentateur

das wird

1:52:06
Locuteur

eine

1:52:06
Invité

Spirale. Während du abbaust, bauen die Kollegen auf, dann bauen die ab, dann

1:52:12
Locuteur

baust du wieder auf. Das ist ein Problem, bleibt dann ja auch. Das bleibt.

1:52:14
Invité

Das heißt, es wird ausbezahlt und dann ist eben das Problem,

1:52:19
Locuteur

und

1:52:19
Invité

das nehme ich der Buchhaltung heute noch übel,

1:52:21
Locuteur

die

1:52:21
Invité

hätten mir sagen sollen, du solltest dir nicht alle Überstunden auf einmal auszahlen lassen, weil dann kommst du in die nächste, rutschst du in die nächste

1:52:28
Locuteur

Steuerklasse. Ah ja,

1:52:29
Présentateur

Steuerprogression. Ja,

1:52:31
Locuteur

ja, und dann

1:52:31
Invité

habe

1:52:32
Locuteur

ich

1:52:32
Invité

gedacht, shit, dann habe ich mir das auszahlen lassen und dann habe ich hinterher ausgerechnet und dachte, scheiße, dann hast du jetzt für einen Stundenlohn von sechs Euro gearbeitet.

1:52:42
Locuteur

Und

1:52:43
Invité

da waren ja auch Wochenenden und Feiertage mit dabei.

1:52:47
Locuteur

Naja,

1:52:47
Présentateur

da wäre ja die Politik jetzt gefragt, um vielleicht eine Steuererleichterung zu machen für genau solche Überstunden, die getätigt werden. Ah, baff.

1:52:58
Locuteur

Also

1:52:58
Invité

mit der deutschen Steuer. Ich weiß gerade nicht,

1:53:04
Locuteur

es

1:53:07
Invité

brennt in Deutschland gerade an so vielen Stellen, dass ich tatsächlich nicht wüsste, wo man anfangen sollte.

1:53:14
Locuteur

Warum

1:53:15
Présentateur

hast du eigentlich Deutschland verlassen, wenn wir schon jetzt dabei sind? Hat das etwas mit dem auch zu tun, dass es so viele Brandhärte gibt?

1:53:22
Invité

Ach, alles. Nein, das ist

1:53:25
Locuteur

tatsächlich

1:53:26
Invité

eine sehr persönliche

1:53:28
Locuteur

Entscheidung

1:53:30
Invité

unterm Strich.

1:53:31
Locuteur

Weil

1:53:32
Invité

ich von klein auf

1:53:34
Locuteur

irgendwie

1:53:36
Invité

mit meinem Deutschsein

1:53:38
Locuteur

gehadert

1:53:41
Invité

habe. klingt so komisch, aber ich fühlte mich nicht richtig zugehörig. Warum?

1:53:46
Locuteur

Ich

1:53:46
Invité

habe nicht richtig reingepasst. Das hat sicherlich auch mit meinem Elternhaus zu tun, mit meiner Mutter. Da können wir mal einen eigenen Podcast übermachen. Also es ist ein,

1:53:57
Locuteur

dann

1:53:57
Invité

hat es mich immer irgendwie nach Frankreich gezogen.

1:54:00
Locuteur

Gar

1:54:01
Invité

nicht unbedingt sprachlich, aber kulturell, da war irgendetwas. Das war wie so eine

1:54:08
Locuteur

innere

1:54:09
Présentateur

Stimme. Okay,

1:54:11
Locuteur

das

1:54:11
Présentateur

ist eigentlich, dann war es ja nicht jetzt etwas Negatives in

1:54:14
Locuteur

Deutschland, was dich

1:54:15
Présentateur

gezögert hat, sondern einfach,

1:54:17
Locuteur

weil du... Nein, es war eine

1:54:17
Invité

Entscheidung, auch früher. Ich war früher, ich habe viele Jahre in England verbracht. Ich war viel in Spanien.

1:54:24
Locuteur

Es

1:54:25
Invité

war immer eher eine Entscheidung für die Welt und nicht gegen etwas, sondern es war wirklich positiv. Dass es dann

1:54:34
Locuteur

später teilweise

1:54:37
Invité

schwieriger wurde und dass ich mit vielem politischen auch nicht einverstanden war,

1:54:41
Locuteur

das

1:54:41
Invité

hat es dann einfach nochmal bestärkt. Und so mein letzter Punkt war tatsächlich,

1:54:45
Locuteur

du

1:54:46
Invité

hattest Benni Durer und seinen Mann hier. Und alles, was sie erzählt haben über Berlin, kann ich eins zu eins bestätigen. Und es war einfach nicht mehr lebenswert.

1:54:57
Locuteur

Es

1:54:58
Invité

war die letzten, ich war über 20 Jahre in Berlin

1:55:00
Locuteur

und

1:55:01
Invité

die letzten zehn Jahre waren wirklich nicht mehr schön. Also

1:55:04
Locuteur

die

1:55:07
Invité

Ausbildung war schön. Ich habe mich sehr wohl gefühlt in der Kita. Aber als es dann hinterher darum ging, ich hatte dann ja einen unbefristeten Arbeitsvertrag und habe

1:55:16
Locuteur

für

1:55:17
Invité

Berliner Verhältnisse dann auch okay verdient.

1:55:20
Locuteur

Sodass

1:55:20
Invité

ich dachte, ich kann jetzt aus einer Zweizimmerwohnung, aus der Einzimmerwohnung in eine Zweizimmerwohnung ziehen. Ich

1:55:26
Locuteur

habe

1:55:26
Invité

keine Wohnung gefunden. 60 Kilometer entfernt außerhalb von Berlin hätte es dann vielleicht was gegeben. Und dann dachte ich so jeden Tag irgendwie eine Stunde mit dem Zug reinfahren

1:55:37
Locuteur

und

1:55:37
Invité

abends eine Stunde zurück.

1:55:38
Locuteur

Und

1:55:39
Invité

wenn ich mal den Zug verpasse, stehe ich eine Stunde am Bahnhof? Nein. Und also teilweise haben die mir dann auch gesagt, was machen Sie denn beruflich? Ich bin Erzieher. Ach, dann bleiben Sie doch da, wo Sie sind. Da brauchen Sie doch jetzt keine größere Wohnung.

1:55:55
Locuteur

Und

1:55:56
Invité

ich wohnte in einer

1:55:57
Locuteur

35

1:55:58
Invité

Quadratmeter Einzimmerwohnung mit einer zugegebenermaßen recht schönen großen Küche

1:56:03
Locuteur

und

1:56:04
Invité

hohen Wänden. Also die Wohnung wirkte größer, als sie war. Aber das war eben,

1:56:11
Locuteur

ich

1:56:12
Invité

hatte Wasserschäden überall und eine Hausverwaltung, die sich nicht gekümmert hat. Also

1:56:16
Locuteur

das

1:56:16
Invité

war marode ohne Ende.

1:56:18
Locuteur

Und

1:56:19
Invité

ich habe da sieben Jahre gewohnt und ich habe mich nicht getraut, Leute einzuladen, weil einfach die Wohnung

1:56:23
Locuteur

durch

1:56:24
Invité

diese Wasserschäden, durch die schimmelnden Wände teilweise eben auch so muffelig gestunken hat.

1:56:31
Locuteur

Ja,

1:56:32
Invité

und ich hatte eine Hausverwaltung, die

1:56:34
Locuteur

taub

1:56:35
Invité

war.

1:56:36
Locuteur

Kurz

1:56:36
Invité

bevor ich ausgezogen bin, kam endlich der Vermieter aus Israel und hat sich alle, weil wir gesammelt hatten, alle Mietparteien im Haus haben die Schäden aufgelistet. Und dann kam der irgendwann und hat sich das ganze Haus angeschaut.

1:56:51
Locuteur

Und

1:56:51
Invité

dann haben sie auch gesagt, ach, mit ihrem Badezimmer, da machen wir was.

1:56:53
Locuteur

Ich

1:56:53
Invité

so, sehr gut.

1:56:54
Locuteur

Ich

1:56:54
Invité

habe meine Kündigung jetzt aber geschrieben, ich ziehe in drei Monaten nach Frankreich.

1:57:00
Locuteur

Aber

1:57:01
Invité

sieben Jahre hat es gedauert. Und

1:57:03
Locuteur

wenn

1:57:05
Invité

du 50, 60 Prozent deines Gehaltes nur fürs Wohnen ausgibst, ich zahle gern fürs Wohnen, aber dann soll die Wohnung auch

1:57:13
Locuteur

in

1:57:15
Invité

Ordnung sein, bewohnbar sein.

1:57:19
Locuteur

Und du

1:57:20
Invité

kannst nicht mehr am kulturellen Leben der Stadt wirklich teilnehmen. Also Berlin bietet nach wie vor unheimlich viel kulturell.

1:57:27
Locuteur

Aber

1:57:29
Invité

wenn ich

1:57:30
Locuteur

in

1:57:31
Invité

Vollzeit 2.000 Euro netto verdiene,

1:57:34
Locuteur

1

1:57:36
Invité

.200 Euro geht für die Wohnung drauf, dann zahlst du ja noch für deine Versicherung etc.

1:57:40
Locuteur

Und

1:57:40
Invité

so weiter,

1:57:40
Locuteur

dann

1:57:40
Invité

hast du 500 Euro zum Leben.

1:57:44
Locuteur

Geht

1:57:44
Invité

als Single irgendwie noch.

1:57:47
Locuteur

Ja, aber

1:57:48
Invité

da bleibt nichts übrig.

1:57:51
Locuteur

Und

1:57:51
Invité

mein Hund lebt ja nicht mehr, aber da hatte ich zum Ende ja auch noch so Tierarztrechnungen und so einen Spaß. Das sind alles so Sachen, wenn eine Tierarztrechnung für dich dann quasi schon Luxus wird.

1:58:01
Locuteur

Nö. Und

1:58:03
Invité

jetzt lebe ich in Frankreich in einer Stadt, wo ich doch wirklich einen schönen Lebensstandard habe.

1:58:10
Locuteur

Das

1:58:10
Présentateur

hat sich verbessert.

1:58:12
Locuteur

Ja, also...

1:58:13
Présentateur

Obwohl ja in Frankreich könnte man denken, dass das nicht unbedingt... Frankreich hat auch seine Probleme. Genau.

1:58:19
Locuteur

Und so weiter. Also ich weiß nicht,

1:58:20
Présentateur

ich denke mal, ich war noch nie in Berlin, aber ich könnte mir vorstellen, Paris hat wahrscheinlich auch ähnliche Probleme wie Berlin auch. Ja, aber Berlin ist ja nicht Deutschland

1:58:29
Invité

und Paris ist nicht Frankreich. Also

1:58:32
Locuteur

es

1:58:33
Invité

gibt ja noch ein riesiges Land drumherum und

1:58:35
Locuteur

kleinere

1:58:37
Invité

Städte und

1:58:38
Locuteur

es

1:58:40
Invité

läuft schon einiges besser, finde ich, als es wäre vielleicht in einer kleineren Stadt in Deutschland auch nochmal anders, wäre vielleicht auch nochmal besser als in Berlin. Denn

1:58:48
Locuteur

Berlin

1:58:49
Invité

hat halt mit der Gentrifizierung so zu kämpfen gehabt und

1:58:52
Locuteur

ja,

1:58:56
Invité

die Islamisierung will ich jetzt gar nicht so aufmachen, die Püchse der Pandora. Aber Berlin hat schon echt viel zu verkraften gehabt die letzten, sag ich jetzt mal, 15 Jahre.

1:59:09
Locuteur

Und

1:59:09
Invité

viele von meinen Berliner Freunden sind in kleinere Städte gezogen und meinen, dort hat es sich für sie auch verbessert. Nur für mich... Wie

1:59:17
Locuteur

viele,

1:59:17
Présentateur

die raus sind?

1:59:18
Invité

Ja, von meinen früheren Berliner Freunden, die ich so in meiner Anfangszeit in den ersten 5, 6 Jahren dort kennengelernt habe, da sind viele

1:59:25
Locuteur

in

1:59:26
Invité

kleinere Städte gegangen

1:59:27
Locuteur

wieder.

1:59:29
Invité

Also das waren ja damals auch noch so Schauspielerkollegen von mir, die sagten, also

1:59:33
Locuteur

ich

1:59:34
Invité

bin jetzt seit so und so vielen Jahren arbeitsloser Schauspieler in Berlin. Ich gehe jetzt, ein

1:59:38
Locuteur

Freund

1:59:39
Invité

von mir, der ist dann zurück nach Wien gegangen, der war seitdem nie wieder unter Engagement.

1:59:42
Locuteur

Ein

1:59:43
Invité

anderer Kollege, der ist nach Warburg, so in der Nähe von Kassel,

1:59:47
Locuteur

ist

1:59:47
Invité

der gegangen. Auch da

1:59:48
Locuteur

hat

1:59:49
Invité

er besser Arbeit gekriegt im Umfeld als in Berlin.

1:59:53
Locuteur

Also das

1:59:55
Invité

ist schon...

1:59:57
Locuteur

Berlin

1:59:58
Invité

hat natürlich einen gewissen Groove und hat auch seine Geschichte und es ist eine faszinierende Stadt, auch heute noch.

2:00:08
Locuteur

Aber

2:00:08
Invité

ich möchte dort auch nicht mehr leben.

2:00:10
Locuteur

Ich

2:00:10
Invité

möchte auch in Paris nicht leben. Also Paris ist wie ein Ameisenhaufen.

2:00:14
Locuteur

Da

2:00:14
Invité

bist du am Ende des Tages einfach so erschöpft von diesen ganzen vielen Menschenenergien, die dir entgegenkommen überall. Nein, also ich lebe jetzt im Elsass, in Straßburg. Es ist eine Stadt mit

2:00:29
Locuteur

ungefähr

2:00:29
Invité

300.000 Einwohnern.

2:00:31
Locuteur

Ist

2:00:31
Invité

nicht ganz klein, aber es ist doch beschaulich. Überblickbar. Ist überblickbar. Man ist überall mit dem Fahrrad schnell. Und die Franzosen haben etwas, was die Deutschen nicht haben. Das ist nämlich die Liebe zur Schönheit, die Liebe zur Ästhetik. Du hast die Alltagsästhetik, du hast dieses goldene Licht von den Laternen, du hast die Straßenschilder, sehen einfach

2:00:53
Locuteur

die

2:00:54
Invité

Hauseingänge, die Türknäufe. Also diese Alltagsästhetik ist einfach wahnsinnig schön

2:00:58
Locuteur

und

2:00:59
Invité

wird sehr gepflegt. Die Franzosen sind ja nicht ohne Grund sehr stolz auf ihre Kunst und Ästhetik.

2:01:06
Locuteur

Das

2:01:07
Invité

ist etwas,

2:01:08
Locuteur

das

2:01:09
Invité

wird in Deutschland eher, mal überspitzt gesagt, verachtet.

2:01:15
Locuteur

Das ist sehr

2:01:16
Présentateur

schön, was du sagst, dieses goldene Licht der Laternen, sagst du.

2:01:20
Invité

Ja.

2:01:21
Présentateur

Da kommen wir was ins hin. Nämlich, mir ist auch aufgefallen in den letzten Jahren, dass viele Straßenbelichtung

2:01:27
Locuteur

wurde

2:01:28
Présentateur

durch LEDs ersetzt. Und das Licht wurde, das warme Licht dieser Laternen, wo du sagst, ist goldene Licht, das dann nach warmem Licht, dieses gelbe Licht. Und es wurde jetzt sehr vieles ersetzt. Früher hatten wir auch dieses gelbe, warme Licht auf den Straßen. Und wenn du jetzt in der Nacht durch die Straßen gehst mit diesen neuen LEDs, das ist Kaltlicht, also im Blau-Segment.

2:01:52
Locuteur

Das

2:01:52
Présentateur

heißt,

2:01:53
Locuteur

das

2:01:53
Présentateur

ist eigentlich, Licht wird ja in Kelvin gemessen, warm und kalt. Und kalt ist eigentlich eher so,

2:02:00
Locuteur

also

2:02:00
Présentateur

das warme Licht ist eher so dieses Kerzenlicht halt, das warme, das... Das, was du in Paris hast. ...mutige, ja. Und dann kommt das Kaltlicht, was eher Richtung Tageslicht eigentlich geht, also so wie Richtung 5000 und drüber. Kelvin ist dann Tageslicht, oder? Und

2:02:15
Locuteur

die

2:02:15
Présentateur

Sache ist,

2:02:17
Locuteur

eigentlich

2:02:17
Présentateur

widerspricht es ja unserer Natur, dass wir in der Nacht mit Kaltlicht, also mit Tageslicht quasi beschossen werden. Das ist auch frauenfeindliches Licht, also das siehst du

2:02:26
Locuteur

ja... Okay, soweit, wo habe ich das Licht?

2:02:28
Invité

Nee, das siehst du ja furchtbar aus,

2:02:30
Locuteur

das

2:02:30
Invité

sieht man ja aus wie eine Wasserleiche.

2:02:33
Présentateur

Ja, genau, das ist so. Wenn du kaltes Licht auf ein Gesicht schießt, dann kommt das so über, wie wenn man in der Schweiz sagt, dann kränkelst du, also du siehst krank aus, weil viel Blaulicht im Gesicht.

2:02:47
Invité

Naja, nee, und Frankreich war halt immer sehr freundlich zu mir, muss ich auch sagen. Also,

2:02:52
Présentateur

ich

2:02:52
Invité

hatte damals in Berlin als junger Mensch, war ich zum Vorsprechen an der Schauspielschule

2:02:58
Locuteur

und

2:03:00
Invité

bekam damals noch, ich glaube, das machen sie heute nicht mehr, aber damals bekam ich dann noch so mit Stempel und Unterschrift

2:03:05
Locuteur

so

2:03:07
Invité

einen Vordruck, wo dann stand, wir konnten bei Ihnen keine künstlerische Befähigung feststellen.

2:03:12
Locuteur

Das

2:03:13
Invité

macht was mit einem.

2:03:15
Présentateur

Wir konnten bei Ihnen keine künstlerische Befähigung feststellen. Genau. Wie stellt man das fest? Im Vorsprechen.

2:03:24
Invité

Das war ja damals an den staatlichen Schauspielschulen, ist ja heute noch so, da hast du für

2:03:29
Locuteur

20

2:03:31
Invité

Studienplätze vielleicht 1000 Bewerber und dann wird eben beim Vorspielen, Vorsprechen ausgesiebt.

2:03:38
Locuteur

Das

2:03:38
Invité

ist eine ganz natürliche Auslese und so,

2:03:40
Locuteur

das ist

2:03:40
Invité

völlig in Ordnung. Aber was mich damals so mit,

2:03:43
Locuteur

ich

2:03:43
Invité

glaube,

2:03:44
Locuteur

war

2:03:45
Invité

ich noch 18 oder schon 19, also ich war

2:03:47
Locuteur

noch

2:03:48
Invité

auf der Schule, war noch nicht durchs Abi.

2:03:51
Locuteur

Und

2:03:51
Invité

da war ich dann da hingefahren zum Vorsprechen und ich bin rausgeflogen und bekam dann eben so mit dem Stempel und Unterschrift dieses Schreiben.

2:03:59
Locuteur

Und

2:03:59
Invité

das hat mich,

2:04:00
Locuteur

also

2:04:00
Invité

ich meine, ich bin jetzt 48, das beschäftigt mich anscheinend bis heute. Nein, aber ich wollte sagen, in Frankreich hatten wir mal Filmförderung für ein Filmprojekt beantragt

2:04:09
Locuteur

und

2:04:11
Invité

bekam einen Brief zurück, wo sie uns absagten. Wir haben pro Trimester so und so viel Geld zur Verfügung, können also nur so und so viele Projekte fördern. Und jetzt, wo das gesagt ist, möchten wir Ihnen mitteilen, dass wir Ihr Projekt wirklich interessant finden, dass es keine Aussage trifft über Ihre Fähigkeiten

2:04:32
Locuteur

und

2:04:33
Invité

dass wir uns freuen, wenn wir wieder von Ihnen hören.

2:04:36
Locuteur

Und

2:04:36
Invité

das war auch ein Standard schreiben, wie das andere auch, aber es war eben

2:04:39
Locuteur

der

2:04:40
Invité

Ton.

2:04:43
Locuteur

Und ja,

2:04:45
Invité

ich musste mich in Frankreich auch nie

2:04:47
Locuteur

für

2:04:48
Invité

den Beruf des Schauspielers rechtfertigen, wie ich das in Deutschland bis heute eigentlich immer muss. Warum? Musst du dich rechtfertigen?

2:04:57
Locuteur

Oder

2:04:57
Invité

ich bekomme das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Es ist dieses, es ist ja brotlose Kunst.

2:05:04
Locuteur

Es

2:05:05
Présentateur

wird nicht als Beruf anerkannt.

2:05:07
Locuteur

Es

2:05:07
Invité

wird nicht als Beruf gesehen.

2:05:09
Locuteur

Also

2:05:10
Présentateur

anerkannt schon, weil man

2:05:11
Locuteur

ja auch

2:05:11
Présentateur

eine Ausbildung

2:05:12
Locuteur

hat, aber es wird

2:05:13
Présentateur

trotzdem nicht gewertet.

2:05:14
Locuteur

Wenn man die

2:05:14
Invité

Leute fragt, aber das geht, ich glaube, es ist fast in allen künstlerischen Berufen in Deutschland so. Außer

2:05:20
Présentateur

man wird Hollywood-Schauspieler, dann ist man der

2:05:23
Locuteur

Pop. Ja, also in Deutschland

2:05:24
Invité

wird Kompetenz und Wertschätzung viel mehr über das Finanzielle definiert. Also Wertschätzung wird über Bezahlung ausgedrückt und nicht über Haltung. Ich denke, da geht es vielleicht

2:05:37
Présentateur

Musikern ähnlich.

2:05:38
Invité

Ja, alles

2:05:39
Locuteur

was...

2:05:39
Présentateur

Musik wird ja nicht mehr so gewertschätzt, jetzt mit Kia sowieso. Oh, das ist

2:05:44
Invité

gruselig, ja.

2:05:45
Présentateur

Man

2:05:46
Invité

kann es nicht mehr unterscheiden, das ist das Gruselige. Wir verlieren... Bei der Musik, ja. Wir verlieren so die... wie soll ich sagen...

2:05:53
Locuteur

Wir

2:05:53
Invité

können irgendwann unseren Sinn nicht mehr trauen.

2:05:56
Locuteur

Also ich habe

2:05:56
Invité

irgendwann mal gedacht, oh, das ist aber schön. Ich habe dann

2:05:59
Locuteur

den

2:06:00
Invité

Content-Creator, der das auf YouTube reingestellt hat, gedacht, wer ist denn diese Stimme? Die singt ja wunderschön. Und da hat er gesagt, ich erstelle alles über KI.

2:06:06
Locuteur

Ja, es

2:06:07
Présentateur

ist noch viel extremer, oder? Es ist nicht nur so, dass du es nicht mehr unterscheiden kannst. Es ist sogar so, auch wenn du es dann unterscheiden kannst, gefällt dir aber das von der KI besser, weil

2:06:15
Locuteur

es...

2:06:16
Présentateur

Sauberer ist? Es ist halt perfekt. Es ist so perfekt gemacht. Oder diese neue KI-Musik, die von allen Zeiten reinkommt. Und ich muss da sogar zugestehen, ich höre manchmal, wenn ich arbeite im Studio, so dann habe ich so YouTube-Playlists.

2:06:33
Locuteur

Und

2:06:33
Présentateur

ich habe das mal angefangen, einfach eine Playlist zu hören. Und das hat mir so gut gefallen. Und die Musik war einfach wirklich sehr ansprechend für mich. Und irgendwann habe ich dann herausgefunden, weil ich bin dann mal auf diesem Kanal schauen gegangen, was die Beschriftung ist, die Beschreibung ist. Und da, irgendwann habe ich es dann rausgelesen, lange nicht, aber wenn du dann bis zum Ende liest, dann kommt dann, ja, wurde liebevoll

2:06:57
Locuteur

von

2:06:58
Présentateur

Hand mit KI gemacht. Oder irgendwie so war die Beschreibung.

2:07:02
Locuteur

Und

2:07:02
Présentateur

dann habe ich gedacht, oh, wow, jetzt habe ich da drei Stunden Playlist gehört und das war komplett alles KI.

2:07:09
Locuteur

Und ich

2:07:10
Présentateur

muss aber zugestehen, und ich meine, ich möchte es nicht zugestehen, aber ich muss es, es waren Sachen, die mir gefallen haben. Also ich habe es wirklich gerne gehört,

2:07:18
Locuteur

oder?

2:07:18
Présentateur

Weil es auch,

2:07:19
Locuteur

die

2:07:20
Présentateur

KI generiert alles in einer Perfektion. Es ist so lupenrein, alles, oder?

2:07:25
Locuteur

Ja,

2:07:26
Présentateur

kann jetzt einem gefallen oder nicht. Ich stehe natürlich auch auf alte Sachen wie Jimi Hendrix und so. Die Sachen, die aber nicht so lupenrein sind und total kratzen und, aber ja.

2:07:35
Locuteur

Ja,

2:07:36
Invité

ich meine, gut, es ist ja wie mit vielen Dingen,

2:07:39
Locuteur

die

2:07:39
Invité

sind halt da.

2:07:42
Locuteur

Also

2:07:42
Invité

man kann ja auch viel,

2:07:43
Locuteur

ich

2:07:43
Invité

habe, wer war denn das?

2:07:45
Locuteur

Ich

2:07:45
Invité

weiß nicht mehr, wer es war, aber

2:07:46
Locuteur

da

2:07:47
Invité

ging es so um das politische Personal, was wir haben. Man kann sich jetzt natürlich immer wieder über Herrn Trump aufregen. Ja, der ist furchtbar,

2:07:54
Locuteur

aber

2:07:55
Invité

er ist halt trotzdem da. Wir müssen mit dem leben, was da ist.

2:08:00
Locuteur

Und

2:08:00
Invité

schön ist es, und das ist vielleicht nochmal so ein kleiner Schlenker zum Erzieher, das ressourcenorientiert, also oder lösungsorientiertes Denken. Guck mal, machen wir das Beste draus.

2:08:14
Locuteur

Das

2:08:15
Invité

ist ja was ganz Schönes. Aber wo du das mit dem Musiker noch erzählt hast, ich wohnte in einer WG mit einem sehr guten Musiker. Und das ist jetzt schon über zehn Jahre her.

2:08:26
Locuteur

Oh Gott,

2:08:27
Invité

zwölf Jahre schon her. Aber gut.

2:08:29
Locuteur

Und

2:08:30
Invité

der bekam einmal die Anfrage, ob er nicht einen Jingle

2:08:33
Locuteur

machen

2:08:34
Invité

könnte für eine Werbefirma, fürs Radio oder was das war. Und er hätte 48 Stunden Zeit, es müsste so und so viele Sekunden gehen und am besten auch schon fertig abgemischt. Und er war dann

2:08:45
Locuteur

Tag

2:08:47
Invité

und Nacht buchstäblich an diesem Jingle dran. Und dann hat er denen das rübergeschickt und hat dann gefragt, wie sieht es mit der Vergütung aus? Und dann haben die gesagt, ja wieso?

2:08:58
Locuteur

Sie

2:08:59
Invité

können das ja als Referenz angeben. Gefällt uns übrigens sehr gut. Und also mit dem saß man dann auch oft in der Küche und hat überlegt. Weil als Schauspieler arbeitest du ja auch oft untertariflich,

2:09:12
Locuteur

wenn

2:09:12
Invité

du überhaupt bezahlt wirst. Weil wir wollen ja spielen, wir wollen ja machen.

2:09:15
Locuteur

Die

2:09:16
Invité

Musiker wollen ja auch. Wir wollen Musik machen, wir wollen was kreieren. Damit wird ja auch gespielt. Also damit rechnen ja auch die Auftraggeber.

2:09:25
Locuteur

Und

2:09:26
Invité

das ist genau wie in den sozialen Berufen. Die Arbeitgeber machen viel mit uns, auch mit den Pflegekräften, in der Altenpflege, in der Krankenpflege.

2:09:35
Locuteur

Weil

2:09:36
Invité

sie wissen, dass wir ein Verantwortungsgefühl haben.

2:09:39
Locuteur

Die

2:09:40
Invité

Bindungsarbeit mit Jugendlichen oder auch mit Kindern in der Kita, das ist nicht zu unterschätzen. Du baust eine Bindung auf.

2:09:47
Locuteur non identifié

Du

2:09:47
Invité

hast diese jungen Menschen gern.

2:09:50
Locuteur

Und

2:09:50
Invité

da hast du ein Verantwortungsgefühl. Und auch mit den Kollegen. Also

2:09:54
Locuteur

ich selber

2:09:59
Invité

bin so oft krank zur Arbeit gegangen,

2:10:02
Locuteur

weil

2:10:02
Invité

ich dachte, mein Gott, das ist ja nur eine kleine Erkältung.

2:10:04
Locuteur

Oder

2:10:05
Invité

das kriege ich schon hin, den halben Tag mit ohne Stimme.

2:10:10
Locuteur

Und

2:10:10
Invité

Kolleginnen auch. Ich hatte eine Kollegin,

2:10:13
Locuteur

die

2:10:14
Invité

konnte kaum laufen.

2:10:16
Locuteur

Ich

2:10:17
Invité

sagte, jetzt geh doch nach Hause. Ja, aber ich kann dich doch nicht alleine lassen.

2:10:21
Locuteur

Und

2:10:22
Invité

dann saß die dann da und dann war Weihnachtsferien, Kita geschlossen. Und sie hatte dann irgendwann eine richtige Lungenentzündung, weil dieses Verschleppte nicht richtig auskurierte.

2:10:31
Locuteur

Und

2:10:32
Invité

da rechnen, glaube ich, die Arbeitgeber mit.

2:10:34
Locuteur

Und

2:10:34
Invité

das

2:10:34
Locuteur

trifft

2:10:36
Invité

sowohl auf die künstlerisch-kreativen als auch auf die sozialen, pädagogischen Berufe zu.

2:10:43
Locuteur

Ja,

2:10:44
Présentateur

es

2:10:44
Locuteur

ist

2:10:44
Présentateur

eine große Loyalität da und dass die Leute, die das wissen, können das natürlich auch sich zunutze machen.

2:10:51
Locuteur

Ich

2:10:51
Invité

glaube, auch nicht mal mit böser Absicht, sondern einfach

2:10:54
Locuteur

opportunistisch. André, ich

2:11:01
Présentateur

möchte zum Ende kommen. Ja? Ich möchte mich,

2:11:05
Locuteur

nein,

2:11:06
Présentateur

ich bedanke mich noch nicht. Ich habe schon noch eine letzte Frage vielleicht.

2:11:11
Locuteur

Wenn

2:11:12
Présentateur

du Kinder hättest,

2:11:15
Locuteur

würdest

2:11:16
Présentateur

du sie in eine Kita schicken? Und auf was würdest du achten?

2:11:22
Locuteur

Ich

2:11:26
Présentateur

würde sie auf eine Kita schicken.

2:11:29
Locuteur

Und

2:11:29
Présentateur

was würdest du als Empfehlung geben, auf was man achten soll,

2:11:33
Locuteur

dass

2:11:34
Présentateur

sie auch in einer Kita landen, wo ihnen gerecht wird?

2:11:37
Locuteur

Also

2:11:38
Invité

erst einmal würde ich gerne, wenn es möglich ist, die Kita ein paar Male besuchen.

2:11:44
Locuteur

Einfach zu

2:11:45
Invité

gucken, dass man sich vielleicht dort,

2:11:46
Locuteur

wenn

2:11:46
Invité

die einen Garten haben,

2:11:48
Locuteur

dass

2:11:48
Invité

man sich da mal hinsetzen kann und schauen kann.

2:11:52
Locuteur

Dann

2:11:52
Invité

würde ich, glaube ich, Kununu befragen. Kununu ist so ein Portal und schauen, wie die Arbeitsbedingungen für die Erzieher sind,

2:11:59
Locuteur

ob

2:12:00
Invité

die Kita eine hohe Fluktuation hat. Das ist ja immer auch ein Qualitätsmerkmal, wenn

2:12:05
Locuteur

ein

2:12:06
Invité

Träger oder ein Haus über lange Zeit dasselbe Team hat. Das ist eigentlich ein gutes Zeichen.

2:12:14
Locuteur

Wenn viel

2:12:15
Invité

gewechselt wird, dann würde ich sagen, hat wahrscheinlich Gründe.

2:12:19
Locuteur

Und

2:12:20
Invité

das möchte ich nicht, dass sich das auf meine Kinder abfärbt.

2:12:23
Locuteur

Weil

2:12:24
Invité

das sind am Ende immer die Leidtragenden. Und Kinder haben einen,

2:12:27
Locuteur

ich

2:12:27
Invité

bin immer wieder beeindruckt,

2:12:29
Locuteur

was

2:12:29
Invité

Kinder für feine Antennen, für Stimmungen haben.

2:12:34
Locuteur

Also,

2:12:35
Invité

man sagt ja, gestresste Eltern haben gestresste Kinder. Selbst wenn die Eltern versuchen, den Stress so

2:12:41
Locuteur

sich

2:12:42
Invité

nicht ansehen zu lassen.

2:12:44
Locuteur

Oh,

2:12:44
Invité

die merken das so gut. Das ist

2:12:46
Locuteur

sehr

2:12:48
Invité

beeindruckend.

2:12:49
Locuteur

Und

2:12:49
Invité

deswegen, ich würde schon

2:12:51
Locuteur

auf

2:12:52
Invité

eine herzliche Atmosphäre achten.

2:12:55
Locuteur

Also

2:12:55
Invité

eine wohlwollend herzliche Atmosphäre.

2:12:57
Locuteur

Und

2:12:58
Invité

ich würde tatsächlich gucken, da ist das Internet ja wirklich ganz gut, dass man so gucken kann, zufriedene Eltern, Fragezeichen. Wie ist die Kita so bewertet? Und eben auch von den Mitarbeitern bei Kununu,

2:13:11
Locuteur

dass

2:13:11
Invité

man schaut, wie zufrieden sind die Mitarbeiter.

2:13:14
Locuteur

Also

2:13:14
Présentateur

du würdest dich auf Online-Portale vor allem verlassen. Und innerhalb der Kita, in den Strukturen, was würdest du da achten?

2:13:23
Locuteur

Ich

2:13:25
Invité

finde, altersgemischte Kitas gut.

2:13:29
Locuteur

Ich

2:13:29
Invité

finde, Waldkita ist ein wahnsinnig schönes Konzept, wenn es passt. Ich würde schauen, dass wirklich

2:13:38
Locuteur

ein

2:13:39
Invité

Garten da ist oder ein Außengelände zumindest, dass das Kind wirklich raus kann an die frische Luft.

2:13:45
Locuteur

Weil

2:13:46
Invité

das ist mit das Wichtigste und das geht gerade in den Städten

2:13:49
Locuteur

verloren.

2:13:55
Invité

Ja, vielleicht auch, dass Männer und Frauen, sowohl Männer als auch Frauen in der Kita arbeiten. Dass das Kind oder die Kinder Männer und Frauen kennenlernen.

2:14:13
Locuteur

Ich

2:14:13
Invité

bin kein Freund vom offenen Konzept. Also ich würde auch schauen, dass die Kita das offene Konzept nicht hat. Also das sind so Sachen,

2:14:21
Locuteur

da

2:14:21
Invité

würde ich vielleicht drauf achten. Und Ernährung ist auch

2:14:24
Locuteur

ein

2:14:26
Invité

ganz wichtiges Thema tatsächlich. Aber ich glaube, da sind die meisten Kitas in Deutschland ganz gut aufgestellt. Dass sie den Kindern jetzt

2:14:33
Locuteur

kein

2:14:35
Invité

Hundefutter servieren oder sowas. Ich glaube, da sind die Eltern...

2:14:39
Locuteur

Wobei

2:14:39
Présentateur

Hundefutter ist ja gar nicht so wahrscheinlich.

2:14:41
Locuteur

Ja,

2:14:42
Invité

war jetzt ein doofes Beispiel.

2:14:44
Locuteur

Ich meine,

2:14:44
Présentateur

mittlerweile wird ja so viel Hundefutter gibt es da. Und das ist ja alles schon Luxusfutter. Ich glaube, da gibt es Menschen, die... Ich behaupte mal, da gibt es Menschen, die ernähren sich schlechter als gewisse Haustiere.

2:14:57
Locuteur

Ja,

2:14:58
Présentateur

aber

2:14:59
Invité

ich zum Beispiel, ich habe jetzt eine Kita kennengelernt. Da haben die vormittags eine Köchin da, die wirklich alles frisch... Gut,

2:15:07
Locuteur

das

2:15:07
Invité

ist eine kleine Kita. Die haben nur 30 Kinder, glaube ich, insgesamt. Und die sind auch nicht immer alle da. Aber die macht jeden Tag

2:15:14
Locuteur

selbst...

2:15:15
Invité

Es gibt nicht mal eine Tomatensauce aus der Dose, sondern die macht wirklich die Tomaten aus frischen Tomaten. Okay,

2:15:21
Locuteur

aber da

2:15:21
Présentateur

musst du schon auch Glück haben, dass du so jemanden...

2:15:24
Locuteur

Da

2:15:24
Invité

muss man Glück haben. Aber wie gesagt, da kann man ja gucken. Also

2:15:28
Locuteur

ich

2:15:28
Invité

habe ja das große Glück, keine Kinder zu haben und diese Entscheidung nicht

2:15:31
Locuteur

treffen

2:15:32
Invité

zu müssen. Aber jetzt hypothetisch, also das sind alles so Sachen, wo ich denke,

2:15:36
Locuteur

ja...

2:15:38
Invité

Ausgewogene Ernährung.

2:15:41
Locuteur

Gibt

2:15:41
Présentateur

es etwas, das du noch erwähnen willst, was dir auf dem Herzen liegt, dass du vielleicht während dem Gespräch

2:15:49
Locuteur

irgendwie

2:15:50
Présentateur

nicht konntest?

2:15:52
Locuteur

Da

2:15:57
Invité

müsste ich jetzt echt überlegen. Und ich glaube erst mal nicht. Wir haben gut gesprochen.

2:16:02
Présentateur

Ja. André, ich möchte mich bedanken, dass du hierher gekommen bist und einen Einblick gegeben hast in diese Welt der

2:16:10
Locuteur

Kita

2:16:11
Présentateur

und Jugendhilfe auch.

2:16:14
Locuteur

Ich

2:16:14
Présentateur

hatte keine Ahnung, was da... Also

2:16:17
Locuteur

ich

2:16:18
Présentateur

finde es schön, weil du hast immer ein bisschen beides gezeigt. Du hast gezeigt, okay, da gibt es grosse Herausforderungen

2:16:23
Locuteur

und

2:16:24
Présentateur

es gibt aber auch sehr viele gute und schöne Seiten da. Ich weiß nicht,

2:16:29
Locuteur

wo

2:16:29
Présentateur

dein Weg jetzt hinführt in dieser Arbeitswelt, aber ich wünsche dir jedenfalls, dass es in die Richtung geht, wo du dich gut fühlst dabei, wo für dich stimmt, wo du etwas findest,

2:16:42
Locuteur

dass

2:16:42
Présentateur

es sich lohnt, morgens aufzustehen. Und

2:16:48
Locuteur

ich

2:16:48
Présentateur

bedanke dir die Hand. Das ist ein

2:16:50
Invité

wunderbarer Wunsch, da danke ich dir. Ja,

2:16:53
Présentateur

das ist

2:16:53
Locuteur

mit das

2:16:53
Invité

Schönste, was man jemandem wünschen kann.

2:16:56
Présentateur

Okay, ja, danke. Das ist mir jetzt einfach so in den Sinn gekommen, weil ich, wenn ich so dir zugehört habe, dann denke ich,

2:17:02
Locuteur

das

2:17:02
Présentateur

wäre, was du

2:17:03
Locuteur

aus

2:17:04
Présentateur

meiner Sicht verdienst. Dankeschön.

2:17:06
Locuteur

Ich

2:17:07
Présentateur

danke dir auch. Ich danke dir für diesen.